Alles begann mit einem Irrtum. Vor langer Zeit glaubte ein allzu gewissenhafter Bürger, einen Brand im Dorf zu entdecken. Er glaubte, durch das Fenster den Schein eines Feuers zu sehen. Aufgeschreckt alarmierte er sofort die Feuerwehr. Diese rückte aus und wollte den Brand löschen, musste jedoch an Ort und Stelle feststellen, dass es kein echtes Feuer war, sondern dass sie durch ein Trugbild genarrt worden waren. Der Schein der untergehenden Sonne hatte durch die Fensterscheibe ein feuerähnliches Licht erzeugt, welches von Weitem täuschend echt aussah. Die Männer wollten die Sonne löschen. Die Legende der Sunnelöscher war geboren.

Auf dieser Grundlage trafen sich am 5. Februar 1965 die 46 Gründungsmitglieder unter der Leitung des ersten Narrenpräsidenten Josef Truckenbrod und legten den Grundstein für die Mühlinger Sunnelöscherzunft. Die Satzung wurde gemeinsam mit Schneidermeister Werner Müller und dem Eigeltingen Holzschnitzer Schlosser erarbeitet. Das ist nun 52 Jahre her. Mit etwas Verspätung feiert die Sunnelöscherzunft ihr 50-Jahr-Jubiläum mit einem Festwochenende vom 17. bis 19. Februar.

Das Häs der Sunnelöscher spiegelt die Herkunftslegende wider. So tragen die Sunnelöscher auf ihrem weißen zweiteiligen Kostüm, bestehend aus einer weißen Hose und einem weißen, weiten Oberteil, auch eine bunte, strahlende Sonne. Diese ziert im Untergehen hinter den grünen Hügeln, welche Mühlingen auch geografisch gesehen überall einschließen, noch mit feuerroten Strahlen. Der Saum des Oberteils ist mit kleinen Glöckchen besetzt. Die aktuellen Hosen sind durch den Besatz von roten züngelnden Flammen komplettiert worden. Den Rücken ziert eine schräg angebrachte, schwarz eingerahmte Fensterscheibe. Das Fensterglas ist rot dargestellt, um die untergehende Sonne zu symbolisieren.

Der Sunnelöscher ist eine freundliche Figur, welche bei allen Umzügen gerade von Kindern freudig und ohne Schrecken empfangen wird. Die Holzmasken tragen einen alten geschnitzten blauen Feuerwehrhelm aus vergangenen Tagen, welchen am Ende ein bunter Haarschopf ziert.

Gerade Frauen mit Kindern und Jugendliche finden sich bei dieser Gruppierung gerne ein, da es für sie Vorteile hat, ein Sunnelöscher zu sein. Es kann schnell untereinander zwischen Umzugsterminen getauscht werden, wenn ein Kind nicht mitgeht, helfen sich die Familien untereinander, da die Kinder keine Masken tragen. Die Kinder lieben es, wenn die Glöckchen beim Laufen klingeln und das Häs ist, wie aus Mütterkreisen zu hören ist, "super praktisch, wenn es dem Nachwuchs urplötzlich einfällt, dass er ganz dringend noch schnell zur Toilette sollte".

Auch an diesem Wochenende wird man die Sunnelöscher bei den Feierlichkeiten mit zwei Umzügen durch das Sunnelöscherdorf, wie Mühlingen in der Fasnachtszeit von den einheimischen Narren genannt wird, sehen. Auch bei der Narrenmesse in der Pfarrkirche St. Martin am Sonntagvormittag, gemeinsam mit dem Musikverein Mühlingen und vielen Ehrengästen sowie Pfarrer Hartwig-Michael Benz, gehört sie fest dazu. Denn auch beim Zunftmeisterempfang für geladene Ehrengäste sowie beim Nachtumzug am Freitag um 19 Uhr oder dem Jubiläumsumzug am Sonntag um 14 Uhr wird eine Abordnung mit Mitgliedern aller Mühlinger Gruppierungen am Jubiläumsumzug teilnehmen.

Die Zunft

Der Ruf der Zunft lautet: Lösch d´Sunn. Genauer gesagt: Der Sunnelöscher ruft "Lösch...", der Besucher antwortet: "...d'Sunn". Ein ganz besonderer Stolz der Mühlinger Sunnelöscherzunft ist der Narrenbrunnen, welcher anlässlich des Narrentreffens im Februar 1980 durch den damaligen Bürgermeister Gottfried Winkler enthüllt und durch den Mühlinger Grafiker Peter Sachsenmaier, der 2015 verstarb, entworfen wurde. Den Narrenbrunnen zieren zwei Sunnelöscher, aus deren Strahlrohr das Wasser in einen mit der untergehenden Sonne gefliesten Brunnen plätschert.

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