Anfang März wurde der zweite Corona-Fall im Landkreis Konstanz bekannt. Er kam aus Öhningen. Bisher wurden dort 20 Personen positiv auf das Virus getestet. Vier davon waren Stand Anfang November infiziert. Auch wenn diese Anzahl im ersten Moment niedrig erscheint, so weist Bürgermeister Andreas Schmid besonders auf den Inzidenzwert hin, der die auftauchenden Krankheitsfälle genau beschreiben kann und den Vergleich mit anderen Gemeinden, Landkreisen und Bundesländern ermöglicht.

Bei 3700 Einwohnern liegt dieser in Öhningen bei 108 Infektionen auf 100.000 Einwohner und damit unter dem Wert des Landkreises. Doch jede Infektion erhöht die wöchentliche Inzidenz um den Wert 27. Cluster aus Veranstaltungen wurden in Öhningen bisher nicht bekannt.

Die erste Quarantäne-Anordnung warf der Bürgermeister noch selbst in den Briefkasten

Die Infektionen mit dem Corona-Virus beschränkten sich auf einzelne Haushalte, die untereinander in Kontakt standen. Im Rathaus selbst sind bislang keine Infektionen bekannt geworden.

Am Anfang war der Umgang mit dem Pandemie-Geschehen etwas hektischer, erinnert sich Bürgermeister Schmid an den ersten Fall. Schließlich war Öhningen eine der ersten Gemeinden im Landkreis, in denen das Virus auftauchte. „Wir wurden ins kalte Wasser geschmissen“, so der Bürgermeister.

Ein hektisches Wochenende

Die ersten Fälle tauchten zu einem Wochenende auf. Andreas Schmid fuhr in sein Büro zurück, schrieb den Brief mit dem Quarantänebescheid und warf ihn persönlich in den Briefkasten ein.

Mittlerweile habe sich der Ablauf automatisiert. „Wir bekommen die Mitteilungen über infizierte Bürger und die Kontaktpersonen vom Gesundheits- und Landratsamt. Wir erlassen die Bescheide und heben die Quarantäne wieder auf“, so Schmid. Es seien zwar insgesamt mehr Mitteilungen geworden, doch es halte sich noch gut in Grenzen, die die Verwaltung abwickeln könne.

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In den Dörfern habe man weniger Angst, dass die Lage unkontrollierbar wird, so Schmid: Im Gegensatz zu Städten mit dicht besiedelten Wohnblöcken, bei denen Menschen eng zusammen wohnen, gebe es in den Wohngebieten der Dörfer größere Abstände. In enger Abstimmung mit dem Landkreis weiß die Gemeinde schnell, wo sich ein Infektionsgeschehen befindet und was die Verwaltung zu unternehmen hat.

Eine gefährliche Situation bestehe, wenn sich ein Rathausmitarbeiter infizieren und die Quarantäne den Verwaltungsbetrieb einschränken könnte. Die potenziellen Kontaktpersonen der elf Mitarbeiter seien jedoch technisch ausgerüstet, dass sie die Arbeit von zu Hause aus erledigen könnten, so Schmid.

Bislang noch kein Fall unter Rathaus-Mitarbeitern

Im Rathaus lassen die Mitarbeiter seit der Pandemie mehr Vorsicht walten. Die meisten haben ein eigenes Büro und tragen im Kontakt zueinander Masken. Das Bürgerbüro sowie die Arbeitsplätze wurden mit Plexiglas-Scheiben ausgestattet. Besucher werden auf die Maskenpflicht hingewiesen. Treffen mit Bürgeranliegen und Besprechungen werden in größere Räume verlegt. Durch den engen persönlichen Kontakt mit dem Führungskreis mit wöchentlichen Terminen konnte auf einen speziellen Corona-Krisenstab verzichtet werden.

Vermehrt tauchen Bürger im Rathaus auf, wenn sich Pandemie-Verordnungen durch die Ministerkonferenzen ändern. Schmid macht keinen Hehl daraus, dass auch die Verwaltung manchmal überfordert ist, wenn Informationen darüber nur aus den Nachrichten vorlägen. Die Mitarbeiter verweisen auf den Stichtag, ab dem die konkret ausformulierte Verordnung erscheint, damit genaue Auskünfte erteilt werden könnten.

Sorge um die Gastbetriebe

Durch die Grenznähe und den Pendelverkehr beziehen sich viele Fragen auf den bilateralen Umgang mit den Schweizer Nachbarn. Zudem wenden sich Reiserückkehrer oft an die Gemeinde, um Quarantäne-Fragen abzuklären. Durch den Teil-Lockdown mit den Kontaktbeschränkungen auf zwei Familienhaushalte bestanden auch Fragen zu Hochzeiten und ob Pflegeeltern daran teilnehmen könnten.

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Andreas Schmid macht sich angesichts des Teil-Lockdowns Sorgen um die fünf Gastbetriebe in den Ortschaften. Wegen der Radweg-Baustelle sind nun zwei Gastbetriebe in Wangen besonders von Umsatzeinbußen betroffen. Mit der Sperrung der Kreisstraße wurde der Ort einen Monat lang von der Schweizer Kundschaft abgeschnitten. Nun erlebt die Wangener Gastronomie mit dem Teil-Lockdown erneut strenge Einbußen.

Durch Ausgleichszahlungen des Landes für die wegbrechenden Einnahmen aus der Gewerbesteuer und weiteren Finanzhilfen komme die Gemeinde für das Jahr 2020 mit einem blauen Auge davon, so Bürgermeister Schmid. Die Gemeinde gehe jedoch davon aus, dass ihr kurz- und mittelfristig wesentliche Einnahmeverluste drohen und sie den kommenden Haushalt nicht ausgeglichen gestalten kann.