Der Dorfladen „s’Lädele“ in Öhningen-Schienen ist bei der Internationalen Grünen Woche in Berlin als „Dorfladen des Jahres 2019“ ausgezeichnet worden. Damit wurde nicht nur die jahrelange Arbeit der freiwilligen Helfer gewürdigt, sondern auch das gemeinschaftliche Konzept, das man in Schienen seit fast 13 Jahren verfolgt.

Austausch mit Betreibern anderer Dorfläden

Für den Vorstand war die Auszeichnung in Berlin zudem noch mit einem regen Austausch mit den Betreibern anderer Dorfläden verbunden, wie Vorstandsmitglied Andrea Kasper erläuterte: „Wir konnten viel von den anderen Dorfläden erfahren und lernen.“ Und das, obwohl das „Lädele“ praktisch das älteste Projekt dieser Art in Berlin war.

Während man vor Jahren noch anderen Gemeinden und Dörfern mit Rat zur Seite stand, wenn es um die Gründung eines Dorfladens ging, profitieren die Betreiber aus Schienen nun auch von den Erfahrungen der anderen. Zwei davon werden die Schienener laut Andrea Kasper näher unter die Lupe nehmen.

Neue Unternehmensform für s'Lädele?

„Alle anderen Dorfläden haben eine andere Unternehmensform gewählt, weil diese deutlich günstiger ist, als das genossenschaftliche Prinzip“, erklärte sie. Dabei handelt es sich um die haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft (UG), die es erst seit 2008 in Deutschland gibt. Für Kasper ist die UG eine echte Alternative zur Genossenschaft, die aus ihrer Sicht nur viel Kosten und Arbeit verursacht. „Auf diese Weise könnten wir pro Jahr rund 2000 Euro sparen“, sagte sie.

Angesichts der chronisch knappen Kasse des Lädele sicherlich ein attraktiver Gedanke. Denn der Dorfladen in Schienen könnte allein auf sich gestellt nicht wirtschaftlich arbeiten. Er wird unter anderem durch den jährlichen Schienerberglauf, den Genossenschaftsmitglieder organisieren, querfinanziert.

Außerdem sorgen Werbeeinnahmen, die man über Produkte des Lädele einnimmt, für weitere Einnahmen. Andrea Kasper möchte den Teilhabern vorschlagen, die „Unternehmensform zu wechseln“. Laut ihrer Aussage, wäre das relativ einfach zu bewerkstelligen und mit keinem Verlust für die Anteilseigner verbunden.

Ein Café für zusätzliche Einnahmen

Als weitere Idee aus Berlin haben sie und Vorstandsmitglied Stephan Singer die Erweiterung des Lädele mitgenommen. „Alle anderen betreiben auch ein kleines Café, das zusätzliche Einnahmen generiert. Das könnte ich mir hier auch vorstellen.“, sagte sie. Dazu wäre ein kleiner Anbau nötig, der auch das Platzproblem im Lädele etwas entschärfen könnte. Mit nur 50 Quadratmetern gehört man im Vergleich mit den anderen Dorfläden zu den Kleinsten.

Was man in jedem Fall beibehalten wird, ist das Angebot von regionalen Frischwaren. Der Café-Anbau wäre prinzipiell Sache der Gemeinde Öhningen. Zumindest einen entsprechenden Vorschlag könnte man der Gemeinde unterbreiten. Denn auch sie und der Teilort Schienen profitieren von der Existenz des Lädele. „Für die Attraktivität und einen Begegnungsort im Dorf muss man etwas tun“, befand dazu Andrea Kasper.