Man merkt es eigentlich erst, wenn es einem fehlt: Trinkwasser aus dem Hahn ist selbstverständlich. Doch welche Technik und Arbeit dahinter steckt, dass rund um die Uhr hygienisch einwandfreies Trinkwasser zur Verfügung steht, macht erst ein Blick hinter die Kulissen deutlich. "Es braucht rund 50 Tage, bis Regen in einer unserer Quellen ankommt", schildert Öhningens Wassermeister Stefan Rieker. 50 Tage ohne Regen sind ein Problem, danach können Quellen sogar trockenfallen. Dann würde es eng werden.

In Öhningen gibt es sieben Behälter, in die das kostbare Nass aus elf Quellen und zwei Tiefbrunnen zusammengetragen wird. Jedes dieser Rohwasser hat eine andere Zusammensetzung und unterschiedliche Härtegrade und werden regelmäßig auch auf Schadstoffe wie Mikroplastik oder Verkeimung überprüft. Daniel Wosnitzka vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches erklärt dazu: "Die Anforderungen an das Trinkwasser sind sehr hoch. Gesetzlich geregelt wurden sie erstmalig in Deutschland im Jahr 1975, die aktuell gültige Norm trat erst im Januar diesen Jahres in Kraft." Und die deutschen Normen sind an einigen Stellen, was zum Beispiel die Bekämpfung von Legionellen angeht, höher als die Richtlinien der Europäischen Union. "Unser Trinkwasser hat eine hervorragende Qualität. Keine Quelle auf Öhninger Gemarkung weist eine Grenzwertüberschreitung auf, wir liegen in allen Bereichen deutlich unterhalb der strengen Normen", führt Stefan Rieker aus.

Die Tür zum alten Hochbehälter ist schwer zu öffnen. Es gelingt nicht auf Anhieb. Stefan Rieker findet aber eine Lösung.
Die Tür zum alten Hochbehälter ist schwer zu öffnen. Es gelingt nicht auf Anhieb. Stefan Rieker findet aber eine Lösung.

Dennoch bedarf es regelmäßiger Kontrollen und Analysen, denn das Wasser verändert sich. Durch den Klimawandel wird auch das Quellwasser immer wärmer. Keime fühlen sich dann wohler und vermehren sich stärker. Vorsorge ist da ein wichtiger Baustein. Öhningen setzt auf eine Ozonanlage, die die Keime abtöten soll. Diese Ozonanlage im Hochbehälter Zielhag ist aber in die Jahre gekommen. Bürgermeister Andreas Schmid sagt: "Seit der Errichtung des Behälters ist die Ozonanlage nun in Betrieb. Ab Juni ist jetzt nicht mehr gewährleistet, dass es dann noch Ersatzteile für diese Anlage geben wird." Alternativen wurden gesucht. "Die kosten aber rund 150 000 Euro", erklärt Schmid. Ob sie mehr bringen, ist ungewiss. Die erzielten Werte mit einer voll funktionsfähigen Ozonanlage seien gut, also warum sollte man in eine andere Anlage umschwenken? Und es gab noch ein Unternehmen, dass eine passende Ozonanlage liefern könnte. Für Wassermeister Rieker ein ganz wichtiger Schritt. Wenn eine Wasserprobe genommen wurde, braucht es fast 36 Stunden, bis ein Ergebnis vorliegt. Er schildert: "Bei einem Befund müssen wir dann sehr schnell reagieren und auch alles dokumentieren." Es sei wichtig, Vorkehrungen zu treffen, "dass wir erst gar nicht Chlorungen und anderes einsetzen müssen".

Neben Ozon kommen riesige Sandfilter zum Einsatz. "Da läuft das Rohwasser von oben durch und wird durch den Sand nochmals gereinigt", erklärte Rieker. Diese Sandfilter verdichten sich aber. Der Inhalt muss dann wieder gelockert werden. "Das nennt der Fachmann Rückspülen." Dann läuft das Wasser von unten in den Filter, lockert den Sand und Verunreinigungen werden ausgeschwemmt und extern aufgefangen. Rieker sagt: "Diese Rückspülungen erfolgen immer in der Nacht, weil dann der Wasserverbrauch am geringsten ist." Das ist richtig Aufwand, der da rund um die Uhr betrieben wird. Da macht Rieker einen Vergleich auf: "Wenn man die Kosten für einen Liter Trinkwasser aus dem Hahn nimmt und vergleicht, was die gleiche Menge Mineralwasser im Supermarkt kostet, sind wir unschlagbar."

 

Wasserversorgung

Aus elf Quellen und zwei Tiefbrunnen fließt das Wasser in Öhningen durch ein rund 80 Kilometer langes Leitungsnetz in eine Pumpstation und sieben Behälter zu rund 100 Hydranten und den einzelnen Hausanschlüssen in der Gemeinde. Parallel zur Versorgung der Haushalte muss soviel Wasser zur Verfügung bereitgestellt werden, dass im Fall eines Brandes die Feuerwehr rund zwei Stunden mit Wasser aus den Hydranten versorgt werden kann. Das Jedes dieser Rohwasser jeder Quelle hat eine andere Zusammensetzung und unterschiedliche Härtegrade. Alle werden regelmäßig geprüft. (mij)