Das altehrwürdige Augustiner Chorherrenstift ist immer für eine Überraschung gut. Jüngstes Beispiel ist der Fund einer Mauer, die während der Untersuchungen mittels Geo-Radar durch die Decke vom Bernhardssaal aus nicht zu erkennen waren. Zwar kann auch das Landesamt für Denkmalpflege diesen archäologischen Fund nicht genauer datieren, aufgrund der Mauertechnik im Vergleich zu ähnlichen Funden geht man aber davon aus, dass diese Mauer in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet wurde. Diese Einschätzung deckt sich mit der historischen Überlieferung, die 1155 erstmals eine Propstei in Öhningen schriftlich erwähnt.

An der Erhaltung der Funde besteht aus Stuttgarter Sicht aus wissenschaftlichen Gründen, aufgrund ihres Zeugniswertes und aus heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse. Den Architekten Lukas Gäbele vom Büro Gäbele & Raufer aus Donaueschingen trifft dieser Fund nicht ganz unvorbereitet. "Wir haben mit archäologisch bedeutsamen Funden von Anfang an gerechnet", sagt Gäbele. Das habe auch den besonderen Reiz dieses Projektes ausgemacht. Die Bedeutung der Funde schätzt Gäbele genauso wie das Landesamt ein: "Bertram Jenisch, Leiter Archäologie für Mittelalter und Neuzeit, und ich sind uns einig. Einen solch bedeutsamen Fund haben wir in unserem Berufsleben noch nicht gesehen", schildert Gäbele.

Gut gedacht, aber jetzt nicht mehr möglich. Im ehemaligen Treppenhaus sollte der Fahrstuhl untergebracht werden. Nun muss ein neuer Standort für den Fahrstuhl gesucht werden. Der Einbau eines Fahrstuhls ist wichtig, damit eine Barrierefreiheit gegeben ist.
Gut gedacht, aber jetzt nicht mehr möglich. Im ehemaligen Treppenhaus sollte der Fahrstuhl untergebracht werden. Nun muss ein neuer Standort für den Fahrstuhl gesucht werden. Der Einbau eines Fahrstuhls ist wichtig, damit eine Barrierefreiheit gegeben ist. | Bild: Michael Jahnke

Nun gilt es für ihn als Planer und für den Planungsausschuss der Gemeinde umzudenken. Das werde ein spannender Prozess. Lukas Gäbele sieht die Chance, jetzt einen Mehrwert zu schaffen, den es ohne die Funde der Mauer so nicht hätte geben können. "Die Idee ist, diese Funde wirklich zu inszenieren. Archäologie zum Erleben." Gäbele kann sich sogar vorstellen, dass dies zusätzliche Besucher nach Öhningen ziehen wird.

Der Architekt weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Klosterinsel seit dem Jahr 2000 Weltkulturerbe der Unesco ist. Für ihn als Planer bietet das Augustiner Chorherrenstift eine einmalige Chance. Doch es geht bei der Planung nicht nur um die Inszenierung eines historisch wertvollen Mauerfragmentes. Fest steht, dass der geplante Fahrstuhl im bereits entfernten Treppenaufgang dort nicht eingebaut werden kann und für den Fahrstuhl eine andere Lösung gefunden werden muss. So stellt sich die Frage, ob das Ganze sich nicht zu einem Fass ohne Boden entwickelt.

Bürgermeister Andreas Schmid formuliert es vorsichtig. Er sagt: "Die Umplanungen und zusätzlichen statischen Maßnahmen werden zu Kostenverschiebungen und wahrscheinlich zu Kostensteigerungen führen. Die Zuschüsse sind an die Baukosten gebunden und würden dann entsprechend höher ausfallen." Doch die zugesagten Zuschüsse decken nicht die Gesamtkosten. Rund die Hälfte der eventuell anfallenden Mehrkosten müssten von der Gemeinde getragen werden.