Die Teilnehmer am Bürgerdialog hatten 2017 großes Interesse an einem Mehrgenerationen-Wohnprojekt in Öhningen geäußert. Inzwischen wurde für diese Idee ein rund 4400 Quadratmeter großes Grundstück als Potenzialfläche im Herzen von Öhningen identifiziert. Es liegt zwischen der Poststraße und der Grundschule und grenzt nachbarschaftlich an den Supermarkt sowie an Ein- und Zweifamilienhäuser an. Das Wohnprojekt steht noch in der Anfangsphase seiner Planung und Ausgestaltung.

Die Beteiligung der Bürger ist ausdrücklich erwünscht. Sie können an einer Videokonferenz am Dienstag, 4. Mai, teilnehmen, bei der das Projekt vorgestellt wird und Ideen eingebracht werden können. Eine Spurgruppe aus zehn Öhningern wurde bereits gegründet. Sie wird von der Bürgerbeteiligungsagentur Translake aus Konstanz begleitet. Katharina Riedel von der Agentur Translake gibt vorab Einblicke in das Projekt und in die Vorgehensweise. Zusätzlich bietet Translake vorab an zwei Terminen eine technische Einführung im Umgang mit einer Videokonferenz an.

Für das Mehrgenerationen-Wohnprojekt wurde eigens eine Spurgruppe aus zehn Bürgern gegründet. Ursprünglich komme dieser Begriff vom Skifahren, erläutert Katharina Riedel: Eine Spurgruppe kundschafte im Vorfeld eine Abfahrtsstrecke aus und teste deren Tauglichkeit. Auf das Projekt übertragen, bestünden die Mitglieder der Spurgruppe für das Mehrgenerationen-Wohnprojekt aus einer bunt gemischten Gruppe von Öhningern, die als Gremium unterschiedliche Blickwinkel in das Projekt einbringen. Willkommen seien dabei auch Kritiker, um von Anfang an verschiedene Perspektiven in die Planung einzubringen, so Riedel. Die Spurgruppe bestehe paritätisch aus Frauen und Männern. Sie seien im Ort gut vernetzt und dienten dem Projekt auch als Multiplikatoren, da sie möglichst viele Öhninger erreichen können. Vier von ihnen gaben der Agentur bereits ein Interview und äußerten sich über die Idee eines Mehrgenerationen-Wohnens.

Beteiligte bringen Lebensentwürfe in die Diskussion ein

Überraschenderweise habe eine Interviewpartnerin ihre Verwunderung kundgetan, sich vor Projektbeginn mit dem Konzept schwer getan zu haben, sagt Katharina Riedel. Doch dies habe sich in Gesprächen und durch die Gruppensitzungen der Spurengruppe geändert. Katharina Riedel macht hier deutlich, dass genau das bei der Spurensuche und der Bürgerbeteiligung wertvoll sei: Die Auseinandersetzung mit dem Thema könne zu einem Mehrwert für die Beteiligten führen: Wozu brauche man überhaupt so ein Projekt? Und weshalb brauche man ein Mehrgenerationen-Wohnen in Öhningen und vor Ort?

Die Teilnehmer würden dabei zu einem Prozess angestoßen. Sie dächten über ihre persönlichen Lebenszusammenhänge nach und projizierten sie auf das Projekt. Am 13. April findet sich die Spurgruppe zu ihrer dritten Gesprächsrunde ein. Bei deren letzter Videokonferenz im März nahmen rund 20 weitere Interessierte teil, erinnert sich Riedel.

Alle Generationen können voneinander profitieren

Für die Interviewten der Spurgruppe stellt das Projekt eine Möglichkeit dar, ein flexibles Wohnen für Jung und Alt sowie für Menschen mit verschiedenen Hintergründen anzubieten, wobei auch Singles mit Familien zusammenkommen könnten. Sie entdeckten den Wert eines selbstbestimmten Lebens im Alter, wobei auch Alleinerziehende mit Patchwork-Familien zusammenkommen könnten. Mehrfach erwähnten die Interviewten den Aspekt des bezahlbaren Wohnraums sowohl für Jüngere wie Ältere.

Angedacht wurden auch Gemeinschaftsräume für kleine Veranstaltungen. Für eine Spursuchende ist das zwanglose Zusammenkommen mit der Möglichkeit eines gemeinsamen Austauschs wichtig. Einsame Menschen könnten so eine Gemeinschaft finden. Oder auch jüngere von den Erfahrungen älterer Bürger profitieren, teilte ein weiterer Spurenleser im Interview mit.

Die Umsetzbarkeit ist eine der zentralen Fragen

Katharina Riedel zeigt sich zuversichtlich. Es gebe keinen besseren Start, als wenn Gemeindeverwaltung und Gemeinderat dem Projekt positiv gegenüber stünden. Zumal in der Spurgruppe auch Gemeinderäte seien, die das Projekt mitgestalten und regelmäßig informiert sind. Der Vorteil dieser Vorgehensweise liege am Realitätsbezug und dass die Beteiligten auf dem Boden der Tatsachen blieben. Die Teilnehmer schauen dabei, ob so ein Projekt für Öhningen überhaupt umsetzbar sei, so Riedel.

Seien die Anforderungen an das Projekt in einer späteren Phase ausformuliert und ein Wissen darüber entstanden, wohin das Projekt gehen werde, so könnten Projektgruppen initiiert werden, die sich konkret an der Ausgestaltung des Gebäudes und um baufachliche Themen kümmern könnten, gibt Riedel einen kleinen Ausblick auf das weitere Vorgehen. Doch vorerst sollen Ideen und Anregungen von den Bürgern aus Öhningen eingeholt werden.