Das gemeinsame Konzert vom Männergesangverein Öhningen-Schienen und dem Musikverein Schienen brachte Menschen auf ungewöhnliche Weise zusammen. „Bitte rücken Sie auf den Bänken etwas enger zusammen, damit noch mehr Besucher einen Sitzplatz finden“, forderte Vorstand Jürgen Schwarz vom Musikverein die Konzertbesucher auf. Dies hätte auch noch den Effekt, dass es einem etwas schneller warm werde in der doch kühlen St.Genesius-Kirche.

Es gab während des Konzerts aus gutem Grund nicht einen einzigen Sitzplatz mehr. Das Programm, eigens für dieses Doppelkonzert zusammengestellt, war außergewöhnlich. Jürgen Schwarz erläuterte: „In einem Kirchengebäude sollte das Programm darauf abgestimmt und dementsprechend auch anspruchsvoller sein.“ Das wurde schon beim ersten Auftritt des Männergesangvereines deutlich.

Felix Mendelssohn-Bartholdys Werk „Der Jäger Abschied“, erstmals 1839 veröffentlicht, ist aktueller denn je. Dieter Laib, einer der Bass-Stimmen des Vereins, wies auf den Text hin. Im Refrain heißt es: „Leb wohl, du schöner Wald.“ Dies sei zwar damals anders zu verstehen gewesen, bekomme aber aufgrund der Klimakrise und der Schäden in den Wäldern eine andere, fast bittere Bedeutung. Auch bei den drei folgenden Liedvorträgen verstand es Laib auf Hintergründe hinzuweisen. „Es sind Lieder, die der Romantik zuzuschreiben sind. Es geht um Frieden, Harmonie, Freundschaft und Liebe. Eigenschaften, die wir in unserer heutigen Zeit so dringend brauchen.“

Sänger interpretieren Klavierstück

Danach folgte die nächste Überraschung. Johannes Brahms Ungarischer Tanz Nr. 6 ist für vier Hände am Klavier komponiert. Dass man es auch als Männerchor lebhaft aufführen kann, bewiesen die 22 Sänger auf beeindruckende Weise. Mit einer gemeinsamen Aufführung leitete der Männergesangverein zu dem Teil des Konzerts über, der vom Musikverein Schienen gestaltet werden sollte.

Dirigentin Martina Welte sagte: „Wenn zwei Musikgruppen mit unterschiedlichem Repertoire und mit unterschiedlich gesetzten Liedern gemeinsam ein Konzert veranstalten, kann man sich vorstellen, dass die ersten Proben immer sehr spannend sind.“ Doch es muss allen Musikern und Sängern letztlich gelungen sein. Der Choral „Ich glaube an die Macht der Liebe“ wird regelmäßig als Bestandteil des Großen Zapfenstreichs der Deutschen Bundeswehr gespielt und sorgt dort bei zu verabschiedenden Politikern für feuchte Augen. Auch in der Pfarr- und Wallfahrtskirche erlebten die Konzertbesucher einen Gänsehautmoment.

Martina Welte steuerte ihr Orchester zum nächsten Höhepunkt: dem Lied „The Rose“. Sie ersetzte die Stimme der Sängerin Bette Midler durch den Solisten Martin Menzer, der die Besucher auf der Piccolo-Trompete zu einem Beifallssturm hinriss. Männergesangsverein und Musikverein bildeten gemeinsam den Abschluss: Das Irische Segenslied „Möge die Straße uns zusammenführen“ drückte aus, was sich die Besucher insgeheim wünschten: mehr gemeinsame Konzerte.