Der seit mehr als 25 Jahren geplante Radweg zwischen Öhningen und Wangen ist bei den Anliegern von großem Interesse. Jeder einzelne Schritt von Bauunternehmen wird genau beobachtet. Im Oktober soll nun eigentlich der zweite Bauabschnitt gestartet werden – und seit Wochen brodelt die Gerüchteküche, dass es Schwierigkeiten bei diesem technisch anspruchsvolleren zweiten Teil der Baumaßmahme gebe.

Der Pressesprecher des Regierungspräsidiums in Freiburg, Markus Adler, sagt auf Anfrage: "Ich kann dazu leider auch nichts sagen, weil ich über den aktuellen Stand mich auch erst informieren muss." Das ist nicht ganz einfach. Die jetzt auftretenden technischen Schwierigkeiten überraschen auch die Fachleute.

Torf im Boden macht den Untergrund zu weich

Stephan Belke ist der zuständige Projektleiter bei der Neubauleitungen in Singen. Er erklärt: "Wir haben bei den Bodenuntersuchungen Torfsedimente gefunden, die keine ausreichende Tragfähigkeit ergeben." Die Detailplanung für den zweiten Bauabschnitt muss überarbeitet und den Befunden angeglichen werden.

Fest steht also, dass der ohnehin schon aufwendigere zweite Bauabschnitt noch komplizierter wird. Damit werden die jetzt noch fertigzustellenden rund 1,6 Kilometer auch erheblich teurer als bisher geplant.

Baustart für zweiten Abschnitt statt im Oktober erst im nächsten Jahr

"Wir rechnen zurzeit mit einem Finanzbedarf von rund fünf Millionen Euro für diesen zweiten Bauabschnitt", erläutert Belke. Dadurch ergeben sich auch andere Ausschreibungsbestimmungen. Stefan Belke erklärt: "Den geplanten Baubeginn für Oktober diesen Jahres werden wir nicht einhalten können. Wir gehen davon aus, dass der Baubeginn für den zweiten Bauabschnitt erst Anfang des nächsten Jahres stattfinden kann."

Ein späterer Baubeginn bringt gleich das nächste Problem mit sich. Ursprünglich wollte man den Radweg zum Ferienbeginn des nächsten Jahres fertiggestellt haben. Das sei nach Worten von Stephan Belke so nicht mehr möglich.

Man stehe aber mit der Gemeindeverwaltung Öhningens in enger Verbindung, um die notwendigen Eingriffe in den Straßenverkehr so gering und reibungslos zu gestalten, wie irgendwie möglich. "Die Landesstraße L 192 muss an einzelnen Stellen auch weiter nördlich verlegt werden. Dazu sind einstreifige Verkehrssperrungen notwendig."

Nun wird Bauzeit doch noch in Sommerferien reinreichen

Diese Verkehrssperrungen möchte man während der Hauptsaison für den Tourismus eigentlich weitestgehend vermeiden. Die Fertigstellung des zweiten Bauabschnittes für den Radweg wird nun aber doch über die Sommermonate hinaus andauern. "Ein genaueres Datum der Fertigstellung kann ich zurzeit nicht nennen, es ist abzuwarten, welche Bautätigkeiten wir in den Wintermonaten vornehmen können. Erst dann können wir exakt planen, wie wir in den Sommermonaten weiter arbeiten können", erläutert Projektleiter Belke.

Das Projekt wird immer aufwendiger. Das bedeutet auch, dass die bisher im Haushalt des Landes Baden-Württemberg zur Verfügung gestellten Finanzmittel nicht ausreichen. Für den Radweg muss zusätzliches Geld in den Haushalt eingestellt werden. Im Jahr 2017 fanden die Haushaltsberatungen erst im Dezember statt. Auch darauf muss die Neubauleitung in Singen achten.

Kurve am Ortseingang macht Probleme

Der Druck auf die Behörde wächst immens. Hinzu kommen Fehler beim ersten Bauabschnitt. Zu der falschen Berechnung eines Kurvenradius am Ortseingang von Öhningen, bei dem Busse Schwierigkeiten hatten, der Straßenführung zu folgen, schildert Stefan Belke: "Wir versuchen, menschliche Fehler – so weit es geht – zu vermeiden. Das wird uns nicht immer gelingen."

Öhningens Bürgermeister Andreas Schmid sagt dazu: "Menschliche Fehler sollen beim zweiten Bauabschnitt vermieden werden." Aber er relativiert die Schwierigkeiten rund um den Radwegbau auch: "Selbst wenn es jetzt noch einmal sechs oder neun Monate länger dauern wird, bis der Radweg wirklich erstellt ist, bin ich froh, dass dieses Mammutprojekt dann endgültig abgeschlossen ist."