Es knatterte, ratterte und röchelte von jeder Seite – im Minutentakt kamen über den Schienerberg oder Öhningen Dutzende geschmückte und qualmende Traktoren zu einer Oldtimerschau auf den Sportplatz von Schienen. Bei schönstem Wetter flanierten rund 1000 Besucher auf einer Ausstellungsfläche von mehr als 10 000 Quadratmetern zwischen 350 nostalgischen Traktoren, Motorrädern und Automobilen. Das Oldtimer-Treffen weckte sentimentale Erinnerungen. Bei mehreren Rahmenveranstaltungen zeigten Erntehelfer die Arbeitsabläufe vor der Zeit der Industrialisierung. Handwerker demonstrierten ihre Künste beim Sensen, Schmieden, Schlossern, Zimmern und Seile machen.

Günter Hartmann kam mit einem Fahr-Traktor aus den 1940er Jahren zu der Schau. Sein Schlepper mit Holzvergaser wurde im Zweiten Weltkrieg gebaut und während der Zeit knapper Kraftstoffe nur für den Betrieb mit Holzgas ausgeliefert. Durch die Verschwelung von Holz erzeugt der Traktor brennbare Gase, die vom Motor angesaugt und gezündet werden. Pro Stunde benötigt der Schlepper rund 15 Kilogramm feingehäckseltes Holz, wobei der Tank 70 Kilogramm fasst. Aus Stockach kam Willi Leitz mit einem für die Forstwirtschaft umgebauten Unimog zur Traktoren-Schau. Der riesige Traktor mit Seilwinden ist in der Lage, mehrere Baumstämme mit einem Gewicht von sechs Tonnen zu rücken, sie aus dem Wald zu ziehen und die Stämme mit einem Frontlader auf dem Feldweg übereinander zu stapeln. Mit dem Traktor holt der 80-jährige Willi Leitz heute noch Lastwagen aus den Wäldern, wenn sie im Schlamm steckengeblieben sind.

Dicht gedrängt stehen die vorwiegend landwirtschaftlichen Oldtimer auf dem Ausstellungsgelände in Schienen. Dazwischen flanieren mehr als 1000 Nostalgiker. Bild: Georg Lange
Dicht gedrängt stehen die vorwiegend landwirtschaftlichen Oldtimer auf dem Ausstellungsgelände in Schienen. Dazwischen flanieren mehr als 1000 Nostalgiker. Bild: Georg Lange

Peter, Ricarda und Christopher Bruttel kamen mit einer Harley Davidson, einer Corvette und einem Traktor angereist. Die ganze Familie hat ein Faible für Oldtimer und wohnt in Hemmenhofen in einem alten Fachwerkhaus mit rustikaler Einrichtung. Das Ursprüngliche und Alte wirkt wie ein Magnet auf Peter Bruttel: Viel Stahl und viel Holz haben es ihm angetan: Und vor allem: kein Plastik. Der Familientraktor mit außen liegendem Schwungrad und Verdampfungskühler stammt aus dem Jahr 1940. Mit einem Lederriemen trieb der Kramer-Traktor an dem Schwungrad Maschinen für der Forst- und Landwirtschaft an. Der Traktor hat keinen Starter und muss per Hand angekurbelt werden. Christopher Bruttel benötigte für das Starten seine gesamte Kraft: "Da bemerkt man schnell, was Anlasser an einem Auto alles leisten können."

Dieter Meier aus Schopfheim kam mit alten Emaille-Schildern und rund 800 antiquarischen Büchern vergriffener Oldtimer-Literatur auf die Schau. Seine Kunden wollten meist ein Buch, das zum eigenen Traktor passt, erläutert Meier. Sein Wertvollstes war das nicht mehr aufgelegte und lieferbare Porsche Diesel Buch. Der Trend gehe dahingehend, dass die Reparaturbücher einzeln gedruckt werden. Meier lässt nach den Wünschen des Kunden auch "on demand" drucken.

Auf der Ausstellungsfläche von einem Hektar gab es zeitweise auch einen regen Verkehr der Traktoren. Bild: Georg Lange
Auf der Ausstellungsfläche von einem Hektar gab es zeitweise auch einen regen Verkehr der Traktoren. Bild: Georg Lange

Thomas Ehinger ist Schlosser und baute auf dem Traktorengelände eine offene Feldschmiede auf. Ehinger beherrscht noch die Kunst, auf einem Amboss zu schmieden. Dank der fetten Nuss – einer Spezialsteinkohle, die besonders hohe Brenntemperaturen hervorbringt – brachte der Schmied den rot glühenden Stahl mit gezielten Hammerschlägen in jede gewünschte Form. Jedes Dorf hatte früher mindestens eine Schmiede, weiß Ehinger zu berichten. Über Generationen beschlugen sie die Hufen der Pferde und reparierten Wägen in der Landwirtschaft. Als Schlepper und Traktoren die Landwirtschaft eroberten, fertigten Schmiede Stahldeichseln für die Pferdeanhänger an. Schmiede hatten die Industrialisierung der Landwirtschaft lange Zeit begleitet und veränderten ihr Berufsbild hin zum Drahttechniker, zum Bauschlosser oder Landmaschinen-Mechatroniker.

Arbeitsabläufe vor der Industrialisierung zeigt Karl-Heinz Nägele mit einer Klob-Säge. Bild: Georg Lange
Arbeitsabläufe vor der Industrialisierung zeigt Karl-Heinz Nägele mit einer Klob-Säge. Bild: Georg Lange

Karl-Heinz Nägele und Janis Steinbrunner sind Zimmermänner. Mit einer Klobsäge zeigten sie die traditionelle Verarbeitung von Baumstämmen zu Balken. Vor der Erfindung der Klobsäge wurden Balken aus den Stämmen geschlagen. An alten Fachwerk-Häusern könne man noch die geschwungenen Balken sehen, an denen das Wachstum der Balken zu erkennen sei, so Nägele.

Jürgen Schwarz besitzt einen 50 Jahre alten Ferguson-Traktor, er dient dem Vorsitzenden des Musikvereins (MV) Schienen in seiner Hobbylandwirtschaft. Zwei Tage lang bauten 30 Personen die Festzelte für die Schau auf. Im größten Zelt stellte der MV Biertischgarnituren auf. In drei weiteren wurde geschlemmt, gekocht oder eine Kaffeepause gemacht. Der Gewinn der Oldtimer-Schau fließt unter anderem in die Nachwuchsarbeit sowie in eine Reise nach New York, erläutert Schwarz. Der MV erhielt eine Einladung zur Steuben-Parade auf der 5th Avenue.