Die jüngste Gemeinderatssitzung in Öhningen war für Bürger und politisch Verantwortliche gleichermaßen ermüdend. Wieder einmal stand das Augustiner-Chorherrenstift auf der Tagesordnung, bei dem es nun vorangehen sollte. Die Räte, so war die Planung der Tagesordnung, sollten einen Beschluss zur Ausschreibung der Rohbauarbeiten für den neu zu erstellenden Küchentrakt beschließen. Doch dazu kam es nicht.

Lukas Gäbele, verantwortlicher Architekt des beauftragten Büros Gäbele & Raufer aus Donaueschingen, schilderte den Räten, dass die notwendige Baugenehmigung immer noch nicht vorliege. Ursprünglich hatte man die Baugenehmigung für Ende des Jahres 2017 erwartet. Nach Gäbeles Schilderungen hätten die letzten Gespräche mit der Genehmigungsbehörde beim Landkreis ergeben, dass das Genehmigungsverfahren sich dem Ende nähere. Erst nach Erteilung der Baugenehmigung könnte eine Ausschreibung erfolgen. Wieder einmal ist kostbare Zeit verstrichen, das Projekt gerät immer mehr unter Zeitdruck.

Dennoch wollte Gäbele die Zeit nicht ungenutzt lassen und stellte dem Gemeinderat die einzelnen Schritte für den weiteren Ausbau vor. Wenn die Baugeräte die Baugrube für den Küchentrakt ausheben, können sie anschließend gleich genutzt werden, um die Kellergewölbe unter dem Bernhardssaal vorsichtig freizulegen. "Ob wir da auf archäologisch wichtige Funde stoßen, können wir zurzeit nicht überblicken. Die Freilegung von archäologischen Funden wird aber auf jeden Fall Zeit und Geld kosten, das von der Gemeinde durch das Verursacherprinzip finanziell zu tragen ist", führte Gäbele aus, bevor er die weiteren Schritte in den oberen Stockwerken darstellte.

Vor der Gemeinderatssitzung sind (von links) Bürgermeister Andreas Schmid, Lukas Gäbele und Tanja Raufer (beide vom Architekturbüro) noch einigermaßen entspannt. Das ändert sich im Laufe der Sitzung. <em>Bild: Michael Jahnke</em>
Vor der Gemeinderatssitzung sind (von links) Bürgermeister Andreas Schmid, Lukas Gäbele und Tanja Raufer (beide vom Architekturbüro) noch einigermaßen entspannt. Das ändert sich im Laufe der Sitzung. Bild: Michael Jahnke

Damit stieß Gäbele eine Debatte an, die seit drei Jahren immer wieder geführt worden ist, aber offensichtlich nicht abgeschlossen werden konnte. Stephan Singer (Netzwerk) wurde grundsätzlich: "Wenn jetzt sieben oder acht Fremdenzimmer geplant werden, legen wir uns auf eine Gastronomie mit einem Hotelbetrieb fest. Wollen wir das? Ist ein solcher Betrieb auch kaufmännisch tragbar? Ich kann mir das bei dieser Anzahl an Fremdenzimmern nicht vorstellen. Ist dem Gemeinderat schon ein Interessent vorgestellt worden, der dieses Objekt bewirtschaften will?" Die Vorstellung der Verwaltung, hier einen Familienbetrieb anzusiedeln, war für Singer nicht ohne Weiteres tragbar. "Die Zahl der Familienbetriebe ist nicht mehr als hoch einzuschätzen", bezweifelte Singer die Umsetzbarkeit.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Andrea Dix (ebenfalls Netzwerk) warf erneut die Frage in den Raum, ob für einen Familienbetrieb die Größe des geplanten Küchentrakts handhabbar sei, ob deshalb nicht eine kleinere Küche an einem anderen Standort richtig sei.

Sichtlich um Fassung bemüht, entgegnete Lukas Gäbele, dass seit drei Jahren über Nutzungskonzepte nachgedacht werde. Insbesondere durch das nicht ausreichende Gastronomieangebot in Öhningen und unter Würdigung der vorhandenen Gebäudeeigenschaften sei die geplante Ausrichtung auf einen Gastronomie- und Beherbergungsbetrieb die einzig sinnvolle Nutzung.

Gerhard Wiedenbach (CDU) war diese sich wiederholende Grundsatzdiskussion leid. Er stellte den Antrag, auf der nächsten Gemeinderatssitzung endgültig darüber abzustimmen, im Augustiner-Chorherrenstift einen Gastronomiebetrieb mit Fremdenzimmern anzusiedeln.

Nutzung und Kosten

Die Frage der Nutzung steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem neuen kommunalen Haushaltsrecht. Will man das Augustiner-Chorherrenstift nicht verkommen lassen, ist eine Instandsetzung erforderlich. Die anteiligen Kosten müssen von der Gemeinde erbracht und auf 50 Jahre abgeschrieben werden. Nach Instandsetzung muss das Gebäude betrieben werden, damit es nicht wieder verfällt. Auch diese Betriebskosten kommen auf Öhningen zu. Durch eine Verpachtung können die Betriebskosten erwitschaftet werden und entlasten den Haushalt der Gemeinde. Für die Verpachtung bietet sich eine Gastronomie an, da es in Öhningen nur ein stark eingeschränktes Angebot gibt.