Frau Schäfer, Sie betreiben auf der Höri einen landwirtschaftlichen Mischbetrieb, mit Ackerbau und Grünland. Beobachten Sie klimatisch bedingte Veränderungen in Ihrem Betrieb?

Ja, das sind schon starke Veränderungen. Durch die zunehmende Trockenheit und die ansteigenden Temperaturen wachsen die Getreide auf den Äckern nicht mehr in der Qualität, die man zur Herstellung von gutem Mehl benötigen würde. Das hat Auswirkungen auf die Einnahmen.

Was können Landwirte dagegen tun?

Gegen die Natur kann man nur ganz begrenzt gegensteuern. Gegen Trockenheit kann man eigentlich nur durch Bewässerung etwas unternehmen. Das ist auf meinem Hof, der in einem Landschaftsschutz- und einem FFH-Gebiet liegt – und das am Rande eines Naturschutzgebietes – nur dann möglich, wenn ich genügend Wasser aus eigenen Quellen produzieren könnte. Das ist aber bei mir nicht der Fall und wäre viel zu teuer.

Der Landwirtschaft wird immer wieder vorgeworfen, den Umweltschutz nicht genügend zu berücksichtigen und so indirekt am Klimawandel beteiligt zu sein.

Das kann ich für meinen Betrieb und für die Betriebe hier auf der Höri so nicht gelten lassen. Was wirft man uns denn vor? Den zu hohen Einsatz vom Pestiziden? Gegen was kann ich denn Getreide spritzen? Da gibt es hauptsächlich drei Punkte. Zum einen ist es der Pilzbefall, der beispielsweise während der Blüte eintreten könnte. Pilze brauchen aber Feuchtigkeit. Wenn es wie jetzt zu trocken ist, brauche ich auch keine Fungizide ausbringen. Ein zweiter Punkt sind Herbizide, die gegen Ungräser wirken. Die zugelassenen Mittel töten die Ungräser aber nicht ab. Sie sorgen für ein so starkes Wachstum dieser Gräser, dass sie letztlich absterben. Eine Alternative wäre, diese Ungräser unterzugraben. Per Hand wäre das zu teuer. Das würden die Zulieferer für die Mehlhersteller nicht vergüten. Brot wäre erheblich teurer. Also bleibt mir nur die Möglichkeit, dass ich mit meinem Traktor durch die Felder fahre. Dies ist dann ebenfalls ein zusätzlicher Arbeitsschritt, der natürlich bezahlt werden muss. Aber der Traktor produziert wieder Abgase, die letztlich auch wieder im Boden landen. Als dritten Wirkstoff gäbe es dann noch die Insektizide, also Wirkmittel gegen zuviel Insekten. Die kann ich aber auf meinen Flächen nicht feststellen. Also warum spritzen? Das wäre auch kaufmännisch falsch. Insektizide für die Landwirtschaft kosten bis zu 500 Euro für fünf Liter. Warum sollte ich also ein Mittel aufbringen, wenn mich ein Wasserglas dieses Mittels 10 Euro kostet und ich das Insektizid gar nicht einsetzen muss. Auch beim Mais arbeite ich ohne Insektizide. Das Hauptproblem ist hier der Maiszünsler. Dieser Kleinschmetterling gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schädlingen beim Mais. Den kann man zwar auch chemisch bekämpfen, ich setze hier aber auf Schlupfwespenlarven. Die gehen als Parasiten auf die Larven des Maiszünslers los. Das ist übrigens ein Verfahren, dass vom baden-württembergischen Ministerium für den ländlichen Raum und Verbraucherschutz empfohlen und auch gefördert wird. Ich denke, die Dinge, die wir als Landwirte in den Boden einbringen, sind in Ordnung. Und wenn ich dann bis Mitte September noch Senf sähe, verlängere ich die Blühzeit und das ist gut für die Insekten. Übrigens auch eine vom Landwirtschaftministerium empfohlene und geförderte Maßnahme, die sich Herbstbegrünung nennt. Ich denke aus landwirtschaftlicher Sicht sind wir gut aufgestellt.

Und wo nicht?

Schauen Sie nur einmal zum Himmel über der Höri. Da ist ein Kondenzstreifen neben dem anderen. Glauben Sie, dass die Verbrennungsrückstände von Flugbenzin nicht in unsere Böden eindringen? Das wurde übrigens bei den kanarischen Freilandtomaten genutzt, damit sie schneller rot werden. Und dann denke ich an die Auto-Poser-Szene in Singen, also ganz hier in der Nähe. Da fahren Leute mit ihren Fahrzeugen einfach so zum Spaß herum um ihre Fahrzeuge zu zeigen. Auf diese Idee käme ich mit meinem Traktor nicht.