Die Auswirkungen des Coronavirus machen an der deutsch-schweizerischen Grenze keinen Halt. Weder Busse noch Gütertransport mit Lastkraftwagen oder private Fahrzeuge können hier über die Grenze.

Der Öhninger Grenzübergang nach Stein am Rhein ist für alle gesperrt. Die jetzt von den schweizerischen Grenzbehörden umgesetzten Sicherheitsmaßnahmen erinnern an Grenzübergänge im Berlin der Sechzigerjahre. Alles ist abgeriegelt, keiner kommt mehr rein oder raus.

Auch kleinere Übergänge abgeriegelt

Wie rigoros diese Grenze nun abgeriegelt wird, machen Äußerungen deutscher Grenzbeamter deutlich. Am Dienstag sei nach ihren Informationen der Grenzübergang nach Stein am Rhein nicht einmal mehr besetzt. Die schweizerischen Grenzbeamten seien abgezogen worden, um auch kleinere Grenzübergänge abzuriegeln.

Öhningens Bürgermeister Andreas Schmid beobachtet das Vorgehen mit Sorge. Historisch gewachsene, fließende und grenzüberschreitende Strukturen kämen aktuell zum Erliegen.

Behörden verlangen Bescheinigungen

Er schildert den Fall eines Bürgers aus Stein am Rhein, dessen pflegebedürftige Mutter in der Gemeinde Öhningen wohne. Bisher habe der Sohn seine Mutter versorgen können. Nun würden die schweizerischen Behörden eine Bescheinigung verlangen. „Was soll ich als Bürgermeister denn jetzt bescheinigen?“ fragt Schmid.

Für ihn ist die Notwendigkeit des Grenzübertritts offensichtlich. Aber wie kann man das einem Grenzbeamten, der nach seinen Vorschriften handelt, auf geeignete Weise vermitteln? Dies sei laut Schmid aber nur einer von vielen Fällen.

Kritik an zu wenig Vorlaufzeit

Täglich passieren rund 800 Grenzgänger den Grenzübergang zwischen Öhningen und Stein am Rhein. Die Zahl der notwendigen Bescheinigungen und Papiere würde ins unermessliche wachsen, sagt Schmid. Dabei, so sieht es der Bürgermeister, hätte man ja alles regeln können, wenn es etwas Vorlaufzeit gegeben hätte.

„Was machen denn Ärzte, die in Öhningen wohnen und in der Schweiz ihre Praxis betreiben?“ Andreas Schmid, Öhninger Bürgermeister
„Was machen denn Ärzte, die in Öhningen wohnen und in der Schweiz ihre Praxis betreiben?“ Andreas Schmid, Öhninger Bürgermeister | Bild: Michael Jahnke

„Was machen denn Ärzte, die in Öhningen wohnen und in der Schweiz ihre Praxis betreiben?“ Und was machten schweizerische Krankenhäuser, die in Öhningen lebende Pflegefachkräfte angestellt haben, die jetzt nicht oder nur auf sehr großen Umwegen und mit vielen Dokumenten ausgestattet in die Schweiz kommen können?

Landräte tun sich zusammen

Andreas Schmidt fordert mehr Abstimmung und steht damit nicht alleine. Die Landräte von drei Landkreisen, unter ihnen auch Landrat Zeno Danner aus dem Kreis Konstanz, haben sich zu einer Initiative zusammen geschlossen, um mit den eidgenössischen Behörden eine größere Abstimmung zu erreichen.

Hier sei, so sieht es der Öhninger Bürgermeister, durchaus Eile geboten, damit die grenzüberschreitende Grundversorgung aufrecht erhalten werden könne.

Von Öhningen zum Flughafen Kloten

Einer, der direkt von diesen Maßnahmen betroffen ist, ist der in Öhningen lebende Karl Honsel. Er arbeitet am Flughafen in Zürich. Bisher konnte er nach Stein am Rhein und fuhr von dort mit der Bahn zum Flughafen Kloten. Trotz eines Grenzgänger-Ausweises sei das jetzt so nicht mehr möglich, sagt Honsel.

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Nach seinem Informationsstand muss er jetzt den Grenzübergang in Rielasingen-Worblingen nutzen, und von dort aus dann nach Stein am Rhein fahren. Für ihn bedeutet das einen Umweg von fast zwanzig Kilometern pro Strecke. „Das muss man in Zeiten des Coronavirus natürlich in Kauf nehmen. Aber ich gebe dem Bürgermeister Schmid recht, etwas mehr Abstimmung der Länder und eine rechtzeitige Information an die Bürger wäre gut gewesen“, sagt Karl Honsel und weiß, dass er damit nicht alleine steht.

Umweltbelastung durch Umwege

Über den zusätzlich verursachten CO2-Ausstoß mag Bürgermeister Andreas Schmid nicht nachdenken. Bei 800 Fahrzeugen am Tag, die jetzt pro Strecke 20 Kilometer mehr fahren müssten, käme da einiges zusammen. Das hätte man sich sparen können, wenn es eine bessere Absprache zwischen den Ländern gegeben hätte, sagt der Bürgermeister.