Bei den Kindern und Jugendlichen bis 14 Jahren des Fußballclubs Öhningen-Gaienhofen haben die ersten Lockerungen des Lockdowns, durch die sie wieder zum Training gehen durften, Freude ausgelöst. Doch wie lange diese bei den jungen Sportlern währt, hängt noch von den Entwicklungen der Corona-Pandemie ab. In der vergangenen Woche überschritt die Inzidenz den Wert von 100 Infektionen auf Hunderttausend Einwohner. Mittlerweile ist sie zwar wieder gesunken – aber trotzdem könnten hohe Werte die ersten Lockerungen für den Fußballclub zurücknehmen, befürchtet die erste Vorsitzende, Claudia Späth.

Ohnehin hängen von Lockerungen oder möglichen Verschärfungen noch mehr Dinge für den Club ab: Die erste Herren-Mannschaft etwa nahm bis Ende Oktober des vergangenen Jahres an Hinspielen für die Bezirksmeisterschaft teil. Damit die Meisterschaft überhaupt zählt, müssten bis Ende Juni sieben weitere Hinspiele ausgerichtet werden. Für den Club käme eine Lockerung daher gelegen. Denn der FC Öhningen-Gaienhofen führt aktuell die Bezirkstabelle an.

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Vor dem Lockdown gab es Vorsichtsmaßnahmen

Bei Heimspielen begleiteten rund 300 Zuschauer das Geschehen. „Wir hatten die Maßnahmen zum Schutz der Zuschauer nochmals verstärkt“, erläutert Claudia Späth: Dabei hätten die Grundvereine FC Öhningen und SV Gaienhofen viel Herzblut, aber auch viel Geld in die Umsetzung der Hygienemaßnahmen gesteckt. „Das war ein logistischer Kraftakt. Aber wir hatten das mit unseren Grundvereinen gemeinsam hinbekommen.“ Für seine Heimspiele setzte der Club digitale Technik mittels QR-Code ein, die eine Aufnahme der Kontaktadressen erleichtern sollte.

Allerdings gab es ein Problem: Was den Mobilfunk zum Aufbau einer Internetverbindung betreffe, so liege Öhningen noch in der Steinzeit, sagt Claudia Späth. Allein der Mobilfunkstandard 3G sei in Öhningen recht unwahrscheinlich. So mussten Kontaktdaten wieder händisch aufgenommen werden, wenn Zuschauer kein Schweizer Netz nutzen konnten.

Vorbereitungen laufen normalerweise ab Februar

Und dann kam der Stop: Bereits im Oktober sei abzusehen gewesen, dass die Infektionszahlen wieder kritische Werte annehmen und die Pandemie den Club erneut in den Lockdown führen würde, erinnert sich Claudia Späth. Und im November kam er dann. Eigentlich wäre der letzte Spieltag für die erste Herrenmannschaft der 13. Dezember gewesen, Anfang Februar wären die Aktiven wieder mit ihren Vorbereitungen gestartet.

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Um nach der Unterbrechung des Spielbetriebs fit zu bleiben, mussten die Fußballer sich Alternativen überlegen: Die Aktiven organisieren sich nun in den sozialen Medien. Sie gehen laufen und absolvieren ein Online-Programm. Das alternative Training begreift die erste Vorsitzende Claudia Späth aber als ein Fitnessprogramm in eigener Verantwortung. Dies könne kein Ersatz für ein Präsenztraining der Mannschaft sein, bei der es auch um Spielabläufe gehe. Besonders schwierig sei das fehlende Training für die Kleinen gewesen, da gerade sie auf das Miteinander angewiesen seien.

Ein Bild eines Fußballspiels zwischen dem SG Liggeringen-Güttingen und dem FC Öhningen-Gaienhofen II von Ende Oktober 2020. Der Verein hofft auf Lockerungen, um Sport- und Vereinsleben wieder aufnehmen zu können.
Ein Bild eines Fußballspiels zwischen dem SG Liggeringen-Güttingen und dem FC Öhningen-Gaienhofen II von Ende Oktober 2020. Der Verein hofft auf Lockerungen, um Sport- und Vereinsleben wieder aufnehmen zu können. | Bild: Salzmann, Dirk

Soziale Komponente fehlt ebenfalls

Dabei gehe es mehr als nur um ein Kicken, so Claudia Späth. Fußball habe auf der Höri vor allem auch eine soziale Komponente. Die Aktiven und die Jugend hätten andere Motive beim Fußballspiel, analysiert Claudia Späth die unterschiedlichen Folgen des sportlichen Lockdowns. Die Jugend wolle einfach nur Fußball spielen, so die Vorsitzende. Und eigentlich müssten sie es auch. Denn das Training bräuchten sie für ihre sportliche Entwicklung.

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Und wenn das Training für die Aktiven nicht anfange, so könnte die Fußballsaison abgebrochen werden, befürchtet Claudia Späth. Ihr persönlicher Wunsch wäre, wenn die Fußballsaison auf sportlichem Wege fair abgeschlossen werden könnte. Es sei einfach besser, wenn man das sportlich regeln könnte – zumal im letzten Jahr die Saison bereits abgebrochen wurde.

Alle Folgen sind noch unklar

Obwohl der Fußballclub Öhningen-Gaienhofen die Corona-Krise bisher gut gemeistert habe, wisse man nicht, welche Spuren die Pandemie in den Köpfen der Menschen hinterlasse, sagt Claudia Späth: Denn Fußball sei im Dorf mehr als nur ein sportliches Ereignis. „Fußball ist Begegnung. Und der Sportplatz eine Begegnungsstätte“, erklärt die Vorsitzende: An Heimspielen würde Jung und Alt zusammenkommen. Familien treffen ihre Freunde samt deren Kindern. Die sonntäglichen Heimspiele seien ein schöner Termin, bei dem das Dorf zusammenkommen würde. Deshalb sei es wichtig, dass der Fußballsport in Öhningen weitergehe. Zudem müssten Kinder ihre Energie bündeln und herauslassen können. Als Schulen noch geschlossen waren, sei der fehlende Fußballsport für die Kleinen eine Katastrophe gewesen, fühlt sich Claudia Späth in ihre Jugendgruppen ein.

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Immerhin: Der FC Öhningen-Gaienhofen stehe trotz Pandemie weiterhin auf soliden Beinen. Er finanziere sich durch Mitgliedsbeiträge und durch das Sponsoring erklärt Claudia Späth. „Wir haben keine Austritte. Uns haben alle die Treue gehalten“, freut sich die erste Vorsitzende. „Auch fast alle Sponsoren sind noch dabei.“ Das sei nicht selbstverständlich und großartig, da es Manche in der Krise schwierig hätten. Und Trainer verzichteten auf ihre Vergütung. Die gesamten Sportanlagen werden zudem von der Gemeinde gestellt. Da der Club außerdem kaum hohe Ausgaben habe, sei er durch den Lockdown in keine finanziellen Schwierigkeiten geraten.