Der Radweg zwischen Öhningen und Wangen entlang der Landesstraße 192 beschäftigte den Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung in einer ungewohnten Weise. Es lag ein Antrag des Regierungspräsidiums Freiburg vor, jetzt doch in den Sommerferien des Ausbau weiter fortzusetzen.

Nur ab dem 12. August solle für zwei Wochen die Baustelle ruhen. Dieser Antrag wurde damit begründet, dass nach aktuellem Stand die Bauverzögerung etwa sechs Wochen betrage. Wenn man von Seiten der Gemeinde dieser außergewöhnlichen Anfrage nicht stattgeben würde, könne das Datum der Fertigstellung nicht garantiert werden. Das warf im Rat Fragen auf. Die Begründung, dass der Arbeitsrückstand an der Witterung läge, war nur schwer nachvollziehbar.

Unerwartete Leitungsfunde im Boden

Auf SÜDKURIER-Nachfrage schilderte Valentin Wind, kommissarisch mit dem Projekt bei der Bauleitung in Singen beauftragt, die genaueren Hintergründe: Im gesamten Gebiet, insbesondere im Einmündungsbereich an der Schloßstraße, waren bei den Aufgrabungen Leitungen entdeckt worden, die in den Planunterlagen nicht dokumentiert waren.

„Deshalb waren zur genauen Ortung weitere Suchschlitze notwendig“, erläuterte Wind. Das wiederum habe zu Änderungen in der Planung geführt, da Entwässerungsleitungen verändert ausgeführt werden mussten. Er erklärte weiter: „Hinzu kamen zusätzliche Sanierungsarbeiten von Versorgungsleitungen im Bereich der Petruskirche, sowie Querungen und Hausanschlüsse.“

Auch Arbeitsschutz spiel eine Rolle

Als weiteren Grund führt Wind das Inkrafttreten einer neuen Arbeitsschutzrichtlinie (ASR 5.2) an. Aufgrund dieser sei, so Wind, in einem Teilbereich der Baustelle die Errichtung eines Notgehweges erforderlich geworden. Bei Arbeiten im Grenzbereich zum laufenden Straßenverkehr sei das Unfallrisiko für die Arbeiter auf der Baustelle um ein Vielfaches höher als bei anderen Beschäftigungsgruppen in der Bauwirtschaft.

Diese zusätzlichen Arbeiten und Maßnahmen hätte zur Folge gehabt, dass der Zeitplan für die Arbeitskolonnen, die die Asphaltierungsarbeiten hätten vornehmen sollen, auch nicht mehr einzuhalten war. Valentin Wind erklärte: „Wir können vom beauftragen Unternehmen nicht verlangen, zusätzliche Arbeiten auszuführen und gleichzeitg den Zeitplan einzuhalten.“

Bürgermeister Andreas Schmid sagte dazu: „Jetzt kommt es darauf an, dem Bauunternehmen ein paar zusätzliche Arbeitswochen zu genehmigen.“ Das sahen die Gemeindevertreter genauso. Einstimmig beschlossen sie, dem Antrag des Regierungspräsidiums stattzugeben.