Der Mühlinger Gemeinderat hat sich erneut mit dem Thema „Sondergebiet für Ver- und Entsorgung“ beschäftigt, ein Projekt, das die Entsorgungsfirma Lämmle Zoznegg GmbH nach dem gescheiterten ersten Anlauf am Standort Berenberg nun an einem anderen Standort verwirklichen möchte.

Die Pläne bezüglich der Errichtung einer Bauschutt-Recyclingsanlage wurden im Gemeinderat öffentlich vorgestellt. Anwesend waren für den Auftraggeber drei Vertreter verschiedener Firmen.

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So stellte Dirk Langenbach vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Sigmaringen den Vorentwurf der Bebauungsplanänderung und die Auswirkungen auf die Umwelt vor.

Das Gebiet direkt vor den Seen der Schwackenreuter Seenplatte sei schon vor langer Zeit als Sondergebiet ausgewiesen worden und ermögliche die Nutzung für solch einen Betrieb. Es sei zudem bereits als Standort für eine Biohybridanlage vorgesehen gewesen, die dann aber nicht realisiert wurde. In Bezug auf die baurechtlichen Voraussetzungen gebe es seitens der genehmigenden Behörden keine Probleme.

Was die Punkte Emmission und Immission angehe, gab auch der Sachverständige für Schallimmissionsschutz, Jens Hunecke, Entwarnung. Er präsentierte beispielsweise den Lieferverkehr per Achse sowie das Emissionsverhalten des Radladers vor Ort.

Maximal 20 Lastwagen pro Tag

Der Lastwagen-Verkehr scheint wie auch bereits beim gescheiterten Projekt auf dem alten Ziegelei-Areal am Berenberg in einem moderaten Umfang zu sein. Maximal sollen es 20 Lastwagen pro Tag sein, die Material anliefern und auch wieder abfahren würden. „Gemessen am früheren Betrieb des Kieswerks zu Hochzeiten ist dies nichts“, bemerkte Bürgermeister Manfred Jüppner.

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Die Räte waren gemischter Meinung. Einige hatten Bedenken bezüglich des Standortes, andere befürworteten ihn klar.

Karl Mohr (Freie Wähler) wies auf den geringen Abstand zur Mindersdorfer Aach hin. Er sähe lieber die Kombination aus Naherholung und Tourismus.

Reinhold Stroppel (CDU) setzte sich damals mit großer Vehemenz gegen den ersten Standort zwischen den Gemeindeteilen Zoznegg und Mühlingen am Berenberg ein und sagte nun: „Ich habe damals gesagt, wenn ein anderer Standort gefunden wird, kann man das Vorhaben nicht verwehren – ich stehe nun zu meinem Wort.“

Auch Thomas Fecht (CDU), der nach eigenen Aussagen selbst nur einen Steinwurf entfernt aufgewachsen ist, sprach sich für das Projekt aus. Sein Wunsch entsprach dem der meisten Räte: „Die Straße, auf welcher die Lastwagen fahren, muss unbedingt ertüchtigt werden.“

Verwunderung beim Naturschutz

Für Verwunderung bei den Gemeinderäten sorgte die Tatsache, dass es bei den Planungen beim Campingressort wohl eher Probleme mit dem Naturschutz gebe als beim Gewerbebetrieb. „Es ist schon fast amüsant, dass es für den Naturschutz bei diesen beiden Projekten so unterschiedliche Maßstäbe gibt“, sagte Markus Traber (CDU).

Christoph Auer (CDU) wollte eine klare Regelung mittels Durchführungsvertrag. Dieser solle Betriebstage, Betriebszeiten und ebenso die Lieferungen beziehungsweise die Lastwagen pro Tag regeln, so wie es bereits für den Standort Berenberg geplant war.

Letztlich ergab die Abstimmung durch das Gremium die Zustimmung zur dritten Änderung des Bebauungsplans mit fünf Gegenstimmen durch die Gemeinderäte Karl Mohr (Freie Wähler), Edgar Speck (Freie Wähler), Uwe Held (CDU), Christoph Auer (CDU) und Gemeinderätin Sonja Klotz (Freie Wähler).

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