Die vergangenen Starkregenereignisse haben auch die Arbeit in der Gemeindekläranlage am Standort Mühlingen nachhaltig beeinflusst. „Immer wenn wir Starkregenereignisse haben, stehen unsere Männer danach im Überschlag und schippen Unmengen von Steinen und Unrat heraus“, berichtet Mühlingens Bürgermeister Thorsten Scigliano während der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Mitarbeiter haben um Hilfe gebeten

Die Mitarbeiter der Technischen Betriebe seien auf ihn zugekommen und hätten um eine Optimierung der Anlage gebeten, damit solche Vorfälle nicht mehr vorkommen müssten. Für Scigliano sei dabei nicht nur die Arbeitszeit der Mitarbeiter entscheidend, sondern auch deren Gesundheit. So habe sich also die Gemeindeverwaltung auf die Suche nach einer Lösung für dieses Problem gemacht und dabei eine gefunden: Sie lautet Doppelwellenzerkleinerer.

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Martin Schmid, Mitarbeiter der Technischen Betriebe, kennt sich seit Jahren in der Kläranlage bestens aus. Er erläutert den Ablauf: Das Schmutzwasser käme direkt aus dem Kanal in die Anlage. Bei Starkregen nehme es zwar den Umweg über den Überschlag, aber von dort kämen dann trotzdem noch große Mengen an Steinen, welche sich durch die Ausspülungen mit Frischwasser dann im Zulauf zum Siebrechen absetzten und von Hand ebenfalls herausgeschaufelt werden müssten.

Das Material muss sonst per Hand mühevoll sortiert werden

Oder im ungünstigsten Falle würden die Förderelemente des Siebrechens beschädigt, so die Ausführungen von Martin Schmid. Diese auszutauschen koste etliche Arbeitsstunden und sei für die Mitarbeiter keine angenehme Tätigkeit, die Minute für Minute mit dem Siebrechen das Material in die Spiralpresse befördern müssten. „Hätten wir bereits beim Einlauf in die Anlage eine Möglichkeit, größere Dinge auf ein entsprechendes Maß zu zerkleinern, so würden wir uns diese Arbeit und auch die Reparaturkosten bei Defekten sparen“, fasst Schmid zusammen. Wenn die kleinen Partikel nämlich den Rechen ungehindert im Wasser passieren könnten, dann würden sie direkt danach im sogenannten Sand, Fett und Ölfang landen und würden dort abgeschieden, erklärt Schmid weiter.

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Bürgermeister Scigliano hatte ein Angebot für einen Doppelwellenzerkleinerer einer in diesem Bereich sehr stark am Markt vertretenen Firma eingeholt, um dem Mühlinger Gemeinderat eine Lösungsmöglichkeit anzubieten. Ein kurzer Film, in welchem das „Muffin Monster“ – so wurde der Zerkleinerer genannt – im Einsatz zu sehen war, beeindruckte sichtlich den einen oder anderen Gemeinderat. Allerdings diskutierte das Gremium anschließend intensiv und in unterschiedliche Richtungen über diese Anschaffung.

Die Frage nach Folgekosten bleibt

So fragte Gemeinderat Reinhold Stroppel nach den Investitionen, die in den kommenden Jahren auf die Gemeinde zukommen würden. Das „Muffin Monster“ soll die Gemeinde aktuell 38.000 Euro kosten. Auch Markus Bär konnte sich nicht für die angestrebte Anschaffung aussprechen, da aus seiner Sicht bei einer eventuellen Vergrößerung der Anlage, auch der Zerkleinerer zu klein sein könnte. Für Edgar Speck stellte sich einzig die Frage nach der außerplanmäßigen Ausgabe. Er wollte auf jeden Fall das Problem von einem Ingenieur im Kontext der Gesamtsituation betrachtet wissen. Auch eine weitere Planung sollte auf die Mühlinger Verhältnisse angepasst und auch betrachtet werden.

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Gemeinderat Christoph Auer konnte hingegen bei diesen Argumenten für die Anschaffung eines zusätzlichen Zerkleinerers am Ende des Kanals mitgehen. „Für mich ist das Konzept schlüssig. Man kann so die Gemeindemitarbeiter entlasten, das ist wahrlich kein so schöner Job“, sagte Auer. Und ergänzte: „Da haben wir schon ganz anderen Scheiß gekauft“.

Der Zekleinerer wird angeschafft

So unterschiedlich die Meinungen in der Diskussion, so einfach zeigte sich letztlich die Entscheidung für die Beschaffung des Doppelwellenzerkleinerers in der finalen Abstimmung. Der Rat entschied sich mit drei Gegenstimmen und einer Enthaltung für die Anschaffung und den Einbau des Gerätes. „Selbstverständlich muss nun noch einmal ganz genau kalkuliert werden, was noch an weiteren Anpassungen für den Einbau notwendig sein wird, dies kann noch zusätzliche Kosten verursachen“, erläuterte der Mühlinger Bürgermeister. Die Gemeinderäte können aber sicher sein, dass bei eventuell auftauchenden Problemen oder großen Preissteigerungen das Projekt nicht einfach ohne eine weitere Absprache durchgezogen werde, so Sciglianos Schlussworte.