Urte Lipp ist Gastronomin des Bistros Grille in Öhningen. Inzwischen sind die Corona-Hilfen für November und Dezember im vollen Umfang bei ihr eingetroffen. Mit ihnen könnten rund 75 Prozent ihrer Fixkosten gedeckt werden.

Trotz starker Umsatzeinbußen hält sie die restriktiven Maßnahmen auch künftig für sinnvoll. Ihr würden zwar die liebgewonnen Gäste fehlen, doch sollte man kurz vor dem Ende eine Therapie nicht abbrechen, so die Haltung der Gastronomin.

Löble Reisen kämpft mit großem Umsatzeinbruch

Löble Reisen ist ein mittelständischer Familienbetrieb in zweiter Generation mit Sitz in Wangen am Bodensee. Das Unternehmen aus der Touristikbranche veranstaltet mit einem eigenen Fuhrpark Reisen in das In- und Ausland und gehört wegen der Bewegungs- und Reiseeinschränkungen in der Pandemie zu den am stärksten betroffenen Betrieben der Corona-Krise.

Der Betrieb erlitt während den Schließungen von März bis Ende Juni und ab November einen Umsatzeinbruch von mehr als 75 Prozent. „Man ist hilflos und kann nichts dagegen tun“, fasst Harald Löble die aktuelle Situation zusammen.

Komplizierter Weg durchs Hilfsprogramm-Wirrwarr

Den Grundtenor der von Bund und Land in Aussicht gestellten Hilfen beschreibt er als „sehr, sehr kompliziert“ und mit den Worten „Hilfsprogramm-Wirrwarr“. Harald Löble hat sich bisher mit fünf unterschiedlichen Hilfsprogrammen von Bund und Land auseinandergesetzt.

Kompliziert: Harald Löble setzte sich mit fünf Überbrückungshilfen auseinander.
Kompliziert: Harald Löble setzte sich mit fünf Überbrückungshilfen auseinander. | Bild: Georg Lange

Bei den Hilfsprogrammen müsse man genau hinschauen, ob man überhaupt berechtigt sei, erläutert der Reiseunternehmer: Die sicherste Variante, sich in dem „Wirrwarr der Hilfsprogramme“ zurechtzufinden, sei die Inanspruchnahme der Hilfe von Steuerberatern, da diese am besten informiert seien und bei ihnen die Informationen über die Voraussetzungen gebündelt vorliegen würden. Steuerberater seien sogar zwingend notwendig, um den Anspruch geltend zu machen.

Da er Landeshilfen bekam, habe er nun keinen Anspruch auf die Novemberhilfe des Bundes. Rund die Hälfte der anfallenden Kosten werden aktuell durch die eigenen Reserven und Rücklagen finanziert und gedeckt.

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Harald Löble kann die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie nachvollziehen und findet sie im Großen und Ganzen in Ordnung. Was nicht in Ordnung sei, dass ein Großteil der Kosten auf dem Rücken derjenigen Branchen ausgetragen werde, die jetzt geschlossen seien und diese nicht richtig entschädigt würden.

Kritik an der Solidarität der Gewinner

Während andere Branchen ihre besten Gewinne tätigen, müssen die geschlossenen Betriebe 30 Prozent ihrer Fixkosten bezahlen, so Löble: Eine versprochene Solidarität mit geschlossenen Branchen sehe anders aus. Solidarität bedeutet für ihn, dass Branchen diejenigen unterstützen, die helfen, die Pandemie einzudämmen. „Es ist ja nicht unsere Pandemie“, so Löble. Er stellt die Solidarität der Gewinner der Krise in Frage.

Löble verweist auch auf die Langzeitschäden in der Touristikbranche. Sie müsse wieder von neuem starten und mit Werbekampagnen das Vertrauen zurückgewinnen. Diese Zusatzkosten würde kein Hilfsprogramm abdecken.

Die Bootsscheune auf der Höri ist ein kleiner Familienbetrieb in Wangen und liegt an einem reizvollen Paddelrevier. Zunächst startete die Bootsscheune als reiner Tourismusbetrieb mit der Vermietung von Kanus und geführten Rheintouren.

Vera Floetemeyer-Löbe erhielt bisher nur die Soforthilfen vom März vergangenen Jahres.
Vera Floetemeyer-Löbe erhielt bisher nur die Soforthilfen vom März vergangenen Jahres. | Bild: Georg Lange

Der Schwerpunkt des Familienbetriebs verlagerte sich hin zu Gruppenfahrten für Schulklassen mit Erlebnispädagogik sowie zu einem Angebot für Betriebsausflüge. Neben Kanufahrten veranstaltet die Bootsscheune Konzerte, Lesungen und Theateraufführungen. Für Hochzeiten, Familien- und Betriebsfeste bietet sie in ländlicher Atmosphäre und in der großen Scheune Platz für viele Personen.

Umsatzeinbußen um rund 95 Prozent

Die Spezialisierung der Bootsscheune auf Gruppenfahrten sowie auf größere Eventveranstaltungen ließ die Umsätze des Familienbetriebs seit März vergangenen Jahres um rund 95 Prozent fallen. Denn staatliche Verordnungen unterbinden seit rund einem Jahr gerade die Zusammenkunft größerer Gruppen sowie Schulausflüge.

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Reisebeschränkung und Beherbergungsverbote wirkten sich vor allem auch auf Künstlerengagements aus dem europäischen Ausland aus. Nur kurze Zeit konnte der Betrieb Fahrten in kleinen Kanus oder Tretbooten anbieten. Selbst die gesicherten Einkünfte aus der Vermietung des Zirkuswagens und des Baumhauses als Ferienwohnung fielen der Pandemie zum Opfer.

Familienbetrieb fällt durchs Raster

„Wirtschaftlich ist es schwierig“, schildert Vera Floetemeyer-Löbe. Zwar seien die ersten Corona-Hilfen vom März 2020 angekommen, doch fühle sie sich hilflos gegenüber den Voraussetzungen für die Novemberhilfe des Bundes.

Der Betrieb sei keine Gastronomie oder Hotelerie. Das Kulturangebot erfolge ehrenamtlich auf Spendenbasis. Durch dieses Prinzip konnten Veranstaltungen mit deutlich reduzierter Besucherzahl für die Kultur wegen den Kosten für die Anfahrt und Übernachtung nicht gestemmt werden. Da die Bootsstube keine Vereinsstruktur habe, gebe es auch keine Zuschüsse oder Spenden für das Kulturangebot. „Überall fallen wir mit dem was wir machen durch“, so Vera Floetemeyer-Löbe.

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„Wir können trotzdem noch etwas einkaufen, da mein Mann als Bootsbauer arbeitet und die Bootsscheune als Drehort für die TV-Krimiserie Wapo diente“, so Floetemeyer-Löbe. Sie fühlt sich nicht nur durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wirtschaftlich geschädigt, sondern auch ideell, da ihr das Feedback ihrer Gäste fehle, die dieses „Stück heile Welt mit Ziegen und der alten Scheune genossen und sich mit ihrer Landlust in diese heile Welt hineingeträumt hatten.“

Steuerberater soll helfen

Vera Floetemeyer-Löbe möchte nun einen Steuerberater beauftragen, der sie in der komplizierten Einordnung und bei der Antragsstellung für weitere Hilfen unterstützen kann. „Die Pandemie wird uns noch lange verfolgen“, ist sie sich sicher. Deshalb wolle sie neue Konzepte für ihre Angebote aus den Bereichen Kultur, Tourismus sowie der Bewirtschaftung und Beherbergung erarbeiten, um sich so ein Auskommen, auch mit dem Corona-Virus, zu sichern.