Die Betreuung der Kinder im Kindergarten und Krippenalter und die damit verbundenen Einschränkungen sowie Kosten waren in der jüngsten Sitzung des Mühlinger Rates ein großes Thema. Einige betroffene Eltern saßen unter den Zuhörern.

Wie die Lage aussieht

Bürgermeister Manfred Jüppner stellte klar, dass die Betreuung während der Corona-Pandemie, wie vom Land gefordert, angeboten wurde. Nur einzelne Kinder von Eltern aus systemrelevanten Berufen, welche keine alternative Betreuungsmöglichkeit hatten, wurden somit betreut. Dem Rat präsentierte die Verwaltung alle Kosten, welche die Gemeinde in dieser Zeit hatte. Für die beiden Kindergärten zusammen 9500 Euro, für die Krippe 4600 Euro.

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Die Gemeinde Mühlingen könnte rein theoretisch die Betreuung für alle Familien anbieten, würde nicht die Maßgabe der Landesregierung einen Strich durch die Einfachheit des selbstbestimmenden Modells der Vergangenheit ziehen. Denn die Corona-Verordnung sieht eine schrittweise Öffnung und eine maximale Auslastung der Kindergärten und Kinderkrippen von höchstens 50 Prozent vor.

Bedarf und was Jüppner sagt

Eltern haben Bedarf, doch sind die Beweggründe sehr unterschiedlich. Und nicht jede Familie, welche bisher die finanziellen Mittel hatte, sich den Kindergartenbesuch mühelos zu leisten, kann dies in der aktuellen Situation auch weiterhin so tun. Viele Eltern konnten die Kinder anfangs noch zu Hause betreuen, und sicherlich habe es hiermit auch keine all zu großen Herausforderungen gegeben.

Auch im Kindergarten Mühlingen gibt es zur Zeit nur ein beschränktes Betreuungsangebot, wie überall im Land. Der Rat tat sich schwer, vorab bereits über die kommenden Gebühren zu beschließen. Bild: Doris Eichkorn
Auch im Kindergarten Mühlingen gibt es zur Zeit nur ein beschränktes Betreuungsangebot, wie überall im Land. Der Rat tat sich schwer, vorab bereits über die kommenden Gebühren zu beschließen. Bild: Doris Eichkorn

Allerdings, so merkte Jüppner auch an, stelle sich die Situation nach Außen einfacher dar, als sie für die Verwaltung sei. „Unser Ziel ist, die Kinder, alle wieder in das System einzugewöhnen. Bei maximal 50 Prozent und den unterschiedlichsten Betreuungszeiten ist dies jedoch eine Herausforderung“, sagte Jüppner.

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Eltern wollen Verlässlichkeit

Die anwesenden Eltern wollten verlässliche Aussagen, um für die kommenden Wochen nicht nur ihr Leben, sondern auch die Betreuung der Kinder planen zu können. Sie versuchten mehrfach in der Diskussion des Rates ihre Probleme anzumerken.

Da in Mühlingen traditionell die Bürgerfragestunde erst nach der öffentlichen Ratssitzung stattfindet, konnten sie hierbei allerdings die Diskussion des Rates nur als Zuhörer begleiten. Sie mussten zur Kenntnis nehmen, dass die Verwaltung versuche, die Wünsche mit dem Angebot zu einem noch nicht bekannten Preis abzustimmen.

Ein Mutter ärgert sich sehr

Eine offenbar an die Eltern ergangene E-Mail aus den Einrichtungen befeuerte den Wunsch nach Informationen. Gemeinderat Markus Traber hatte diese als Vater ebenfalls erhalten und konnte den Inhalt grob darstellen. Die abschließende Aussage der Diskussion von Gemeinderat Reinhold Stroppel um die Kosten und Betreuungszeiten, die maximal einen Tag Betreuung pro Woche zum vollen Preis (fünf bezahlte Tage) beinhalten könnten, verärgerte jedoch eine anwesende Mutter sehr. „Es ist unverschämt, meine Frage nach Kostenschätzungen und finanzieller Gleichbehandlung damit zu kommentieren, ich hätte mich doch dafür entschieden Kinder zu bekommen“, sagte Iken Draeger.

Sie hat zwei Kinder und kam in die Sitzung, um die monatliche Belastung von gut 500 Euro für die kommenden Wochen abzuschätzen. Sie empfand diese Aussage als sehr klischeehaft, und merkte an, dass Stroppel weder sie, noch ihre Situation kenne und sich anmaße somit als Mann im 21. Jahrhundert so über diese und ihre Pflichten zu urteilen. Die Frau von heute versorge eben oftmals mehr als nur Kinder und Familie. So auch der Hinweis eines Mannes, der beim Verlassen der Sitzung ebenso Stellung zu diesem Thema nahm und der berufstätigen Mutter beipflichtete.

Entscheidung noch offen

Die Gemeinde Mühlingen hatte sich den Empfehlungen von Gemeindetag und Städtetag angeschlossen und die Entgelte für den Monat April erlassen. Der Gemeinderat beschloss den Einnahmenausfall in Höhe von rund 11 000 Euro. Für den Monat Mai gibt es bisher noch keine verbindlichen Aussagen über die entstehenden Gebühren für die Eltern.

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