Das Jahr 2020 stellt die Menschen auf der gesamten Welt vor eine immense Herausforderung. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen gerade auch die Vereine, was im Herbst wieder deutlich wird. Denn wo sonst die Festsaison beginnen würde, gibt es in diesem Jahr Absagen, etwa für das Herbstfest des Honstetter Musikvereins oder für das Hechelner Erntedankfest.

Der Musikverein Honstetten konnte in der ersten Jahreshälfte keine gemeinsamen Proben abhalten und während der eigentlichen Saison der Zelt- und Straßenfeste auch keine Auftritte absolvieren. Der Vorsitzende Stefan Wolpert berichtet im Gespräch mit dem SÜDKURIER über die dann als Strohhalm nach dem Lockdown gesehenen Möglichkeiten der virtuellen Treffen und der Ausbildung der Jungmusiker. Dies sei immens wichtig, um weiter die Motivation zum Üben zu erhalten.

Viereinhalb Minuten Gemeinschaft der besonderen Art

Auch für seine 60 aktiven Vereinsmitglieder war es eine herausfordernde Zeit. Die Teilnahme an der Toilettenpapier-Challenge im Mai spiegelte als Lichtblick für viereinhalb Minuten erneut die musikalische Gemeinschaft wider. Dabei wurden Aufnahmen aus den heimischen Gärten und Wohnstuben oder vom jeweiligen Arbeitsplatz zusammengeschnitten und mit einer Tonaufnahme aus der Zeit unterlegt, als gemeinsames Musizieren noch erlaubt war.

Gerne hätten die Honstetter auch wieder ihr Herbstfest mit unzähligen Arbeitseinsätzen und viel Gemeinschaft und Blasmusik gefeiert, so Wolpert. Jedoch musste das 49. Herbstfest ersatzlos abgesagt werden, ebenso das 40. Hechelner Erntedankfest, welches am ersten Oktoberwochenende hätte stattfinden sollen. Beide Vereine haben sich entschlossen, keine Ersatzaktivitäten in Form von Hähnchen oder Schlachtplatte zum Mitnehmen oder als Lieferdienst anzubieten. Die Gemeinschaft jedoch, so hoffen alle Verantwortlichen der beiden Vereine, soll bei entsprechender Disziplin aller Menschen in der Region und dem erhofften medizinischen Fortschritt im kommenden Jahr wieder bei ihren dann hoffentlich wieder stattfindenden Festen spürbar werden.

Hechelner lassen sich den Erntedankaltar nicht nehmen

Die Dorfgemeinschaft Hecheln feiert jedes Jahr den Schutzpatron der dorfeigenen Kapelle mit einem Dankgottesdienst. Die Kapelle, die im Jahr 1957 an ihrem jetzigen Standort in der Mitte zwischen dem inneren und dem äußeren Hecheln als Dorfmittelpunkt gebaut wurde, ist den Einwohnern wichtig. Auch die Dankbarkeit für eine gute Ernte wird in Hecheln gelebt. Die Landwirte in und um das Dorf sind in der Dorfgemeinschaft fest integriert und verdeutlichen dies mit ihrer Hilfe beim Auf- und Abbau und als Helfer während des Erntedankfestes.

Im Jahr 2020 jedoch ist auch in Hecheln das beliebte Erntedankfest nicht möglich. „In diesem Jahr hätten wir unser 40. Erntedankfest in Hecheln gefeiert“, sagt wehmütig der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft, Wolfgang Heine. Rasch schiebt er aber hinterher: „Wir wollen trotzdem, wie in den vergangenen Jahren, unsere Dankbarkeit für den Schutz des heiligen Wendelin für alle Einwohner und Besucher in der Kapelle sichtbar werden lassen.“

Sichtbar wird dies mit einem von der Dorfgemeinschaft aufgebauten Erntedankaltar, welcher am Sonntag, 27. September, in der Pfarrkirche St. Martin in Mühlingen erstmals zu sehen sein wird. In der kommenden Woche können ihn, wie gewohnt, alle Menschen in der St. Wendelinkapelle in Hecheln bewundern. So kann der kleine Mühlinger Ortsteil wenigstens einen kleinen Teil seines Erntedankfestes erhalten.

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