Ein toter Schwan am Seerhein in Konstanz war vor einer Woche das erste Tier im Landkreis, bei dem die Vogelgrippe festgestellt wurde, am Mittwoch kam eine Krähe in Radolfzell dazu. Der Vormarsch der Vogelgrippe hat auch große Auswirkungen auf die Legehennen der Landwirte in der Region und auch auf die bunte Schar der vom Nachbarn gehaltenen Hühner in Hobbyhaltung.

Seit klar ist, dass der Schwan mit dem Erreger H5N8 infiziert war, gilt für alle Hühnerbesitzer, aller höchste Vorsicht walten zu lassen. Für ihre Tiere gilt nun seit 11. Januar ein Aufstallungsgebot.

Wildvögel könnten eine Herde anstecken

Dies bedeutet, dass die Hühner so untergebracht werden müssen, dass sie keinen Kontakt zu freilebenden, infizierten Wildvögeln haben können – egal ob konventionell in Freilandhaltung oder in einem Biobetrieb, in dem diese Haltungsform sogar vorgeschrieben ist.

Dies bedeutet nun eine Art der Haltung, die in Form von Kaltscharräumen oder Wintergärten mit Netzen, Folien oder Gittern garantiert, dass keine Wildvögel in die Herde eindringen können.

Seit 2006 Erfahrung mit Vogelgrippe

„Wir sind auf diese Situation, wie sie nun jährlich mit Beginn der Vogelzüge eintritt, bereits seit dem ersten Auftreten im Jahr 2006 eingerichtet“, sagt Christoph Hönig vom Mühlinger Hönig Hof. Gemeinsam mit seiner Tochter Fabienne erklärt er, mit welchen Zusatzangeboten die Hühner nun in den Wintergärten der Ställe gelockt werden, in denen sie kleineren Freilauf und das Scharren und Picken ausleben können.

Der Blick beim Gespräch in die Hühnerschar hinter der Glasscheibe zeigt deutlich, dass die aufgestellten Kisten mit Sand von den Tieren sehr stark angenommen werden. Munter baden die Hühner in ihnen, während andere auf kleinen Strohballen stehen und an den Halmen zerren und picken. Wieder andere zupfen kleine Stücke des in Körben hängenden Luzerneheus, eine besondere Heu-Art.

Alles, was an Spielmaterial den Hühnern hilft, sich zu beschäftigen und neben dem üblichen Tagesablauf und dem angebotenen Futter eine Ergänzung bieten kann, wird ihnen angeboten. Die Hühnerherde ist ruhig, reckt angesichts der drei Beobachter hinter der Glasfront kurz die Hälse, lässt sich danach aber nicht mehr stören.

Das könnte Sie auch interessieren

Christoph Hönig hält mehrere Tausend Hühner und gehört zu den größten Betrieben in seinem Berufsfeld in Baden-Württemberg. Er hat viele Kontakte auch zu Betrieben in anderen Bundesländern und spricht an, was er nie selbst erleben möchte: dass die Krankheit seine Hühnerherde befällt. „Der Virus ist hochgradig ansteckend und führt zu einem schnellen Tod. Innerhalb von 24 Stunden können so ganze Hühnerherden sterben, sollte er in eine solche gelangen“, erklärt Hönig.

Bindung zu den Hühnerherden

Für ihn wäre es nicht der wirtschaftliche Schaden, der ihm Sorgen bereitet. Es ist etwas ganz anderes, um was es geht: Jede seiner Herden hat eine ganz eigene Geschichte, verhält sich anders und schon mit dem Einstallen, wenn die Junghühner auf den Hof kommen, baue man eine Bindung zu den Tieren auf. Ein grausamer Tod für die Tiere, wie das Virus ihn bringen könnte, und die Rasanz der Ausbreitung sind es, die ihn ängstigen.

Axel Bertsche vom Sonnenberg hoch oberhalb Winterspürens hält in Mobilställen rund eintausend Hühner. Auch er hatte sich Gedanken gemacht, wie er seine Hühnerherden an den Mobilställen vor einem Eintrag des Virus schützen kann. Kurzerhand beschloss er, sich große Partyzelte anzuschaffen und diese zu einer Art Stallerweiterung mit Freilandauslauf werden zu lassen.

Sicherheit fürs Geflügel

Er berichtet, dass die Hühner sein Angebot sehr gerne annähmen und zu großen Teilen munter die Flächen im Zelt bevölkern, welche mit einer großzügigen Schicht Holzhackschnitzel versehen sind. „Einzig das Schneeräumen und der Aufbau der Zelte war und ist mühsam, aber den Hühnern gefällt unser Angebot. Sie fühlen sich wohl und sind sicher. Deshalb tun wir dies ja auch gerne“, so Bertsche, welcher ebenso wie Hönig entsprechende Biosicherheitsmaßnahmen im Rahmen des betrieblichen Hygienekonzepts einhält.