Vom Geistergleis soll sich die Ablachtalbahn zur regelmäßigen Verbindung entwickeln. Die Menschen aus dem westlichen Bodensee-Hinterland könnten dann nach Meßkirch und Mengen, nach Ulm und möglicherweise sogar nach Stuttgart fahren. Das ist zumindest das Ziel einer Initiative, die hauptsächlich von Meßkirch und Sauldorf ausgeht und die Auftrieb durch ein Potentialgutachten der Landesregierung erhielt. Dort wurde der Strecke, die Stockach und Mengen verbindet, ein mittleres Potential bescheinigt.

Schon oft war das Thema Ablachtalbahn auch auf einer Tagesordnung des Mühlinger Gemeinderates. Im Bürgermeisterwahlkampf spielte die Strecke kürzlich ebenfalls eine Rolle. Nach dem Kauf der Bahnlinie durch die beiden Kommunen Meßkirch und Sauldorf stieg also auch die Spannung in Mühlingen. Die Stadt Meßkirch rund um Bürgermeister Arne Zwick ist federführend, was die Reaktivierung der Strecke und die Initiative zum gemeinsamen Kauf zum eher symbolischen Preis von einem Euro als dem reellen betrifft.

Skeptiker und Befürworter im Gremium

Der Mühlinger Rat war gespalten, was den Nutzen betreffe, wie es Reinhold Stroppel zunächst vehement vortrug. Er wolle gegen eine Beteiligung an Kosten für die Reaktivierung stimmen, so Stroppels erste Reaktion. Die Diskussionsfreude und der raumgreifende Ansatz des ehemaligen Betriebsleiters Peter Kible zog aber weitere Befürworter nach sich. Kible wollte seinen Kollegen die Tragweite der momentanen Phase eindringlich nahe bringen.

Auch Gemeinderätin Sonja Klotz befand, dass es durchaus ein Mehrwert für die Gemeinde sein könnte, wenn Kinder beispielsweise per Bahn bis nach Konstanz fahren könnten, beispielsweise wenn sie dort studieren. Auch wer dort arbeite, hätte eine enorme Zeit- und Kostenersparnis und die lästige und teure Parkplatzsuche in Konstanz fiele weg.

Verwaltung legt mehrere Vorschläge vor

Viele Wege schienen sich für die Räte als positiv darzustellen. Die Verwaltung hatte mehrere Beschlussvorschläge ausgearbeitet: Von keinem Interesse an jeglicher Beteiligung bis hin zu einer umfänglicheren Übernahme von Kosten trug Bürgermeister Manfred Jüppner vier Varianten vor. Letztlich sprang auch Gemeinderat Reinhold Stroppel auf den fahrenden Zug auf und unterstützte die Variante mit einer Beteiligung von zehn Prozent an den Kosten für eine Machbarkeitsstudie, die für hohe Fördersummen nötig ist. Dieser Anteil ist allerdings auf 2500 Euro gedeckelt. 75 Prozent werden vom Land getragen.

Es gab keine völlige Zusage für eine Beteiligung an Defizite aus dem Betrieb. Etwa 10.000 Euro wolle die Gemeinde jährlich beisteuern, allerdings entscheide der Gemeinderat von Jahr zu Jahr, erklärte Jüppner: „Ich rate Ihnen, auf Sicht zu fahren, sich prozentual zu beteiligen und sich somit auch im weiteren Prozess alle Optionen zur Mitsprache zu sichern“, so der mit dem Beschluss zufriedene Jüppner.