"Und der Gewinner ist ..." hieß es zum dritten Mal im festlichen Rahmen des Neuen Schlosses von Meersburg. Marianne Scheu-Helgert von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau war angereist, um die Preise des Netzwerks Bodenseegärten zu übergeben. Zuerst erhielt der Stiegeler Park und Garten in Konstanz den ersten Preis in der Kategorie der Historischen Gärten: Er wird in diesem Jahr genau 100 Jahre alt und so bot sich das an. Dann überreichte Lucia Kamp vom Vorstand der Bodenseegärten einen Sonderpreis für den Naturgartenwettbewerb Radolfzell.

Als Letztes folgte die Kategorie zwei, etwas umfassend mit "Umweltbewusstes Gärtnern/herausragende Initiative" überschrieben. Darunter fielen die kommerzielle Bischofszeller Rosen- und Kulturwoche genau wie der nur 25 Quadratmeter große Bauerngarten von Vera Floetemeyer-Löbe (siehe SÜDKURIER vom 2. August). Nach der Vorstellung aller fünf nominierten Gärten nochmals ein Musikstück, bevor es hieß: "Und der Gewinner ist: Der Bauerngarten von Susi und Edi Müller in Schlatt im Thurgau."

Einladend: Ein schattiger Sitzplatz zwischen Blumen- und Gemüsegarten macht Lust auf einen Moment des Ausruhens von der nicht enden wollenden Gartenarbeit.
Einladend: Ein schattiger Sitzplatz zwischen Blumen- und Gemüsegarten macht Lust auf einen Moment des Ausruhens von der nicht enden wollenden Gartenarbeit.

Die Beiden mussten erst überredet werden, zur Preisverleihung vom südlich von Büsingen gelegenen Schlatt ins etwa 70 Kilometer entfernte Meersburg zu reisen. "Es war mitten im Heuen", sagt Susi Müller im Rückblick, um dann leise hinzuzufügen: "Außerdem bin ich so erzogen, dass man sich zurücknimmt und nicht in den Vordergrund stellt." Doch das öffentliche Lob haben sich die beiden wahrlich verdient. Wie sich nicht nur in Meersburg ahnen ließ, sondern wovon man sich vor Ort auch überzeugen kann.

Immer wieder öffnen sich Ausblicke vom Garten in die Landschaft – die haben Susi und Edi Müller eigens angelegt: "Wir wollen uns nicht einigeln." Bild: Doris Burger
Immer wieder öffnen sich Ausblicke vom Garten in die Landschaft – die haben Susi und Edi Müller eigens angelegt: "Wir wollen uns nicht einigeln." Bild: Doris Burger

In Sichtweise des Kirchturms von Schlatt südlich von Büsingen findet sich das Bauernhaus des Ehepaares, daneben die große Scheune, dahinter eine Koppel mit zwei Freiberger Pferden (eine Schweizer Rasse) und eine Wiese mit Gänsen. Begrüßt wird man jedoch vom Rufen eines Milans, auf den Susi Müller aufmerksam macht. "Er wohnt hier in den Bäumen", sagt sie, "vielleicht sucht er eine Freundin, dass er so singt." Wenn man genauer hinsieht, kann man den mächtigen Vogel sogar auf einem Ast sitzen sehen.

Susi und Eid Müller: Gemeinsam pflegen sie den großen Bauerngarten rund um das Haus – auch viele Tiere wohnen mit auf dem Hof. Bild: Doris Burger
Susi und Eid Müller: Gemeinsam pflegen sie den großen Bauerngarten rund um das Haus – auch viele Tiere wohnen mit auf dem Hof. Bild: Doris Burger

Ja, die Vögel hat Susi Müller besonders gern. Zehn Nistkästen hat ihr Mann Edi gebaut, und in diesem Jahr waren alle zehn besetzt. Ein Stieglitz-Pärchen war darunter, die Jungen sind jetzt im August flügge. Überall im Garten hat sie große vertiefte Steine als Vogeltränken platziert, oben auf Stämmen zum Beispiel. Manchmal kämen die Pieper auch einfach, um zu baden, erzählt Susi Müller.

Ihr Mann Edi sei ihre unentbehrliche Stütze, wie sie betont, zuständig für die schweren Arbeiten, am Zaun oder an der Pergola, die gerade voller köstlicher Trauben hängt. Auch der Walnussbaum trägt wieder reichlich, 97 Kilo haben sie im letzten Jahr geerntet, gereinigt und getrocknet und zur Ölmühle bei Bischofszell gefahren. Bald ist schon wieder Zeit für die Ernte.

Esparsette – eine unscheinbare Wiesenblume voller Schönheit. Manchmal laben sich an ihr auch Bienen. Bild: Doris Burger
Esparsette – eine unscheinbare Wiesenblume voller Schönheit. Manchmal laben sich an ihr auch Bienen. Bild: Doris Burger

Die Stockrosen und die meisten der Duftrosen sind bereits verblüht, viele alte Sorten kennt Susi Müller. Tolle Namen haben sie: Madame Hardy heißt eine, Charles de Mills eine andere. Vor dem Haus eine Wildblumenwiese voller seltener Arten: Flockenblumen und Störchenschnabel, Wiesensalbei und Esparsette, Katzen- und Bergminze. Die Bienen summen und suchen die unscheinbarsten Blüten.

Wie es sich für einen rechten Bauerngarten gehört, ist auch ein Gemüsegarten umzäunt: Salate und Küchenkräuter, dazwischen filigrane Blüten. Der Fenchel ist ausgeschossen und darf stehenbleiben für die Schmetterlinge, erläutert Susi Müller. Auch Gemüse darf Samen bilden, mit Vermehrung kennt sich die Gärtnerin aus. Der dicke Buchs gab bereits viele Ableger her, die sie tapfer mit Kalk und ganz ohne Chemie gegen den Zünsler verteidigt. Eine neue Pheromon-Falle vom Gartenmarkt zieht die Falter an und schenkt seit einer Woche neue Hoffnung, dass sie den Buchs erhalten kann.

Susi Müller zeigt die filigranen Blüten des Eisenkrautes. Bild: Doris Burger
Susi Müller zeigt die filigranen Blüten des Eisenkrautes. Bild: Doris Burger

Es ist ein toller vielfältiger Naturgarten, den Susi Müller hier seit 30 Jahren pflegt. Das Bauernhaus gehörte Edi Müllers Eltern, die noch komplett von der Landwirtschaft lebten. Edi und Susi Müller sind beide im Rentenalter. Sie arbeitet vor allem morgens früh im Garten, "dann höre ich auch einmal auf, wenn ich müde bin", sagt sie. Sie möchte sich nicht zum Sklaven des Gartens machen, wie sie erklärt, sondern ihn auch mal genießen.

Er spannt alle paar Tage seine Pferde vor einen seiner Wagen, einen historischen Aufsitzer mit Kutschbock hat er neben einem Wagen für zehn Fahrgäste. Auch einen Lasthänger für Holz, das er im Herbst aus dem Wald holt. Denn im Winter wird der Holzofen befeuert, in dem Susi Müller Brot backt. Das schmecke ihr einfach besser, sagt sie. Alte Brötchen bekommt sie von hier und da geschenkt, über die freuen sich die Gänse. Und die Hühner rund um den "Chef", ein imposantes Tier der englischen Rasse Orpington.

Der prächtige Hahn ist ein "Guter", wie Susi Müller sagt: "Mit dem hatten wir Glück". Bild: Doris Burger
Der prächtige Hahn ist ein "Guter", wie Susi Müller sagt: "Mit dem hatten wir Glück". Bild: Doris Burger