Drei Männer wollen Bürgermeister in Mühlingen werden und Amtsinhaber Manfred Jüppner nachfolgen, der nach etwa 37 Jahren im Amt in Ruhestand gehen wird. Wofür stehen die drei Kandidaten? Mit welchen Argumenten wollen sie die Wähler überzeugen? Wie präsentieren sie sich dem Publikum? Drei Schlaglichter von drei Wahlkampfterminen:

Rundumschlag um viele Themen

Peter Kible, der als erster seine Bewerbung für die Wahl abgegeben hat, brachte Knabbereien, Getränke und Corona-Masken zu seiner Bürgersprechstunde am Mühlinger Rathaus mit. Er berichtete in freier Rede von seinem Werdegang, seiner Familie, seinen Erfahrungen in der Kommunalpolitik.

Peter Kible hat Knabbereien, Getränke und Corona-Masken bei der Veranstaltung vor dem Mühlinger Rathaus dabei.
Peter Kible hat Knabbereien, Getränke und Corona-Masken bei der Veranstaltung vor dem Mühlinger Rathaus dabei. | Bild: Freißmann, Stephan

Den größten Teil der Zeit nahm jedoch die Diskussion mit den Bürgern ein, denen er detailreich antwortete. Das Gespräch drehte sich großenteils um Verkehrsthemen. Dabei machte sich Kible offensiv für eine Wiederbelebung der Ablachtalbahn stark, deren Betriebsleiter er elf Jahre lang war. Bei der Ablachtalbahn gehe es nicht unbedingt um den Schülerverkehr, sondern um eine überregionale Anbindung Mühlingens. Zunächst könne man mit einem Wochenendverkehr starten. Auch Bushaltestellen waren im Publikum ein Thema. Kible sagte, dass durch Baugebiete neuer Bedarf entstehe, für den man Lösungen finden müsse. In jedem Ortsteil werde es mindestens eine barrierefreie Haltestelle geben. Einsatz für Radwege stellte Kible in Aussicht und berichtete von den Planungen für einen Weg nach Hoppetenzell.

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Beim Thema Nahversorgung signalisierte er, eine Lösung für einen Einkaufsladen mit den Landwirten finden zu wollen, doch die Kaufkraft dürfe nicht vom bestehenden Laden in Zoznegg weggehen. Beim Ausbau des schnellen Internets wolle er weiter Druck machen. Er hob die Schulen in der Gemeinde hervor, mit dem Verweis, dass seine Ehefrau Petra zu denen gehörte, die die Weiherbachschule in Zoznegg als Gemeinschaftsschule in privater Trägerschaft ins Leben riefen. Und es würde ihn freuen, wenn das Campingressort bei Schwackenreute käme.

Zuerst alle einbeziehen

Thorsten Scigliano hat zu einer seiner ersten Bürgersprechstunden am Freitag Werbematerial, Aufsteller und die Corona-typischen Utensilien dabei. Auch er berichtete den Zuhörern in freier Rede von seinem Lebensweg und seiner Familie, streute immer wieder kleine Geschichten und Anekdoten ein. Und er stellte seine Neutralität heraus, die durch den Blick von außen entstehe. Um diesen zu bewahren, wolle er auch nicht sofort nach Mühlingen ziehen. Deswegen sei er auch nicht bei der Bürgermeisterwahl in Aach angetreten. Seinen Stil, Entscheidungen zu treffen, beschrieb er als: Zuerst alle einbeziehen, aber auch Nein sagen. Mit den Bürgermeistern der Region wolle er zusammenarbeiten, „aber nicht kuscheln“.

Thorsten Scigliano im Gespräch mit den Bürgern auf dem Parkplatz beim Mühlinger Rathaus. Er hat Werbematerial und Desinfektionsmittel dabei.
Thorsten Scigliano im Gespräch mit den Bürgern auf dem Parkplatz beim Mühlinger Rathaus. Er hat Werbematerial und Desinfektionsmittel dabei. | Bild: Freißmann, Stephan

Die Entwicklung der Gegend um die Schwackenreuter Seen war auch hier ein Thema. Dass nun die Recycling-Anlage für Baustoffe wohl dorthin kommt, finde er gut. Doch ein betreutes Wohnen für Senioren passe nicht neben einen Campingplatz. Betreutes Wohnen gehöre zentral in einen Ort, so Scigliano. Ein Campingressort an der Stelle fände er hingegen gut, mit Hoffnung auf eine Belebung auch im Ort.

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Mit der Wiederbelebung der Bahnlinie haderte Scigliano indes: „Was hat Mühlingen davon?“ Schüler müssten dann beispielsweise zuerst zum Bahnhof, ehe sie weiterfahren können. Wenn die Mühlinger es wollen, werde er aber den Ausbau vorantreiben, denn er verstehe sich als Dienstleister der Bürger. Deren Wünsche wolle er bei gemeinsamen Veranstaltungen herausfinden. Für Scigliano ist die erste Runde an Bürgersprechstunden nun schon vorbei. 300 bis 400 Mühlinger habe er dabei erreicht, lautet seine Schätzung.

Juristisches Vorwissen

Markus Fecker ist mit Flipchart zu seinem ersten öffentlichen Termin in die Weiherbachhalle in Zoznegg gekommen. Es gab Getränke, Desinfektionsmittel und eine Corona-bedingte Datenerfassung am Einlass. Er stellte sich und sein ehrenamtliches Engagement vor, betonte sein juristisches Vorwissen.

Markus Fecker präsentiert sich in der Zoznegger Weiherbachhalle. Er hat Getränke dabei und es gibt die Corona-bedingte Einlasskontrolle.
Markus Fecker präsentiert sich in der Zoznegger Weiherbachhalle. Er hat Getränke dabei und es gibt die Corona-bedingte Einlasskontrolle. | Bild: Freißmann, Stephan

Das betreute Wohnen für Senioren war auch bei dem Termin in Zoznegg ein Thema. Ob er das Projekt so weit draußen am Schwackenreuter Bahnhof gut finde, lautete eine Frage. Man müsse froh sein um einen privaten Investor, der ein solches Projekt anpacke, so Feckers Antwort. Doch er gab auch zu, dass der Standort ziemlich weit draußen sei. Der Laden, der ebenfalls zum Projekt mit betreutem Wohnen und Campingressort gehört, sei wohl eher für die Gäste gedacht, so Feckers Einschätzung.

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Auch er brachte die Idee eines Bürgerhauses mit zentralem Hofladen ins Spiel. Auf die Frage nach seiner Haltung zur Flurbereinigung plädierte Fecker dafür, auch kleine Grundstücksbesitzer einzubeziehen und eine gemeinsame Lösung zu finden. Aus dem Publikum wurde auch der Zustand der Badeseen unter den Schwackenreuter Seen bemängelt. Diese von Schlamm und Kraut zu befreien und die Badestellen aufzuwerten, sei sicher gut zu machen, so Fecker. Ob man das dürfe, wisse er aber nicht. Auch die Wasserquellen der Gemeinde waren ein Thema. Die Wasserversorgung für Mühlingen sei laut den Stockacher Stadtwerken gesichert, ohne weitere Quellen anzuzapfen, so Fecker.

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