Im Gemeinderat von Öhningen zunächst kontrovers diskutiert, aber dann doch nahezu einmütig beschlossen: Das Wangener Bauprojekt „Wohnen im Dorf“ zur Innenverdichtung kann an den Start gehen. Im dörflichen Umfeld von Wangen sollen auf einer grünen Wiese vier familiengerechte Wohngebäude mit insgesamt 20 Wohnungen entstehen.

Die vier versetzten Baukörper sind um einen gemeinsam genutzten und durchgrünten Gartenraum gruppiert, unterirdisch mit einer Tiefgarage für 42 Autostellplätze miteinander verbunden und sollen sich am klassischen Typus des „Wangener Langhauses“ anlehnen.

So soll die Bebauung aussehen. Die geplanten Wohngebäude orientieren sich am Typus des „Wangener Langhauses“. Computergrafik: Bucher Beholz Architekten
So soll die Bebauung aussehen. Die geplanten Wohngebäude orientieren sich am Typus des „Wangener Langhauses“. Computergrafik: Bucher Beholz Architekten | Bild: Bucher Beholz Architekten

Das Bauprojekt soll Teil eines Gesamtkonzeptes für die Innenverdichtung im Plangebiet „Zur Bündt“ sein. Hierfür beauftragte der Gemeinderat die Öhninger Verwaltung im Umfeld mit Grundstückseigentümern des Bauprojektes „Wohnen im Dorf“ in Kontakt zu treten.

Öhningens Bürgermeister Andreas Schmidt zeigte sich in der jüngsten Sitzung des Rates davon überzeugt, dass so ein Projekt für die Innenverdichtung inmitten des Dorfs funktionieren könnte. Die befürchteten 20 Müllbehälter auf der Straße sollen durch eine Containerlösung ersetzt werden.

Lieferfahrzeuge des Versandhandels sollen eine eigene Stellfläche sowie eine Paketablagestation erhalten. Eines der Langhäuser mit fünf Wohneinheiten könne von der Gemeinde Öhningen als ein Eigentumsprojekt für Familien aus der Gemeinde angeboten werden. Er habe hierfür eine mündliche Zusicherung erhalten, beantwortete der Bürgermeister die Anfrage von Andrea Dix (Netzwerk), ob hierfür Verträge vorlägen.

CDU-Rat ist skeptisch: Die Bebauung sei zu massiv

Gerhard Wiedenbach (CDU) zeigte sich skeptisch. Das Bauvorhaben sei für Wangen sehr groß. 100 Menschen würden auf engem Raum zusammenleben. Es sei eine massive Bebauung auf kleinstem Raum. Obwohl Wiedenbach sich im Rat für eine Innenverdichtung aussprach, so wünschte er jeweils eine Entnahme der mittleren Wohnung, damit so acht Doppelhäuser entstehen könnten.

Markus Eigelsperger (FBL) sprach sich ebenso für weniger Wohneinheiten aus. Vera Floetenmeyer-Löbe (Netzwerk) interessierte sich für die Art der Energieversorgung des Gebäudekomplexes.

Bürgermeister hält Projekt für modern, ökologisch und platzsparend

Das Bauvorhaben richte sich nach dem größten und nicht nach dem kleinsten Gebäude in der Umgebung, sagte Bürgermeister Schmid. Dessen Grundflächenzahl liege nicht höher als im Plangebiet „Bündt“.

Im Gegensatz zu vielen Grundstücken mit Einfamilienhäusern, deren Garagen und versiegelten Bodenflächen sei hier ein moderner Wohnansatz geplant, mit ökologischer und platzsparender Bauweise.

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Die Gemeinde stehe vor dem Problem, wegen Naturschutz-Erfordernissen keine neuen Baugebiete erschließen zu können, sagte Klaus Nägele (CDU). Das Projekt sei ein klassischer Vorschlag für die dörfliche Innenverdichtung. Er plädierte für eine mutige Entscheidung.

Bruno Schnur (CDU) erinnerte sich an die erste Projektvorstellung im Wangener Ortschaftsrat. Bei Diskussionen im Anschluss habe er mehr Zustimmung für das Projekt und dessen Größe gehört. Unter demografischen Aspekten bezweifelte er, dass pro Wohneinheit mit einem Fünf-Personen-Haushalt gerechnet werden könne. Er gehe davon aus, dass in der Wohnanlage 80 Menschen leben werden.

Mit zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung erteilte der Gemeinderat dem Baugesuch sein Einvernehmen.

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