Öhningen – Im zweiten Anlauf hat es dann doch geklappt. Die Höri-Gemeinde Öhningen hat einen Zuschuss für den Aufbau eines Nahwärmenetzes in der historischen Ortsmitte zugesagt bekommen. "Wir haben vergangenes Jahr schon einen Zuschussantrag gestellt und leider eine Absage bekommen. Jetzt hat es geklappt und wir freuen uns sehr. Es ist ein wichtiger Baustein", sagt der Öhninger Bürgermeister Andreas Schmid. Im Rahmen des Wettbewerbs "Klimaschutz mit System" haben insgesamt 15 kommunale Klimaschutzmaßnahmen ein Preisgeld von mehr als neun Millionen Euro aus Landes- und EU-Mitteln gewinnen können. Öhningen erhält etwa 400 000 Euro aus diesem Topf. Ziel sei ein energetisches Gesamtkonzept in der Öhninger Dorfmitte, die CO2-Bilanz zu senken und so viele Haushalte wie möglich mit regenerativer und regionaler Energie zu versorgen, sagt Schmid. Ausgelobt wurde der Wettbewerb vom baden-württembergischen Umweltministerium. Diese Unterstützung laufe parallel zu den Geldern aus der Förderung, die die Gemeinde für die Sanierung des Augustiner Chorherrenstifts bekommt.

Konkret soll nun auf dem Schulgelände eine Heizzentrale mit Holzhackschnitzelkessel, Erdgaskessel und Pufferspeicher gebaut werden. Das Nahwärmenetz soll zunächst kommunale und kirchliche Gebäude versorgen, wie zum Beispiel Schule, Sportheim oder Kindergarten. Nach und nach sollen jedoch auch private Haushalte an das Netz angeschlossen werden, so Schmid. Der Aufbau eines Nahwärmenetzes im Öhninger Ortskern ist Teil des energetischen Quartierkonzepts, welches in der Gemeinde bereits seit 2013 vorangetrieben wird.

Gemeinsam mit den Stadtwerken Konstanz habe man die Möglichkeiten eines Nahwärmenetzes geprüft, sagt Andreas Schmid. Die Voraussetzungen für den Anschluss an das Netz seien im Rathaus und anderen öffentlichen Gebäuden gegeben. Inwiefern man vor allem Neubaugebiete an das Netz anschließen werde, sei noch nicht klar. "Neue Gebäude sind gut isoliert und mit modernen Heizanlangen ausgerüstet, die brauchen kein Nahwärmenetz. Das eignet sich eher für alte Gebäude", erklärt Schmid.

Jetzt geht es an die Detailfragen. Bis zum 31. März 2017 müssen die Kosten und Bauabschnitte durchgeplant und durchgerechnet werden. Das erledigt die Gemeinde in Zusammenarbeit mit einem Planungsbüro. Erst danach entscheidet sich die eigentliche Höhe der Förderung. Die Kosten für die gesamte Anlage belaufen sich laut Schmid auf etwa 800 000 Euro. Mit der Förderung aus dem Klimaschutzwettbewerb seien also rund 50 Prozent der Kosten gedeckt. Den Rest müsse die Gemeinde tragen. Noch im Dezember soll der Gemeinderat über die Pläne entscheiden. Bürgermeister Andreas Schmid hofft, noch 2017 mit den Bauarbeiten starten zu können. Jenachdem wie lange das Umweltministerium für die Prüfung der Unterlagen braucht. Zur Heizperiode 2018/2019 sollen dann Öhninger Kinder, Sportler und andere Bürger bereits Wärme aus dem Holzhackschnitzelkessel bekommen, welcher mit Holz aus heimischen Wäldern gefüttert wird.

Zum Wettbewerb

Für das Programm „Klimaschutz mit System“ stehen laut einer Mitteilung vom Umweltministerium 27 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zur Verfügung, ergänzt wird es in besonderen Fällen mit Landesmitteln. Kommunen haben insgesamt 43 Projekte eingereicht, von denen eine Jury 15 ausgesucht hat. In einer ersten Auswahlrunde im Jahr 2014 hat das Umweltministerium bereits 13 Projekte mit einem Volumen von insgesamt rund 18 Millionen Euro zur Förderung vorschlagen.

Weitere Informationen im Internet:www.efre-bw.de