Das Interesse der Bürger an der konstituierenden Sitzung des Ortschaftsrates in Wangen war so groß, dass die Bestuhlung im Rathaussaal nicht ausreichte. Nicht jeder fand einen Sitzplatz.

Wer wird der neue Ortsvorsteher?

Nachdem der bisherige Ortsvorsteher Siegfried Schnur schon zum Jahresbeginn erklärt hatte, dass er sich nach 25 Jahren aus der Kommunalpolitik zurückziehen werde, stand die Frage im Raum, wer seine Nachfolge als Ortsvorsteher antreten wird.

Markus Eiglsperger (Freie Wähler, FW) und Otto Hangarter (Unabhängige Ortschaftsratsliste, UOL), die die meisten Stimmen hinter sich vereinigen konnten, standen nicht zur Verfügung. Beide wollen sich erst einmal in ihre neue Aufgabe als Räte einarbeiten.

Mitgliedschaft im Rat ist nicht notwendig

Dass sich eine Überraschung abzeichnen könnte, leitete Bürgermeister Andreas Schmid mit einem Hinweis ein: „Zum Ortsvorsteher ist jeder wählbar, der auch als Ortschaftsrat hätte kandidieren können. Der Bewerber muss über 18 Jahre alt sein und in Wangen wohnen.“ Dies bedeute, ein Ortsvorsteher müsse nicht selber Mitglied im Ortschaftsrat sein.

Siegfried Schnur, der bisher allen Fragen um seine Nachfolge ausgewichen war, stellte als Kandidaten Vera Floetemeyer-Löbe (UOL) und Bruno Bohner vor. Bohner hatte sich nicht um einen Sitz im Ortschaftsrat beworben und war vor fünf Jahren aus der Kommunalpolitik zurückgetreten.

Bruno Bohner mit 6:3 Stimmen gewählt

Zu seiner Bewerbung jetzt als Ortsvorsteher sagte Bohner im Vorfeld der Sitzung: „Die Anfrage hat mich nicht nur geehrt, es hat mich auch gereizt.“ Das folgende Wahlergebnis überraschte: Der Ortschaftsrat in Wangen hat zehn Mitglieder. Sechs Räte werden von der FW gestellt, vier von der UOL. Christian Stark (FW) war aus beruflichen Gründen verhindert.

Mit sechs zu drei Stimmen gewann Bohner das Votum der Ortschaftsräte. Aus den Reihen der UOL muss also eine Stimme an Bruno Bohner gegangen sein.

Schmid: Bestätigung ist eher ein formaler Akt

„Noch bin ich nicht als Ortsvorsteher in Wangen bestätigt“, kommentierte Bohner das Ergebnis. Dies muss bei der konstituierenden Sitzung des Gemeinderates stattfinden.

Bürgermeister Andreas Schmid erklärte dazu, dass ein Gemeinderat einen vorgeschlagenen Ortsvorsteher nur mit einer Zweidrittelmehrheit ablehnen könne. Für Schmid sei die Bestätigung Bohners daher eher ein formaler Akt.

Kein Stimmrecht für den neuen Ortsvorsteher

Dennoch ergibt sich für den Ortschaftsrat nun eine ungewöhnliche Situation: Er besteht dann aus elf Mitgliedern, aber ein Stimmrecht hat Bruno Bohner – der ja nicht von der Bevölkerung gewählt wurde – im Rat nicht. So bestätigte es Roland Böhler von der Kommunalaufsicht beim Landratsamt. Diese Konstellation sei sehr ungewöhnlich.

Damit haben sich auch die Spekulationen, die sich im Publikum breit gemacht hatten, weil Bohners Ehefrau Sabine Bohner-Boutamtam ebenfalls Mitglied im Ortschaftsrat ist, erledigt. Böhler erläuterte hierzu: „In früheren Zeiten wäre dies ein Hinderungsgrund gewesen.“ Nach jetziger Rechtsauffassung bestünden keine Einwände von Seiten der Kommunalaufsicht.

Neue Stellvertreterinnen gewählt

Einfacher gestalteten sich dann die Wahlen für die stellvertretenden Ortsvorsteher. Als erste Stellvertreterin wurde Deborah Wolf gewählt, zweite ist Vera Floetemeyer-Löbe.