In Baden-Württemberg häufen sich die Wetterextreme als Boten des Klimawandels. Die mit dem Wandel verbundenen Waldbrände, Ernteausfälle, Hitzeschäden und extremen Pegelunterschiede in den Gewässern bedeuten künftig auch eine finanzielle Mehrbelastung für die Kommunen und zeigen die Dringlichkeit, den Klimaschutz voranzutreiben. Einstimmig beschloss der Gemeinderat von Öhningen deshalb, dem Klimaschutzpakt in Baden-Württemberg beizutreten.

Mit dem vom Land initiierten Pakt und den für die Jahre 2020/21 vorgesehenen Förderungen in Höhe von 27 Millionen Euro können sich Gemeinden im Klimaschutz hervortun. Denn genau so ist der Klimaschutzpakt konzipiert: Als Vorbildfunktion für die Bürger, bei der das Land die Kommunen bei der Umsetzung ihrer Aktivitäten in Sachen Klimaschutz unterstützt. Laut Umweltministerium des Landes sind dem Pakt bislang 412 von 1101 Kommunen beigetreten. Öhningen ist die sechste Gemeinde im Landkreis, die sich bis 2040 der Klimaneutralität verschrieben hat.

Bürgermeister Andreas Schmid begreift den Beitritt zum Klimaschutzpakt als Absichtserklärung der Gemeinde für den Klimaschutz. Laut der Tischvorlage zur Sitzung des Gemeinderats komme der öffentlichen Hand besagte Vorbildfunktion zu. Durch das neue Heizkraftwerk am Feuerwehrhaus und das Nahwärmenetz könne nun ein Großteil der gemeindlichen Gebäude mit Energie aus den heimischen Wäldern versorgt werden. Zudem seien die Straßenbeleuchtung fast komplett auf energiesparende Leuchtmittel umgestellt und auf vielen Dächern gemeindlicher Gebäude Photovoltaik-Anlagen installiert worden – zuletzt eine größere Anlage auf der ehemaligen Schule in Wangen. Derzeit erstelle die Verwaltung eine Energiebilanz und werde sie dem Gemeinderat zur Kenntnis geben.

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„Es gibt noch vieles, was die Gemeinde für den Klimaschutz machen kann“, so Andreas Schmid. Sie wolle weiterhin in regenerative Energiequellen investieren. Wichtig sei auch, durch Handlungen kein zusätzliches klimaschädliches Kohlendioxid freizusetzen. Neben dem Ausbau der Photovoltaik und der energetischen Gebäudesanierung setze Öhningen auf eine klimaschonende Mobilität. Die Gemeinde schaffte ein Elektrofahrzeug an und könne auch den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) bei den Dienstreisen nach Konstanz einbeziehen. Die Verwaltung wolle zudem elektronische Akten und Antragsstellungen einführen sowie das papierfreie Büro fördern und die Beleuchtung innerhalb der Gebäude auf LED umrüsten.

Bislang ein Drittel des Stroms aus regenerativen Energien

In Öhningen wurden im Vorjahr rund 9,2 Millionen Kilowattstunden Strom verbraucht, wobei fast ein Drittel aus regenerativen Energien stammten, zitiert Andreas Schmid die neuesten Zahlen des örtlichen Energieanbieters. Schmid visiert in der Gemeinde eine Stromeinspeisung regenerativer Energien von rund Zweidrittel an. 2018 habe jeder Öhninger durchschnittlich 559 Kilowattstunden Solarstrom erzeugt – bei einem Privatverbrauch von rund 1000 bis 1500 Kilowattstunden. Da es neben den Eisenbahnlinien und Autobahnen zwischenzeitlich auch Öffnungsklauseln für Freiflächenanlagen in Landschaftsschutzgebieten gebe, rechnet Schmid damit, dass weitere Anlagen hinzukommen könnten.

In der Aussprache begrüßte Andrea Dix (Netzwerk) die Erfassung der Energiebilanz für die Gemeinde, damit konkret Einsparungsmöglichkeiten aufgezeigt werden könnten. Sie böten auch den Bürgen einen Anreiz, an der Erreichung der Ziele mitzuwirken. Anstelle Landschaften mit Voltaikanlagen zu belegen, plädiert sie beispielsweise auf Solarbeschattungen von Parkplätzen. Schmid bevorzugt hingegen ein Mix unterschiedlicher Anlagen und verweist auf die derzeit 250 genutzten Dachflächen im Gemeindegebiet.

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Mit dem Beitritt zum Klimaschutzpakt verpflichtet sich die Gemeinde konkret zur Klimaneutralität. Christine Schäfer (CDU) interessierte sich über das Aussehen einer potenziellen Kontrolle, ob die Aktivitäten der Gemeinde die Anforderungen des geforderten Standards erfüllen. Die vom Land geforderte Energiebilanz gebe vorerst Einblick in den Klimaschutz, so Schmid. Er könne sich vorstellen, dass in Kooperation mit anderen Gemeinden eine Stelle für einen Klimamanager geschaffen werde. Doch sei bisher die Resonanz nicht sehr hoch gewesen, so Schmid.