Die Bilanz der Spurgruppe für das Mehrgenerationen-Wohnprojekt in Öhningen ist ernüchternd: mangelnde Teilnahmen an zwei Austauschabenden im Sommer und die Absage einer Ende September geplanten Exkursion wegen geringem Bürgerinteresse.

Diese Bilanz mache einen Strategiewechsel des Projekts notwendig. Die Verwaltung schlug daher in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats vor, das Mehrgenerationenwohnen (MGW)-Projekt in ein Projekt des allgemeinen Wohnens zu modifizieren.

Bürger sollen mitentscheiden

Wobei die Gemeinde in einem weiteren Schritt die Bürger an der Diskussion über die Ausgestaltung teilhaben lassen möchte. Eine Bürgerbeteiligung im November soll ein Rahmenkonzept für die künftige Nutzung des Geländes an der Poststraße bringen.

Nach einer angeregten Diskussion stimmten acht Ratsmitglieder für den vorgeschlagenen Strategiewechsel. Sechs Räte sprachen sich dagegen aus. Sie wollten dem MGW-Projekt eine weitere Chance geben – unter anderem wegen den Restriktionen der Pandemie.

Interesse nahm stetig ab

Das MGW-Projekt wurde Anfang dieses Jahres in die Öhninger Bürgerschaft getragen. Seither habe das Interesse am Projekt deutlich abgenommen, so Projektleiterin

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Katharina Riedel. Sie registrierte bei den Bürgern eine fehlende Bereitschaft, sich aktiv in das MGW-Projekt einbringen zu wollen.

Gemeinsam mit der Spurgruppe empfahl sie deshalb, den Fokus des Projekts zu weiten, um größeres Interesse bei den Bürgern zu wecken. Mit einer Bürgerbeteiligung könne dann ein Grundstein für ein Rahmenkonzept gelegt werden. Darin enthalten sein solle die Verwendung des Geländes, die auch einen Mehrwert für die Gemeinschaft habe.

Manche Räte wollen an der Idee festhalten

In der Aussprache befand Gemeinderat Michael Otto (FBL) die Idee des MGW-Projekts noch immer als gut. Er resümierte, dass solch ein Projekt zwischen fünf und sieben Jahren brauche, um ins Laufen zu kommen. Zudem habe Corona es nicht erlaubt, dass sich die Bürger treffen konnten.

„Ich denke, diese Zeit sollte das Projekt verdient haben“, so Otto. Wenn jedoch keine Keimzelle daraus entstehe, so könne er sich mit einem Strategiewechsel anfreunden. Christine Schäfer (CDU) zog aus der bisher geringen Teilnahme andere Schlüsse. Bei den Bürgern könnten vielleicht andere Dinge wichtiger sein. Sie wolle das Projekt öffnen, um weitere Wünsche aufzunehmen.

Öhningen kann bestimmen, was entsteht

Um die Bürger anzustoßen, regte Stefan Singer (Netzwerk) an, das MGW-Projekt für Gruppen außerhalb der Gemeinde zu öffnen. Frank Leitner (OBF) bedauere den Strategiewechsel hin zum allgemeinen Wohnen. Für ihn gebe es in Öhningen keinen anderen Ort, an dem es möglich sei, im Alter vor Ort soziale Kontakte zu knüpfen.

Für Gerhard Wiedenbach (CDU) bleibt die Hoheit der Flächennutzung bei der Gemeinde. Künftigen Investoren könnten die Rahmenbedingungen für eine Nutzung vorgegeben werden.

Begrenztes Potenzial

Öhningen benötige keine externe Hilfe um das MGW-Projekt zu stemmen, so René Zimmermann (CDU) in Bezug auf Stefan Singer. Die Spurgruppe habe entschieden, mit Investoren zu sprechen und sich Vorschläge einzuholen. Er schloss sich der Argumentation Wiedenbachs an, dass die Gemeinde immer Einfluss darauf habe, was auf dem Gelände gemacht werde.

Durch die Lage Öhningens zwischen Wasser- und Landgrenze, dem Schienerberg und und Naturschutzgebieten stünden Öhningen kaum Möglichkeiten für Projektflächen zur Verfügung. Nichts sei so wertvoll wie unbebautes Land, so Andrea Dix (Netzwerk). Sie sprach sich für den Erhalt als Potenzialfläche aus.

Bürgermeister Andreas Schmid verwies in der Aussprache auf den Einfluss der Gemeinde bei Kaufverträgen. Michael Ottos Vorschlag, die Entscheidung über einen Strategiewechsel zu vertagen, wurde abgelehnt.