In diesem Fall ist es Zeit für einen großen Kotau. Im alten China schmiss sich jeder Untergebene drei Mal vor dem Kaiser in den Staub. Der so Gebeugte hoffte auf gnädige Behandlung und ein Weiterleben. Nur in dieser Unterwerfungshaltung wagen wir uns künftig auf die Höri, denn wir vom Redaktionsteam in Radolfzell haben höchsten närrischen Frevel begangen. Die geharnischte Zuschrift eines gewissen "Mooretti" erreichte uns heute Morgen. Die Bildreportage vom Höriumzug 2018 in Öhningen unter der Überschrift "Narrenglück bei Kaiserwetter" hatte sein äußerstes Missfallen erregt. Mooretti schreibt: "Selbst nach zehn Jahren sind es immer noch die zehn Zünfte, die man mittlerweile kennen sollte." Jetzt kommen unsere Fehler: "Die Mooser Rettiche waren nicht die Blues Brothers, sondern das Motto war Zirkus. Die Blues Brothers waren aus Weiler. Aus Schienen waren die Ärzte ohne Grenzen und Indien war das Motto von Wangen. Und die Heufresser hatten das Motto Wölfe, okay, da waren auch ein paar Jäger dabei", schreibt Mooretti.

Mooretti hat recht, da haben wir Fehler gemacht und die verschiedenen Kostümthemen nicht den richtigen Zünften zugeordnet. Dafür entschuldigen wir uns und bitten ein klein wenig um närrisches Nachsehen. Ein Fotograf bleibt bei einem Umzug nie an einem Punkt stehen, mal läuft er mit dem Umzug mit, mal gegen die Laufrichtung, immer auf der Suche nach dem besten Motiv. Manchmal verpasst er das Täfelchen mit der Zuordnung, manchmal – ganz selten – halten sich die Narren nicht an die Umzugsordnung. Beim Höriumzug kommt erschwerend hinzu: Die Narren kommen nicht in ihrem angestammten Häs, sondern ihrem Motto entsprechend kostümiert.

Artenvielfalt auf der Höri: Die Bützigräbler aus Iznang (hier Leo Glaser) boten am Sonntag ein buntes Bild. Bild: Gerald Jarausch
Artenvielfalt auf der Höri: Die Bützigräbler aus Iznang (hier Leo Glaser) boten am Sonntag ein buntes Bild. | Bild: Gerald Jarausch

Die Mooser jucken nicht als Rettiche, sie führen einen Zirkus auf oder die Bützigräbler (Iznang) schwirren als Insekten umher. Und die Themen der Zünfte am Höriumzug wechseln jedes Jahr. Da ist es nicht immer leicht, bei der Bildauswahl hinterher den Überblick zu behalten.

Das macht unseren Fehler nicht besser. Was unsere Arbeit aber künftig beim Höriumzug und anderen Umzügen erleichtern würde: Ein Laufzettel für den Reporter mit der Reihenfolge der Zünfte und ihren Kostüm-Mottos. Damit der Rettich im Zirkus und bei der Lektüre der Zeitung seinen Spaß hat.

georg.becker@suedkurier.de