Thorsten Scigliano war vorbereitet: Er hatte zwei Reden in der Tasche seines Anzuges. Eine für den Fall einer Niederlage und eine zweite, die Siegesrede. Die erste brauchte er nicht. Denn Thorsten Scigliano ist neuer Bürgermeister von Mühlingen. Der 48-Jährige setzte sich im zweiten Wahlgang am Sonntag gegen seine beiden Kontrahenten Peter Kible und Tobias Keller durch. Mit dem Ergebnis endet in Mühlingen ein langer Wahlkampf und es beginnt eine neue Ära.

Strahlten gegen 19 Uhr am Sonntag um die Wette: Wahlsieger Thorsten Scigliano (rechts), seine Frau Teresa und sein Sohn Davide.
Strahlten gegen 19 Uhr am Sonntag um die Wette: Wahlsieger Thorsten Scigliano (rechts), seine Frau Teresa und sein Sohn Davide. | Bild: Matthias Güntert

Thorsten Scigliano konnte 43,03 Prozent der Mühlinger Wähler überzeugen. Dies entspricht einer Anzahl von 500 Stimmen, 54 Stimmen mehr als sein ärgster Konkurrent Peter Kible. Dieser landete auf dem zweiten Platz mit 38,38 Prozent (446 Stimmen). Ihm folgte Tobias Keller auf dem dritten Rang. 18,16 Prozent machten ihr Kreuzchen hinter seinem Namen auf dem Stimmzettel (211 Stimmen). Die Wahlbeteiligung lag bei 59,77 Prozent und damit knapp zwei Prozent hinter der aus dem ersten Wahlgang. Damals gingen 61,97 Prozent der Bürger zur Urne.

Die Stimmzettel im Blick (von links): Die Wahlhelfer Mike Auer, Madleen Reuthebuch und Reinhard Traber. Die Wahlbeteiligung lag am Sonntag bei 59,77 Prozent.
Die Stimmzettel im Blick (von links): Die Wahlhelfer Mike Auer, Madleen Reuthebuch und Reinhard Traber. Die Wahlbeteiligung lag am Sonntag bei 59,77 Prozent. | Bild: Matthias Güntert

In der Stunde seines Triumphes konnte Scigliano sein Glück kaum fassen. „Hier sieht man, dass sich kämpfen lohnt“, sagte er kurz nach der Bekanntgabe des Ergebnisses. Er sei von dem Ergebnis überrascht gewesen. „Ich hatte natürlich darauf gehofft, aber am Schluss nicht mehr ganz damit gerechnet“, so Scigliano weiter. Er bedankte sich bei seinen Konkurrenten für einen fairen aber auch einen sehr anstrengenden Wahlkampf.

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Dann richtete er sein Wort an die Mühlinger Bürger. In vielen Gesprächen mit ihnen sei ihm während des Wahlkampfes immer deutlicher geworden, dass sich Mühlingen einen neuen Bürgermeister von außerhalb wünsche. „Und ich bin überglücklich, dass Sie mich für fähig halten, dieses Amt auszufüllen“, sagte er.

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Auch seiner Frau Teresa und seinem kleinen Sohn Davide dankte er für die wochenlange Unterstützung. „Ohne Eure Unterstützung hätte ich den langen Wahlkampf nicht durchgehalten“, betonte Scigliano. Auch die Arbeit von Amtsinhaber Manfred Jüppner, der in seiner 37-jährigen Amtszeit mit Mühlingen einen Vorzeigegemeinde geschaffen habe, hob Scigliano hervor. „Manfred Jüppner hat Werte geschaffen, die nicht alltäglich sind. Ich bin dankbar, dass ich sein Werk nun weiterführen kann“, sagte der Wahlsieger.

Raus aus der Urne: Wahlhelfer Markus Traber hat die Ergebnisse aus Mühlingen.
Raus aus der Urne: Wahlhelfer Markus Traber hat die Ergebnisse aus Mühlingen. | Bild: Matthias Güntert

Zu den ersten Gratulanten zählte Mitbewerber Tobias Keller. Für ihn sei es ein Muss gewesen, die Chance im zweiten Wahlgang zu ergreifen. „Thorsten Scigliano führte einen offenen und fairen Wahlkampf„, sagte der Drittplatzierte. Peter Kible war nach der Bekanntgabe des Ergebnisses enttäuscht. „So ist eben Demokratie“, sagte er. Kible bedankte sich bei seinen Wählern und seiner Familie. Gleichzeitig hoffe er aber auch, dass die in Scigliano gesetzten Erwartungen auch erfüllt werden. Kible werde bis 2024 in seinen kommunalpolitischen Ämtern bleiben.

Jüppner hofft auf Unterstützung der Bürger

Amtsinhaber Manfred Jüppner sprach nach der Bekanntgabe des Ergebnisses von einem echten Wahlkrimi – vor allem im zweiten Wahlgang. Er hoffe nun, dass auch alle Mühlinger, deren Stimme nicht auf Scigliano entfielen, den neuen Bürgermeister bei seiner Arbeit unterstützen werden.

Wahlergebnis ist auch eine Bürde

Landrat Zeno Danner freute sich im Sinne der Demokratie, dass es in Mühlingen mit Blick auf zwei Wahlgänge vier starke und demokratische Bewerber gegeben habe: „Die Gemeinde kann stolz sein, dass mehrere Bewerber bereit gewesen wären, sich für sie zu engagieren.“ Stockachs Bürgermeister Rainer Stolz riet Thorsten Scigliano den Augenblick zu genießen, in dem die Mehrheit der Mühlinger ihm das Vertrauen ausgesprochen haben. „Das ist ein schönes Gefühl, aber auch eine hohe Bürde“, so Stolz.

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