In der Mühlinger Schlossbühlhalle drehte es sich während der Osterfeiertage nicht um Eier, sondern um’s liebe Geld. Das Mühlinger Ostertheater lockte wie schon in den Jahren zuvor zahlreiche Zuschauer aus der gesamten näheren Region an. An manchen Tischen standen bereits zusätzliche Stühle, um die Besucher unterzubringen. Bereits zum 21. Mal lud die Mühlinger Laienspielgruppe zu einer unterhaltsamen Darbietung ein.

So hatte jede der Figuren auf der Bühne seine eigenen Geldsorgen und einen Weg, damit umzugehen. Pfarrer Alfons und Mesner Johannes spielten nachts bei Kartenspielen, nicht immer ganz ehrlich, um den ein oder anderen Schein. Natürlich nicht für sich, sondern um die dringend überfällige Sanierung des Kirchendachs finanzieren zu können. Pfarrgemeinderatsvorsitzende Elfriede Engel, stets am Spenden sammeln, versuchte verzweifelt, ihre Nichte Uschi ins Kloster zu bringen. Um dem nachzuhelfen, schrieb sie mehr unfreiwillig als freiwillig dem falschen Bischoff, nämlich Uschis Freund Siggi Bischoff, die eine oder andere Zahl auf den Scheck.

Pfarrer Alfons, der Mann der guten Ideen, wurde rührig und mit viel verschmitztem Charme gespielt von Reinhard Traber. Im Stile eines „Don Camillo“ wurde er im Verlauf des Stückes immer mehr zum Opfer. Dank der Spontanität seiner Haushälterin Hermine, nie um eine Ausrede verlegen, wurde manch brenzlige Situation entschärft. Es gelang ihr auch, den strengen Domkapitular Dr. Jüngling mit Leber und Beerenmost, einem kleinen Schlückchen Rotwein, handzahm zu machen. Doch es kam alles, wie es kommen sollte: Mesner Johannes und seine Gattin Emma fanden, trotz einiger Kämpfchen, zum Schluss auch noch ihr Glück und vor allem ihre Ruhe. So erging es auch Sportlehrerin Heidi und Handarbeitslehrerin Heidemarie Rosenfeld, die immer wieder im Pfarrhaus für Verwirrung sorgten. Eine fulminante Predigt des in Mühlingen angereisten Domkapitulars begeisterte sogar die Haushälterin. Doch weil alles in allem nicht ganz im Sinne des lieben Gott passiert ist, wurde so manches Mal das Kreuz an der Wand abgedeckt, um dem Herrn den Anblick zu ersparen. Ebenfalls erspart wurde Pfarrer Alfons seine Strafversetzung ins benachbarte Zoznegg, welche ihm vom gestrengen Herrn vom Domkapitel angedroht worden war. Mühlingens Theaterspiel lebt Jahr für Jahr vom Lokalkolorit und den Parallelen in die Realität. So erntete der Pfarrer auf der Bühne die echten Zwetschgen der Bäume, die auf der Pfarrwiese stehen, die an dem einzigen im Dorf aktuell noch aktiven Landwirt verpachtet ist. Oder das Gasthaus Adler oder die Pension von Veronika Jäger, welche als Alternative für Zimmersuchende im Stück Erwähnung finden. Auch in diesem Jahr wurden die Besucher in den Pausen des Stücks mit Wurst und Käsebroten bewirtet.

Eine kurze Auszeit für den Pfarrer Alfons: Morgens beim Kaffee und der Lektüre des SÜDKURIER kann er entspannen.
Eine kurze Auszeit für den Pfarrer Alfons: Morgens beim Kaffee und der Lektüre des SÜDKURIER kann er entspannen.

 

Zu den Akteuren

Reinhard Traber, Marliese Renner, Alexander Blessing, Cordula Romahn, Petra Schweikart, Sabrina Stefan, Nicolay Kratzer, Elmar Häusler, Stephanie Riedmaier, Matthias Fladerer, Carina Groß. Markus Romahn hat wieder ein mit sehr viel Details gespicktes Bühnenbild geschaffen, Souffleuse Manuela Messmer half über die wenigen kurzen Klippen im Text hinweg und Johannes Fußnegger sorgte für einen guten Ton und die Technik. Für ein strahlendes Aussehen der Akteure sorgten in diesem Jahr Lisa Kible, Johanna Romahn und Carina Groß. (ich)