Wer bei den Höri-Musiktagen nur Darbietungen von Instrumentalmusikern und Sängern erwartet, ist immer wieder überrascht, welche Vorträge das Organisationsteam um Hilde von Massow in das Programm einbaut, um Zusammenhänge zur Musik aufzuzeigen.

Berliner Literaturforscher spricht

In diesem Jahr stellte der Berliner Literaturforscher Arata Takeda seine Gedanken zu Fehlentwicklungen aufklärerischen Denkens mit seinen Auswirkungen bis in die Gegenwart vor. Das habe sich sehr gut in das Motto der Musiktage „Wege zu Beethoven„ eingefügt, sagte von Massow: „Ludwig van Beethoven war einer der bedeutendsten Vertreter der als Wiener Klassik bezeichneten Epoche. Diese entwickelte sich in der Zeit der Aufklärung, nachdem es in Europa weitreichende Veränderungen durch die französische Revolution 1789 und die Herrschaft und den Sturz Napoleons gab. Die Ziele der französischen Revolution ,Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit´ wurden von den Vertretern der Wiener Klassik übernommen.“

Diesen Einfluss auf die Musik wolle man aufzeigen und gleichzeitig auf den Themenschwerpunkt des nächsten Jahres hinarbeiten, der anlässlich seines 250. Geburtstages ebenfalls bei Ludwig van Beethoven liegen wird. Für Hilde von Massow und ihr Team sei der Vortrag des Literaturforschers Takeda daher ein Beitrag zu einer Vielfalt, die neben dem hohen musikalischen Niveau das Besondere der Musiktage sei.

Kirchhof statt Klosterhof

Nur wenige Meter entfernt zeigte sich auf dem Kirchhof, wie breitgefächert das Angebot der Veranstaltung aufgestellt war. Da der Klosterhof wegen Baumaßnahmen am Augustiner Chorherrenstift als Aufführungsort nicht zur Verfügung stand, hatten die Organisatoren mit dem Konzert auf dem Kirchhof etwas Einzigartiges geschaffen: Eine Art Promenadenkonzert mit Picknick-Gefühl. Das fand bei den Besuchern noch größeren Zuspruch als erwartet.

Ein Promenadenkonzert mit einer ungewöhnlichen Instrumentenkombination: Manuel Wagner (Akkordeon) und Elisabeth Thoma (Flöte) geben ein Concerto Buffo auf dem Kirchhof vor der Öhninger Stiftskirche St. Hippolyt und Verena. Bild: Michael Jahnke
Ein Promenadenkonzert mit einer ungewöhnlichen Instrumentenkombination: Manuel Wagner (Akkordeon) und Elisabeth Thoma (Flöte) geben ein Concerto Buffo auf dem Kirchhof vor der Öhninger Stiftskirche St. Hippolyt und Verena. Bild: Michael Jahnke | Bild: Michael Jahnke

Das einzigartige Ambiente vermittelte auch eine Offenheit, die Hilde von Massow schon bei der Begrüßung angesprochen hatte: „Die Höri-Musiktage sind offen für alles und alle. Die Musiktage agieren kunterbunt, kreativ und furchtlos.“ Furchtlos war wohl der richtige Begriff, keine Angst vor Ungewöhnlichem und mit Erfolg, wie man sehen konnte.

Im nächsten Jahr mehr Besucher?

„Ich bin selber etwas überrascht, welchen Anklang wir hier an dieser Stelle bei den Konzertbesuchern gefunden haben“, sagte von Massow.

Sie könne sich vorstellen, im nächsten Jahr das Angebot auch bei den Promenadenkonzerten auszuweiten, ähnlich den Ursprüngen in London noch mehr Menschen anzusprechen und mit einer zwangloseren Atmosphäre zu überzeugen. „Das ist natürlich auch eine Frage von Finanzen.“

Vorbereitungen für 2020 laufen

Hilde von Massow sprach damit Sponsoren an, die solche Konzerte erst möglich machen, aber auch Politiker. Denen hatte sie in ihrer Begrüßung zugerufen, sie mögen nach Öhningen schauen oder kommen und selber sehen und erleben, was hier passiert.

Bürgermeister Andreas Schmid meinte: „Die Musiktage haben es innerhalb von nur drei Jahren geschafft, aus einer Idee eine Institution zu werden.“ Diese Institution sei von der Höri nicht mehr wegzudenken. Damit liegt die Verantwortung wieder bei den Organisatoren, die bereits an den Vorbereitungen für das nächste Jahr sitzen.