Claudia Späth kann sich an keine Zeit ihres Lebens erinnern, in der Fußball keine Rolle gespielt hat. "Ich bin in einer Fußballerfamilie groß geworden", sagt die 51-Jährige, daher sei das jeden Tag ein Thema gewesen. Später war sie durch ihre Tochter regelmäßig auf dem Sportplatz, die bei dem FC Öhningen-Gaienhofen spielte. Und nun ist sie Vorsitzende des Vereins und folgt auf Thorsten Zimmermann. "Die Fußstapfen waren nicht gerade klein", sagt sie dazu.

Ende Januar habe sie zugestimmt, sich als Vorsitzende zur Wahl zu stellen. Ihre einzige Bedingung: Nach fünf Jahren als Kassiererin wollte sie diesen Posten in gute Hände geben. "Das war schon viel Arbeit, Kasse ist eine komplexe Geschichte." Nachdem sich mit Denis Wiedenbach ein fachkundiger Nachfolger fand, stellte sie sich zur Wahl und wurde die erste Frau an der Spitze des FC Öhningen-Gaienhofen. Damit sei sie eine von wenigen in der Region, wie sie selbst recherchiert habe.

"Ein bisschen mulmig war es mir schon", sagt Claudia Späth ehrlich, doch bisher laufe es ganz gut. Dabei bestehe ihre Arbeit bisher besonders aus repräsentativen Dingen wie dem Eröffnen der Spielsaison. Dass da nun eine Frau vor der Ersten Mannschaft der Männer steht, sei kein Problem: "Ich habe überhaupt kein Autoritätsproblem, das ist kein Thema. Vielleicht sind sie auch ein wenig stolz darauf, dass ich eine Frau bin." Außerdem habe sie ja Ahnung vom Geschäft und Fußball. Als Vorsitzende könne sie auch auf ein bewährtes Team zählen.

120 Männer spielen in drei Manschaften, außerdem trainiert der FC Öhningen-Gaienhofen rund 160 Jugendliche. "Es wird aber immer schwieriger, dafür qualifizierte Jugendtrainer zu gewinnen", sagt Späth. Es sei auch ein Zeitaufwand, eine Mannschaft zweimal pro Woche zu trainieren und zu Spieltagen zu begleiten. Für seine zwölf Jugendmannschaften könne sich der Verein auf etwa 25 Trainer verlassen. Um das für die Zukunft zu sichern, setze der FC verstärkt darauf, Trainern einen Trainerschein zu ermöglichen. "Je besser die Ausbildung, desto mehr können sie weitergeben", sagt Späth. Außerdem könnten die Trainer so auch etwas für sich persönlich mitnehmen.

Bild: Arndt, Isabelle

Mit ihrem Posten als Vorsitzende ist Claudia Späth für den Spielbetrieb und die Jugendarbeit des Dachvereins verantwortlich, dafür haben sich die beiden Ortsvereine 2003 zusammengeschlossen. Um andere Themen sowie ihre Vereinsheime kümmern sich der FC Öhningen und der SV Gaienhofen weiter selbst mit eigenem Vorstand, wie Späth erklärt. Die Zusammenarbeit von Vereinen werde aber auch künftig immer wichtiger, prognostiziert sie: "Früher oder später wird es nicht mehr anders gehen, gerade auf dem Land." Im vergangenen Jahr sei erstmals die SG Höri gestartet, eine Jugendmannschaft mit Spielern des Dachvereins und des SV Bankholzen. "Wir sind auf einem guten Weg", sagt Späth, daran würden sie in der nächsten Saison weiter arbeiten. Ein weiteres Projekt für ihr erstes Jahr als Vorsitzende: Die Erste Mannschaft will in die Landesliga aufsteigen. Vielleicht trägt die Motivation der neuen Vorsitzenden ja ein wenig dazu bei.