Einige Hintergründe in verschiedenen Farben, Hocker, Leuchten und Stative – mehr braucht Kim Wittkowski nicht, um aus dem einstigen Edeka an Mühlingens Hauptstraße ein Fotostudio zu machen. Eine alte Leuchtreklame kündet noch vom einstigen Lebensmittelmarkt. Doch wo früher Lebensmittel verkauft wurden, stehen jetzt Models vor Wittkowskis Kamera. Mit einem Freund hat der 42-Jährige Hobbyfotograf die Hälfte der früheren Verkaufsfläche gemietet. Seitdem ist er beinahe wöchentlich vor Ort, um Menschen ins rechte Licht zu rücken. Die Ergebnisse überzeugen an diesem Abend die Models ebenso wie den 42-Jährigen, zur Profession möchte er die Fotografie aber nicht machen.

Dass Wittkowski 2016 den früheren Edeka bezogen hat, ist mehreren Zufällen zu verdanken: Erst traf er bei einem Fotoworkshop in Villingen-Schwenningen einen Freund aus Kindertagen wieder, Andreas Sattler, und dann eröffnete sich zwei Wochen später mit einer Kleinanzeige die Möglichkeit, gemeinsam ein eigenes Studio zu eröffnen. Von Mühlingen habe er zuvor noch nicht gehört, gibt der Familienvater aus Fridingen im Landkreis Tuttlingen zu. "Das war genau das, was wir suchen. Es ist sogar größer", erinnert er sich. Noch am gleichen Tag unterschrieben die beiden den Mietvertrag. Einziger Wermutstropfen: Eine Heizung gebe es nicht. "Wer im Winter hier ist, will es wirklich", sagt Wittkowski.

Models kommen immer in Begleitung

Heute haben sich die beiden Männer längst häuslich eingerichtet. Anfangs hätten sie sich nur auf eine Nutzung für mehrere Monate eingestellt, daraus sind inzwischen über zwei Jahre geworden. Eine Leinwand ist angebracht, ein Sessel mit Sitzmöglichkeiten ist platziert. Darauf sitzen bei Terminen die Begleiter eines Models, denn Wittkowski fotografiert niemals alleine. "Ich hatte hier schon eine strickende Oma sitzen oder einen sehr muskulösen großen Bruder", sagt er und lacht. Mit gewohnter Gesellschaft würden Models viel lockerer werden und damit die Bilder besser. Weiterer Pluspunkt: Damit will er auch einem Vorurteil begegnen, demnach ein männlicher Hobbyfotograf mit Fokus auf Portraitfotografie nur "Schmuddelbilder" macht.

Helena Schweitzer ist mit dem Ergebnis ihres Shootings mit Kim Wittkowski zufrieden.
Helena Schweitzer ist mit dem Ergebnis ihres Shootings mit Kim Wittkowski zufrieden. | Bild: Kim Wittkowski

Für Helena Schweitzer und Darleen Muffler ist das kein Thema. Die 19-Jährige und ihre 21-jährige Freundin aus Engen sind an diesem Abend die Models. Schweitzer ist Schülerin am Berufsschulzentrum in Radolfzell und hat den Fotografen kennengelernt, als er die Modenschau ihrer Schule fotografierte. Anschließend kontaktierte Wittkowski sie online. So laufe das meistens ab, erklärt er: Entweder spreche er jemanden an, "aber eigentlich bin ich auch zu schüchtern", oder der Kontakt entstehe über Freunde und Bekannte. Zum ersten Treffen empfiehlt er: Zieh etwas Bequemes an, worin du dich wohlfühlst, und pack auch etwas ein, in dem du dich toll fotografieren lassen möchtest. Hohe Schuhe seien bei Frauen toll für die Haltung. "Man schafft es fast nicht, die Schulter hängen zu lassen, wenn man hohe Schuhe trägt." Ihm kommen aber auch Männer, Paare oder Familien vor die Linse.

Kim Wittkowski hat mit einem Freund im ehemaligen Edeka in Mühlingen ein Fotostudio eingerichtet. Selbst ist er ungern vor der Kamera.
Kim Wittkowski hat mit einem Freund im ehemaligen Edeka in Mühlingen ein Fotostudio eingerichtet. Selbst ist er ungern vor der Kamera. | Bild: Arndt, Isabelle

Beim ersten Mal gehe es mehr darum, dass die Models ein paar schöne Bilder erhalten. Bei der Auswahl konzentriere er sich auf gute Bilder und weniger auf eine gute Bearbeitung – einen Pickel könne er entfernen, doch eine Narbe könne bleiben. Was er sonst mit den Bildern macht? Sich über Schätze in seinem Archiv freuen und vielleicht ein oder zwei Bilder online zeigen, wenn die Models das erlauben. Und was machen die Mädchen damit? Sie wollen die Bilder beispielsweise bei Instagram zeigen, erzählt Darleen Muffler. Falls es ein Wiedersehen gibt, könne man mehr rumprobieren, sagt Wittkowski – das bedeute aber auch längere Wartezeiten, bis etwa das Licht umplatziert und ein neuer Blickwinkel gefunden ist.

Aus einer Spendenaktion wurde ein ausgeprägtes Hobby

Es gibt aber nicht immer ein Wiedersehen: Manchmal sage er auch ganz ehrlich, wenn es nicht passt, sagt Wittkowski. Das sei für ihn ein Grund, weshalb er die Fotografie als größtes Hobby und nicht als Beruf wählt: So könne er auch mal nein sagen. "Es muss beiden Spaß machen", sagt er. Er hat sich vor fünf Jahren intensiv mit der Fotografie befasst, Auslöser sei eine Spendenaktion gewesen. Eine Familie habe nach einem Brand vor dem Nichts gestanden und seine Tochter habe ihn ermutigt, etwas zu unternehmen. Also habe er sich mit Fotografen zusammen getan und eine Aktion organisiert, bei der sie kostenlos fotografiert und die Erlöse der Familie gespendet hätten. Dass daraus wenig später ein ausgeprägtes Hobby mit eigenem Studio wird, hätte er sich nicht gedacht. Doch so kann es in seinen Augen weiter gehen, er will noch viele weitere schöne Bilder machen.