Betritt man das Gasthaus Zur Schifflände an der einstigen Schiffslände in Wangen, ist es als würde man ein Wohnzimmer betreten. An den Wänden hängen Familienportraits, auf der Bar steht eine alte Nähmaschine, ein runder Tisch ist bis auf den letzten Platz mit Menschen besetzt und von der Decke baumeln zahlreiche Taschentuchfiguren. "Das ist ein Ritual: Jeder der neu an den Stammtisch kommt, steckt einen Reißnagel in ein Taschentuch, versteckt eine Münze darin und wirft das dann mit Wucht an die Decke", erzählt Wolfgang Mieckley, regelmäßiger Besucher der Schifflände in Wangen.

Immer mittwochs geöffnet

Mittwochs öffnet Theresia Schneider für zwei bis drei Stunden für ihre Freunde und wie sie sie nennt "Familie" die Türen. Mit 84 Jahren ist das nicht mehr ganz so leicht, doch Schneider ist es wichtig weiterhin die Gastwirtin zu sein. "Der Umgang mit den Menschen tut mir so gut", verrät sie. Schneider, die alle Gäste nur Theres nennen, hat inzwischen eine regelrechte Fangemeinde, die sich immer Mittwochabends in der Schifflände einfindet.

Aus dem Dornröschenschlaf geweckt

Doch als Theres das alte Bauernhaus kaufte, sah das alles noch ganz anders aus. "Das Haus war in einem desolaten Zustand", erinnert sie sich. "Durch den Dachstuhl drang Wasser in das Innere und ich wurde vom ganzen Dorf ausgelacht, weil ich das Haus gekauft hatte", fügt sie hinzu.

Viele Stammgäste kommen noch immer

Doch mit viel Anstrengung renovierte sie das Gebäude, legte das Fachwerk frei, zog Balken in die Decken ein und gab dem Haus das Flair welches es heute noch besitzt. "Als ich mit den Renovierungsarbeiten fertig war, sagten alle plötzlich: Dieses schöne Haus sei viel zu schade, um darin allein zu wohnen und schlugen vor darin eine Gaststätte unterzubringen", erzählt sie lächelnd. Den Vorschlag setzte sie um und ist nunmehr seit 50 Jahren für ihre Gäste da. Von Anfang an habe es einen enormen Zulauf gegeben. Immer noch kämen Gäste, die vor 50 Jahren einmal da waren und würden sich darüber freuen, dass sich nichts verändert habe, so Schneider.

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An ein Ereignis aus 50 Jahren Schifflände erinnert sie sich gerne zurück. "Mit dem Geld aus den Taschentuchfiguren haben wir früher einmal im Jahr einen Stammtischausflug gemacht, 1994 ging es nach Lugano. Wir waren 50 Leute und wir hatten ein eigenes Zugabteil in dem wir viel Schabernack getrieben haben. Es war so ein schöner Tag", erzählt Theres breit lächelnd.

Hier treffen sich auch Künstler und Akademiker

Adi Massler ist seit der Anfangszeit regelmäßiger Stammtischkunde in der Schifflände. Für ihn ist das besondere an der Dorfkneipe, dass viele verschiedene Menschen zusammenkommen: "Man trifft hier Künstler, Akademiker und andere interessante Menschen. Die Leute kommen von überall her", berichtet Massler. "Die Schifflände hat ihren besonderen Charme", findet auch Mieckley. "Wenn man am Stammtisch sitzt, kommt immer jemand dazu, der Stuhlkreis um den Tisch wird im Laufe des Abends immer größer. Manchmal ist er so groß, dass man kaum mehr an sein Getränk auf dem Tisch kommt."

50 Jahre mitten im Dorfleben

An diesem Abend werden 50 Jahre Schifflände gefeiert. Theres und ihre herzliche Art genauso wie die Idylle und Einfachheit der Schifflände will hier niemand missen. Obwohl sie Schwierigkeiten beim Gehen hat, macht Theres weiter, wird dabei aber von ihren Gästen unterstützt. "Ich mache das bis es nicht mehr geht. Mir haben schon Leute gesagt, dass sie hier gerne mit mir meinen hundertsten Geburtstag feiern würden", verrät sie. Denn, wenn Theres Schneider die mittwöchlichen Abende aufgibt, wird auch die Schifflände und damit ein wichtiger Teil der Wangener Tradition unweigerlich mit ihr verschwinden. Doch noch ist es nicht so weit und es treffen sich weiterhin die unterschiedlichsten Menschen jeden Mittwoch und genießen die Zeit bei der Theres.