Hinter zwei unscheinbaren grauen Türen liegen sie verborgen: die beiden Wasserbecken im Wasserhochbehälter Zielhag. Sie versorgen mitunter den Öhninger Ortsteil Wangen mit Trinkwasser. Als Wassermeister Stefan eine der Türen öffnet, verharrt er kurz und schaut ein wenig sorgenvoll auf die Kamera. „Jetzt aber nichts ins Wasser fallen lassen“, bittet er. Auf die laienhafte Frage weshalb, fügt er nur schmunzelnd hinzu: „Das wäre nicht so gut für das Wasser der Wangener.“

Viele Rohre, viele Ventile: Öhningens Wassermeister Stefan Rieker bei der Arbeit. Er überprüft die Technik im Wasserhochbehälter Zielhag.
Viele Rohre, viele Ventile: Öhningens Wassermeister Stefan Rieker bei der Arbeit. Er überprüft die Technik im Wasserhochbehälter Zielhag. | Bild: Matthias Güntert

Insgesamt verfügt Öhningen mit seinen beiden Ortsteilen Wangen und Schienen neben dem Wasserhochbehälter Zielhag über sechs weitere Hochbehälter, 19 Quellen und drei Tiefbrunnen. Laut Wassermeister Stefan Rieker werden damit normalerweise rund 3.600 Bürger versorgt. Normalerweise, denn Ende Juli wurde das Wasser in Wangen knapp. Damals, so Rieker, sei eine Tiefbrunnenpumpe samt deren Ersatzpumpe ausgefallen. „Ein Drittel von der ursprünglichen Kapazität hat gefehlt“, ergänzt Öhningens Bürgermeister Andreas Schmid.

Hoher Wasserverbrauch im Sommer

Zeitgleich sei der Wasserverbrauch zu dieser Zeit doppelt so hoch gewesen wie sonst, da sich aufgrund der touristischen Hochsaison rund ein Drittel mehr Personen in Wangen aufgehalten haben. „Dann ging es in Richtung Brandreserve“, so Schmid. Damals sei der Pegel nur noch bei 1,28 Meter gestanden. „15 Zentimeter noch und es wäre mit der Brandreserve eng geworden“, so Rieker.

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Mittlerweile hat sich die Lage in Öhningen entspannt. „Rund 2,4 Meter Wasserhöhe, wir sind im grünen Bereich“, sagt Wassermeister Stefan Rieker mit Blick auf die Kontrollkonsole. Jedes der zwei Becken im Hochbehälter Zielhag umfasst 170 Kubikliter Trinkwasser. Seiner Einschätzung nach liegt der durchschnittliche Wasserverbrauch in Öhningen zwischen 125 bis 140 Liter pro Person in einem Haushalt. Einmal im Jahr werden die Becken gereinigt. Rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr wird der Behälter befüllt und atmet. „Damit die Wasserversorgung gewährleistet ist, wird immer nur ein Becken gereinigt“, erklärt Rieker.

2,4 Meter, alles im grünen Bereich: Nach dem technischen Defekt im Juli ist der Pegelstand wieder auf einen normalen Stand zurückgekehrt.
2,4 Meter, alles im grünen Bereich: Nach dem technischen Defekt im Juli ist der Pegelstand wieder auf einen normalen Stand zurückgekehrt. | Bild: Matthias Güntert

Dennoch treibt die Wasserversorgung die Gemeinderäte nach wie um, wie in der jüngsten Sitzung des Gremiums deutlich wurde. Doch Andreas Schmid gibt Entwarnung: „Wir haben genügend Wasser und die Qualität ist bestens.“ Öhningen sei für die kommenden Jahre gerüstet. Dafür sei viel investiert worden.

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Im Zuge der Bauarbeiten des Radwegs von Wangen nach Öhningen seien auch Leitungen verlegt worden, die es bei Bedarf ermöglichen würden, Wangen von Öhningen aus zu versorgen. Eine Versorgung von 80 Prozent der Wangener sei dadurch möglich. Ein kompletter Anschluss von Schienen soll dann schnellstmöglich folgen.

Die Ozonanlage: Sie sorgt mitunter dafür, dass das Trinkwasser in Öhningen beste Qualität hat.
Die Ozonanlage: Sie sorgt mitunter dafür, dass das Trinkwasser in Öhningen beste Qualität hat. | Bild: Matthias Güntert

Ein weiterer Vorteil: „In Schienen haben wir aktuell viel mehr Wasser als die rund 600 Einwohner benötigen“, sagt Schmid. Schienen verfüge über zwei Quellen sowie zwei Tiefbrunnen und habe die höchste Versorgungssicherheit in der Gemeinde.

Den Höri-Gemeinden geht das Trinkwasser nicht aus

Nach dem Pumpenausfall in Öhningen – so sieht es mit der Wasserversorgung in den restlichen Höri-Gemeinden aus.

  • Gaienhofen investiert viel in die Wasserversorgung: In Gaienhofen ist die Lage entspannt. „Wir haben selbst im trockensten Sommer immer genügend Trinkwasser“, versichert Bürgermeister Uwe Eisch. Gaienhofen könne auf genügend Wasserreserven aus unterirdischen Quellen, Tiefbrunnen und Hochbehältern zurückgreifen. „Bei uns in Gaienhofen wurde in den vergangenen Jahren viel in die Wasserversorgung investiert, davon profitieren wir nun“, sagt Eisch. Wie gut es um die Wasserversorgung bestellt ist, macht Eisch auch daran fest, dass Gaienhofen ihre Nachbargemeinde Öhningen jüngst mit Wasser versorgt hatte, als dieses dort zeitweise knapp wurde. Auch beim verheerenden Feuer auf dem Hofgut Balisheim im Sommer 2018 habe sich bestätigt, dass genügend Wasser im Falle von Großbrandereignissen zur Verfügung stehe. „Wir haben unsere Wasserversorgung auf einer Höchstversorgung aufgebaut“, so Eisch weiter, „bei uns wird das Wasser nicht knapp.“
  • Alles im grünen Bereich in Moos: „Der aktuelle Stand unserer eigenen Quellen ist laut unseren Wassermeistern für den Sommer auf einem normalen Stand“, berichtet der Mooser Bürgermeister Patrick Krauss. Eine Knappheit, vor allem von Trinkwasser, sei in Moos kein Thema. Natürlich sinke der Wasserstand über einen heißen Sommer, „aber die Regenfälle der vergangenen Wochen haben unseren Quellen gut getan“. Einen besorgniserregenden Stand habe Krauss in seiner Gemeinde nicht feststellen können. Dies umfasse auch die Einschätzung der Obst- und Gemüsebauern in Moos und den Ortsteilen. „Natürlich sind in heißen Perioden die Bäche und oberirdischen Gewässer pegeltechnisch zurückgegangen, aber auch dort besteht kein Grund zur Sorge“, betont Bürgermeister Krauss. (mgu)

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