So ganz können Chantal Schatz und Jonas Scheck den Trubel um ihre Personen nicht nachvollziehen. „Wir haben doch eigentlich nur unseren Schulabschluss gemacht“, sagen die beiden. Aber für die Weiherbachschule in Mühlingen ist es eine Premiere. Denn Chantal und Jonas sind die ersten Absolventen der Schule in ihren vier Betriebsjahren.

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„Wir sind mächtig stolz auf die zwei“, betont Schulleiterin Renate Paul. Sie ist froh, dass die Premiere geklappt hat, denn mit Blick auf die Geschichte der Gemeinschaftsschule in freier Trägerschaft ist es eben doch kein Abschluss wie jeder andere. „Wenn man neu anfängt, muss alles klappen“, sagt Renate Paul. Und bei Chantal und Jonas hat beinahe alles geklappt: Laut Paul haben beide einen tollen Abschluss gemacht. „Sie sind über sich hinaus gewachsen“, so Paul weiter.

Die letzten Tage an der Schule

Wenn die 15-jährige Chantal und der 16-jährige Jonas ihr Zeugnis am Dienstag, 28. Juli, entgegennehmen, schwingt auch ein bisschen Wehmut mit. Denn die zwei Schüler waren beim Start der Weiherbachschule vor vier Jahren mit dabei, als Schüler der ersten Stunde. „Wir sind von Anfang an dabei gewesen und haben auch mitgeholfen, die Schule aufzubauen“, erinnert sich Chantal.

Sie kennen die Noten der beiden ersten Abgänger schon (von links): Schulverwalterin Petra Kible und Schulleiterin Renate Paul.
Sie kennen die Noten der beiden ersten Abgänger schon (von links): Schulverwalterin Petra Kible und Schulleiterin Renate Paul. | Bild: Matthias Güntert

In der Schule stecke sehr viel Arbeit und auch Herzblut drinnen. So haben Chantal und Jonas damals geholfen, die Klassenzimmer zu streichen und einzurichten. „Natürlich freuen wir uns auf unseren neuen Lebensabschnitt, aber wir werden die Jahre auf der Schule vermissen. Wir sind gerne zur Schule gegangen“, sagt Jonas.

Den Abschluss in der Tasche

Die Prüfung ist an der Weiherbachschule schon Geschichte. Chantal und Jonas haben ihre Abschlussprüfung bereits am 16. Juni geschafft. Auch die Noten wissen sie schon. Verraten wollen sie diese allerdings nicht. „Aber sie sind gut“, weiß Renate Paul. Nervös waren die beiden Absolventen nicht. Im Gegenteil: „Ich war vor schweren Klausuren aufgeregter“, gibt Jonas zu. Mit seinem Hauptschulabschluss in der Tasche will er nun eine Lehre zum Industriemechaniker beginnen.

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Für Chantal geht das Lernen an der Weiherbachschule indes weiter. Sie will im nächsten Jahr ihren Realschulabschluss machen. Und dann wartet, wenn alles glatt läuft, eine Lehre zur Fachangestellten für Rohstoffgewinnung auf die 15-Jährige. Die Corona-Pandemie hat es den beiden Absolventen allerdings nicht gerade leichter gemacht. „Die Vorbereitungszeit war sehr anstrengend, vor allem weil wir fast ausschließlich daheim gelernt haben“, sagt Chantal. Ihr habe besonders der direkte Austausch mit den Lehrern gefehlt. „Wir konnten bei Problemen nicht einfach wie im Unterricht unsere Lehrer fragen“, sagt sie.

Ist im vierten Betriebsjahr: die Weiherbachschule im Mühlinger Teilort Zoznegg.
Ist im vierten Betriebsjahr: die Weiherbachschule im Mühlinger Teilort Zoznegg. | Bild: Doris Eichkorn

20 Schüler und fünf Lehrer

Mit 20 Schülern fing vor vier Jahren alles an – damals noch in einer kombinierten fünften und sechsten Klasse. Mit dabei Chantal und Jonas. Im vierten Betriebsjahr ist die Zahl der Schüler auf 112 angewachsen. Für das kommenden Schuljahr 2020/21 haben sich bereits 28 neue Schüler bei der Schulleitung angemeldet. Auch die Anzahl an Lehrern ist explosionsartig angewachsen.

13 Abschlüsse im kommenden Jahr

Waren es zu Beginn noch fünf Lehrer, unterrichten aktuell 28 Pädagogen an der Weiherbachschule. „Wenn man sieht, wie sich die Schule in den vergangenen Jahren entwickelt hat und wie wir jetzt auch durch unsere ersten Absolventen in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, kann man schon von einer tollen Entwicklung sprechen“, sagt Renate Paul. 2021 wird sich die Anzahl der Abgänger dann versechsfacht haben: zehn Real- und drei Hauptabschlüsse stehen im kommenden Jahr an.

Lernen während der Pandemie: Chantal Schütz und Jonas Scheck haben trotz verschärfter Bedingungen ihren Abschluss geschafft.
Lernen während der Pandemie: Chantal Schütz und Jonas Scheck haben trotz verschärfter Bedingungen ihren Abschluss geschafft. | Bild: Matthias Güntert

Die Platznot wächst

So gerne der stetige Wachstum in der Schulleitung der Weiherbachschule wahrgenommen wird, birgt er auch Gefahren. „Wir stoßen an unsere räumlichen Grenzen“, sagt Paul. Abhilfe konnten dabei zwei neue Räume schaffen, die die Schule vom Narrenverein und dem Ortschaftsrat zugesprochen bekommen hat und die derzeit renoviert werden. Sie befinden sich im Erdgeschoss der Schule.

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Für Renate Paul ein Glücksgriff, wenn auch einer auf Zeit: „Dadurch gewinnen wir zwei neue Klassenzimmer.“ Zukünftig soll dort das Büro der Schulleitung und das Lehrerzimmer untergebracht werden. Und dennoch bekräftigte Paul den Wunsch nach einem Neu- oder Anbau erneut. „Es muss sich auf lange Sicht was tun“, betont sie.

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