Eine enorme Verstärkung und ein großer baulicher Eingriff wären notwendig, damit im Dachgeschoss des Öhninger Augustiner Chorherrenstifts ein statisch sicherer Veranstaltungsort entstehen könnte. Obwohl technisch realisierbar befürchtete die Gemeindeverwaltung, dass die hierfür entstehenden Umbaukosten in keinem Verhältnis zu einem Mehrwert stehen könnten. Durch die notwendige Stehhöhe von zwei Metern bleibt im Dachgeschoss des Chorherrenstifts nur noch eine Nutzungsfläche von rund 100 Quadratmetern übrig. Ein Pfeiler würde zudem die Sicht versperren. Hinzu käme der Bau eines zweiten Fluchtwegs.

„Der nutzbare Raum wäre zu klein, um die hohen Investitionen zu rechtfertigen“, sagte Bürgermeister Andreas Schmidt in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Er schlug vor, auf den Veranstaltungsraum zu verzichten und das Dachgeschoss für eine Wohnnutzung vorzubereiten. Der Rat stimmte bei einer Enthaltung seinem Vorschlag zu.

Es wären 160.000 Euro mehr nötig gewesen

Schmidt erläuterte dem Gremium, welche Eingriffe notwendig wären und schätzte die Mehrkosten auf über 160.000 Euro. In seinem Plädoyer für eine Wohnnutzung stellte Andreas Schmid als Nebeneffekt weitere Kostensenkungen in Aussicht: Mit einer Umnutzung könnten so auf Nebenräume wie beispielsweise sanitäre Anlagen für den Veranstaltungsort verzichtet werden.

Der Bauausschuss hatte bereits am Vortag einer Umnutzung zugestimmt und dem Rat empfohlen, auf den Versammlungsraum zu verzichten. Wie das Dachgeschoss letztlich als potenzieller Wohnraum genutzt und ausgebaut werden soll, obliegt weiterhin dem Willen des Gemeinderats. Zunächst sollen hierfür nur die Grundlagen mit der Verlegung von Leitungen und für Rohre geschaffen werden.

Rückfragen und Kritik aus dem Rat

In der Aussprache interessierte sich Gemeinderätin Christine Schäfer (CDU) für die Fluchtwege. Bei einer Umnutzung von einem Veranstaltungsort hin zur gewerblichen Nutzung reduziere sich die Breite des Fluchtwegs von 120 auf 100 Zentimeter, informierte Andreas Schmid. Bei einer Wohnnutzung auf 80 Zentimeter. Weitere Ausbaumaßnahmen sollen in Abstimmung mit dem Rat und mit einem künftigen Nutzer entwickelt werden und zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

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Stefan Singer (Netzwerk) erinnerte den Rat während der Entscheidungsfindung daran, dass das Dachgeschoss für eine kulturelle Nutzung angedacht war. Würde sich der Rat auf eine Wohnnutzung festlegen, so gebe es ebenso einen weiteren Schnitt als Versammlungsraum. Bürgermeister Andreas Schmidt verwies hier auf die Phasen der weiteren Planungen durch den Rat. Je mehr man in die Endplanung komme, desto besser könne man abschätzen, ob ein Besprechungsraum oder ein Proberaum für die Musikakademie entstehen könne. Für Konzerte hingegen sei der Bürgersaal im Rathaus besser geeignet. Dort ließen sich bis zu 120 Personen unterbringen gegenüber von 85 Personen im Dachgeschoss des Chorherrenstifts, so Schmid.

Alternative für sanitäre Anlagen für die Gastronomie

Im Chorherrenstift liegt unterhalb des Bernhardsaals ein zugeschütteter Keller. In diesem waren für die Gastronomie die sanitären Anlagen vorgesehen. Durch den Fund eines mittelalterlichen Bades bei einer archäologischen Ausgrabung musste diese Planung jedoch fallen gelassen werden. Als Ersatz wurde die Remise im Augustiner-Stammhaus in Betracht gezogen. Doch die Gemeinde bekomme keine verbindliche Zusage bis Verhandlungen zwischen dem Land und der Kirche zum Abschluss kommen, so Schmid.

Diesen Status Quo bezeichnete Schmid als ein Dilemma zwischen Verhandlung und Eröffnung der Gastronomie. Der Bürgermeister möchte einer möglichen Absage vorbeugen und sucht einen Ersatz für den präferierten Standort in der Remise. Als alternativen Standort schlug Andreas Schmid dem Rat den gemeindeeigenen Kapitelsaal im Chorherrenstift vor. Die Remise sei der beste Ort für die Anlage, zeigte sich Andrea Dix (Netzwerk) in der Aussprache sichtlich erregt über die über seit zwei Jahrhunderten andauernden Besitzstreitigkeiten beim Chorherrenstift zwischen Land und Kirche. Er legte den beteiligten Parteien eine Einigung nahe.

Der Gemeinderat akzeptierte für den schlimmsten Fall den Vorschlag mit dem Kapitelsaal. Das Gremium gab grünes Licht für die technische Verlegung von Grundleitungen.

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