Auf der Gemarkung Öhningen liegt mitten im Wald zwischen Öhningen und Schienen die Kressenberg-Quelle. Eine Quelle, deren Wasserrechte aber seit Urzeiten bei der schweizerischen Nachbarsgemeinde Hemishofen liegen. "Wann genau die Wasserrechte an Hemishofen abgetreten worden sind, können wir in unserem Archiv nicht feststellen", schilderte Öhningens Hauptamtsleiter Uwe Hirth und vermutet, dass es wohl mehr als 100 Jahre her sein muss. Auch der Präsident der Wasserkommission in Hemishofen, Urs Müller, kann nur eine Schätzung abgeben. "Das wird rund 130 Jahre zurückliegen, dass Öhningen die Wasserrechte an unsere Gemeinde abgetreten hat." Die neuesten Planunterlagen stammen aus dem Jahr 1904.

Etwas stiefmütterlich behandelt, und dennoch wichtig. Die Quelle Kressenberg ist der Hauptlieferant der Wasserversorgung. Mit ihrem Ertrag von 113 Litern in der Minute liefert sie einen Großteil des Brauchwassers und der von den Gemeinden vorzuhaltenden Löschwasserreserve. Im Fall eines Brandes kann allein mit der Quelle Kressenberg diese Löschwasserreserve innerhalb von 22 Stunden komplett wieder aufgefüllt werden.

Nun ist diese Quelle in die Jahre gekommen und muss dringend saniert werden. Das bestehende Sammelbecken entspricht nicht mehr den heute geltenden Anforderungen. "Es fehlt ein sogenannter Trockeneinstieg und den hygienischen Anforderungen nach dem Lebensmittelgesetz entspricht die Sammelbrunnenstube auch nicht mehr", schildert Urs Müller. Hemishofen will viel Geld in die Hand nehmen und diese Quelle sanieren. "Wir rechnen mit einem Finanzaufwand von 620 000 Franken", sagt der Gemeindepräsident aus Hemishofen, Paul Hürlimann, und Urs Müller ergänzt: "Mit dem Ersatz der bestehenden, über 110 Jahre alten Leitungen können wir die aktuellen Wasserverluste beheben. Das führt in Hemishofen zu einer Reduzierung für jetzt anfallende Pumpkosten aus dem Bezug des Grundwasserpumpwerkes."

Gemeinderat Öhningen muss zustimmen

Den umfangreichen Sanierungsmaßnahmen musste aber der Gemeinderat in Öhningen zustimmen. "Dem können wir nicht widersprechen. Das sind historische Verträge, die wir heute nicht ablehnen können", erklärte dazu Gerhard Wiedenbach (CDU) in der Sitzung und fand damit einhellige Zustimmung bei den Ratsmitgliedern. Dennoch gab es zu diesem Tagesordnungspunkt Einschränkungen in zwei Punkten. Zum einen dürfe es nicht sein, dass durch die Sanierung dieser Quelle zwei andere Quellen, die in unmittelbarer Nähe liegen und der Wasserversorgung in Öhningen dienen, nur noch eine geringere Wasserabschöpfung ermöglichen. "Das wird aber nicht geschehen", beantwortet der Vorsitzende der Wasserkommission, Urs Müller diese Befürchtung.

Einen weiteren Einwand erhob der Öhninger Netzmeister für Wasser, Stefan Rieker. Die Leitungsrohre der beiden nahegelegenen Quellen, die der Öhninger Wasserversorgung dienen, könnten aufgrund der Nähe und etwaiger Ungenauigkeiten bei den Plänen aus dem Jahr 1904 gefährdet sein. "Da sind in einem Waldgrundstück drei oder vier Meter als Planabweichung schon möglich. Dann könnte es ein Problem mit unseren Leitungen geben." Doch auch da gibt es inzwischen Entwarnung. Das Gebiet ist inzwischen sehr genau untersucht worden. Die anfänglichen Befürchtungen seien nach Rieker offensichtlich nicht mehr berechtigt. Der Verlegung neuer Leitungen stünde nichts mehr im Wege.

 

Strenge Richtlinien

Trinkwasser ist weltweit das wichtigste Lebensmittel. In Deutschland wurde im Mai 2001 zum Schutz dieses Lebensmittels die Deutsche Trinkwasserverordnung erlassen, die hohe Maßstäbe an die Qualität setzt. Diese Maßstäbe sind in vielen Punkten höher als die EU-Richtlinien. Zwar ist in der Schweiz die Trinkwasserqualität gesetzlich etwas anders geregelt, folgt aber in vielen Bereichen den deutschen Standards. Alle Quellen auf Öhninger Gemarkung unterschreiten die Grenzwerte der Deutschen Trinkwasserverordnung. Dennoch muss das aus den Quellen stammende Rohwasser aufbereitet und gereinigt werden. Erst danach erfüllt es die Normen für die Trinkwasserqualität.