Familie Ziganke-Gnädinger aus Rielasingen-Worblingen liebt den nahe gelegenen Bodensee. Die Verbundenheit zum See ist stark und die Liebe zur Natur groß. Das ganze Jahr über verbringt die Familie den Großteil der Freizeit am Untersee bei Öhningen. Erst recht, wenn der Sommer heiß ist und der See zum Baden und Erfrischen einlädt.

Als Isabel Ziganke, die Tochter der Familie, mit ihrer Freundin auf den See paddelt, ist die Aufregung groß. Denn einem schlechten, an toten Fisch erinnernden Geruch folgend, finden die beiden Mädchen Überreste eines blauen Krebses. Allein der Kopf maß nach den Erzählungen etwa sechs Zentimeter. Über zwei Zentimeter lang waren die Scheren des Schalentieres, Mutter Tanja Ziganke-Gnädinger hatte dies gemessen. Solch ein Tier hatten die Mädchen noch nie im Bodensee gesehen.

Voller Entdeckungseifer seien sie weiter auf den See hinaus gepaddelt, erzählt Isabel Ziganke-Gnädinger. In geschätzt 50 Metern Entfernung vom Ufer entdeckten sie am Grund des Sees in etwa drei Metern Tiefe weitere Exemplare der blauen Krebse.

Vom sechs Zentimeter großen Kopf dieses toten Kamberkrebses entfallen je zwei Zentimeter auf die Scheren. Bei Öhningen wurden mehrere lebende Exemplare gesehen.
Vom sechs Zentimeter großen Kopf dieses toten Kamberkrebses entfallen je zwei Zentimeter auf die Scheren. Bei Öhningen wurden mehrere lebende Exemplare gesehen. | Bild: Sandra Bossenmaier

Aus Sorge, es könnte sich bei diesem Fund um eine eingeschleppte Tierart handeln, die die Tier- und Pflanzenwelt im heimischen Bodensee stören könnte, informierte Tanja Ziganke-Gnädinger die Behörden. Karin Hutter von der Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg in Langenargen bestimmte anhand von Fotos den Fund als Kamberkrebs.

Dieser stammt aus Nordamerika und hat sich laut Aussage von Jasminca Behrmann-Godel vom Limnologischen Institut der Universität Konstanz zwischenzeitlich enorm ausgebreitet. Den einheimischen Edelkrebs hätte der Einwanderer aus Nordamerika schon lange so gut wie verdrängt. Das ökologische Gleichgewicht im Bodensee sei jedoch durch den Kamberkrebs nicht in Gefahr, versichert die Wissenschaftlerin.

„Ich erkläre diese Tiere nicht zu Bösewichten, das sind sie auch in ihrer Heimat nicht. Dennoch hoffe ich, dass das ökologische Gleichgewicht im Bodensee durch ihn nicht gestört wird“, betont auch Tanja Ziganke-Gnädinger.