Mit Kindergartenplätzen sei man in Öhningen gut versorgt, lautet die Kernaussage von Bürgermeister Andreas Schmid. Von daher sei eine Aufnahme des geplanten Bauernhof-Kindergartens Schwalbennest in den Kindergartenbedarfsplan zurzeit nicht möglich. Doch über den aktuellen Stand hinaus gibt es weitere Überlegungen, die der Bürgermeister und der Gemeinderat anstellen. „Wir können vom jetzigen Zeitpunkt aus nicht überblicken, wie groß die Anzahl der Kinder in den nächsten zwei Jahren werden wird und wie viele Plätze die Gemeinde dann zur Verfügung stellen muss“, erläutert Schmid. Neue Baugebiete könnten für den erwünschten Zuzug von jungen Familien sorgen, Flüchtlinge könnten ihre Familien nachziehen lassen. Hinzu kommt, dass das Angebot eines Bauernhof-Kindergartens äußerst reizvoll erscheint. „Kinder müssen den Umgang mit der Natur erfahren. Kühe sind nicht lila“, formuliert Schmid das generelle Interesse der Verwaltung und des Gemeinderates an dieser Einrichtung. Gewünschte Angebotsvielfalt und unsichere Prognosen stehen aktuellen Zahlen entgegen, eine schwierige Entscheidungslage für alle.

Da kam der Vorschlag, die notwendige Anschub-Finanzierung über einen Zuschuss zu regeln, gerade recht. „Bei in Aussicht gestellten 20 Kindern im Bauernhof-Kindergarten sehen wir uns von der Gemeinde schon in der Verpflichtung“, sagt Andreas Schmid. Die Zahl von 20 Kindern ab Mai diesen Jahres wurde von Initiatorin Marion Häberle in Aussicht gestellt. Doch nun musste sie die Zahl nach unten korrigieren und zeigte dafür die Gründe auf: „Das noch verbleibende Kindergarten-Jahr vom 1. Mai bis Ende August ist vielen Eltern zu kurz. Trotzdem liegen Anmeldungen für fast zehn Kinder vor.“ Nur die Hälfte an Kindern bringt nun wiederum den Gemeinderat zu der Frage, ob der bereits geplante Start-Zuschuss in dieser Höhe für einen längeren Zeitraum dann noch gerechtfertigt sei. Festgelegt ist ein monatlicher Zuschuss von 4000 Euro pro Monat von Mai bis August 2016. Für die Zeit von September 2016 bis August 2017 ist ein monatlicher Zuschuss von 200 Euro pro Kind vorgesehen. Außerdem sollen die anteiligen Landeszuschüsse an das Schwalbennest weitergereicht werden.

Generell ist das Gremium diesem Projekt gegenüber sehr aufgeschlossen, auf die Finanzen müsse trotzdem geachtet werden, auch um eine finanzielle Gleichbehandlung der Kindergartenplätze zu gewährleisten. Stefan Singer sagt dazu: „Hier kommt es auch auf die Initiative der Trägerschaft des Bauernhof-Kindergartens an.“ Bei gleich bleibenden Zahlen auf jetzigem Niveau könne der Zuschuss nicht über einen längeren Zeitraum gezahlt werden.

Das wiederum verlagert das Problem auf die Initiatorin Marion Häberle. Planungssicherheit für Personalkosten ist nicht gegeben. „Das haben wir mit den einzustellenden Fachkräften kommuniziert“, sagt Häberle, die sich des Risikos bewusst ist. Trotzdem hofft sie, dass sich für das neue Kindergartenjahr, also ab September diesen Jahres, mehr Eltern für das Angebot interessieren. „Da wollen wir dann richtig loslegen“, zeigt sie sich optimistisch.

Ob das allein mit Kindern aus Öhningen zu erreichen sein wird, stellt Bürgermeister Schmid in Frage. Gleichzeitig hätte er damit auch ein Problem. Denn wenn nicht mehr genügend Kinder in die gemeindeeigenen und kirchlichen Kindergärten gehen, ergibt sich eine andere Finanzlücke. Diese wiederum könnte geschlossen werden, wenn Eltern der anderen Höri-Gemeinden ihre Kinder im Bauernhof-Kindergarten anmelden. „Da gibt es dann den interkommunalen Finanzausgleich“, erläutert Schmid. Doch in den Nachbargemeinden will man ebenfalls jedem Kind einen bedarfsgerechten Platz anbieten.


Direktes Erleben

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof zitiert aus einer Begründung für einen Bauernhof-Kindergarten: „Wenn Kinder heute Kühe lila malen, bei dem Einschulungstest motorische Defizite erkennen lassen und Pokemon-Varianten besser kennen als Gemüsesorten, dann wird es Zeit, auf den Bauernhof zu gehen.“ Demnach seien Kinder nicht nur zu Besuch auf einem Bauernhof, sondern der Kindergarten ist direkt auf einem landwirtschaftlichen Betrieb angesiedelt. Kinder sollen danach Landwirtschaft und Natur auf eine spielerische Weise kennen lernen und Tiere und Natur unmittelbar erfahren. Der Kindergarten Schwalbennest soll am 1. Mai auf dem Linsenbühlhof oberhalb von Öhningen seine Arbeit aufnehmen. (mij)