Überlegungen zum Bau von Windkraftanlagen im Kanton Thurgau sorgen auf der Höri für Diskussionen. Der Entwurf sieht vor, dass bei Salen-Reutenen, Braunau-Wuppenau und Thundorf Flächen für die Errichtung von Windkraftanlagen festgesetzt werden sollen. Ebenso wie die Bundesrepublik möchten auch die Eidgenossen aus der Atomkraft aussteigen und bestehende Kernkraftwerke abschalten. In den drei Höri-Gemeinden gibt zu den Überlegungen unterschiedliche Meinungen.

Moos spricht sich nicht gegen die Pläne aus

Der Gemeinderat von Moos hat einstimmig beschlossen, keine Stellungnahme gegen den Bau von Windkraftanlagen auf dem Thurgauer Seerücken auszusprechen. Anne Overlack (Rot-Grüne Liste) hält die am Montag vom Landratsamt Konstanz veröffentlichte Stellungnahme für bedenkenswert. Darin setzt sich das Landratsamt kritisch mit den geplanten Anlagen auseinander und kommt zu dem Ergebnis, dass aufgrund der zu erwartenden erheblichen negativen Auswirkungen von Großwindanlagen auf die Standorte Salen-Reutenen und Cholfirst gänzlich verzichtet werden sollte.

In einem offenen Brief äußert sich Overlack als Mitglied der Kreistagsfraktion der Grünen. Mit lediglich sechs Prozent Anteil erneuerbarer Energien gehöre der Landkreis Konstanz bundesweit zu den Schlusslichtern bei der Gestaltung der Energiewende. Die Fraktion der Grünen im Kreistag begrüße ausdrücklich die Initiative des Kantons, ein dementsprechendes Verfahren für eine sinnvolle Nutzung der Windenergiepotenziale auf dem Seerücken einzuleiten, heißt es in dem Schreiben.

Gaienhofen hält Wirtschaftlichkeit nicht für gegeben

Bürgermeister Uwe Eisch und die Ratsmitglieder sind auch nicht für die Beibehaltung von Atomstrom, es fehle aber ein Alternativkonzept. Der Seerücken sei nach Eischs Worten ein intaktes Naturparadies. Noch vor zehn Jahren sollte er sogar ein Naturpark werden, sagt Uwe Eisch auf Anfrage. Aufgrund mangelnder Alternativkonzepte kämen Auswüchse zustande, bei der Windkraftanlagen an Orten errichtet werden, an denen aufgrund der geringen Windhöffigkeit gerade die unterste Wirtschaftlichkeitsgrenze erreicht würde.

"Niemand würde auf die Idee kommen, in ein mit hoher Wahrscheinlichkeit unwirtschaftliches Projekt zu investieren", führt Uwe Eisch weiter aus. Dies mache nur dann Sinn, wenn Kapitalrückfluss und Rendite staatlich garantiert seien. Dann würden ökologische Aspekte keine Rolle mehr spielen. Landschaftsverbrauch, tausende Kubikmeter Betonfundamente, die nicht mehr entfernt werden könnten, und Waldrodungen, Verlust von Lebensraum für Flora und Fauna, seien nur einige der Argumente gegen den Bau der Windkraftanlagen auf dem Thurgauer Seerücken.

Öhningen hält sich aus Schweizer Subventionspolitik heraus

Bürgermeister Andreas Schmid schilderte bei der Beratung dieses Themas, dass man gegen die Subventionspolitik der Schweizer Nachbarn wohl nichts einwenden könne. "Wenn sich auch aufgrund dieser Subventionspolitik eine Windkraftanlage rechnet, die Einspeisevergütung in der Schweiz höher ist als in der Bundesrepublik, was können wir dagegen anführen?", fragt Schmid.

Selbst im Ortsteil Wangen, das in Sichtachse zum geplanten Windpark liegt, werde diese Einschätzung geteilt. Das berichtete Gemeinderätin Vera Floetemeyer-Löbe aus der Diskussion im Ortschaftsrat. Dessen Meinung laute: Es solle nicht Aufgabe der Gemeinde sein, eine Stellungnahme abzugeben. Wenn Bürger sich gegen das Projekt aussprechen wollten, könnten sie sich direkt an den Kanton Thurgau wenden.

Menschen in Schienen sehen oft stillstehende Windräder von Verenafohren

Diese Haltung konnte Ortsvorsteher Wolfgang Menzer (CDU) so nicht nachvollziehen. Die Landschaft, die Natur werde durch die Bauten "nachhaltig verschandelt", glaubte Menzer. Nachhaltige und gleichzeitig vom Windertrag her auskömmliche Energiepolitik wäre so nicht erzielbar. Vom Schienerberg aus könne man auf die Windräder in Verenaforen bei Tengen blicken und immer wieder sehen, dass die Windräder stillstehen.

Betreiber des Windparks will noch keine Stellung nehmen

Auf der Internetseite des Windparks Verenaforen werden die Winderträge des vergangenen Jahres veröffentlicht. Aus der Grafik geht hervor, dass nur in drei Monaten die prognostizierten Winderträge erreicht wurden. Andreas Reinhardt, Geschäftsführer des Betreiberunternehmens Hegauwind und Geschäftsführer der Stadtwerke Radolfzell, wollte zum jetzigen Zeitpunkt dazu noch keine Stellung nehmen. Viel Zeit für Einsprüche beim Kanton Thurgau bleibt nicht mehr. Die Einspruchsfrist läuft heute, 24. Januar, ab.