Der Motor des Traktors (Eicher, Baujahr 1968, Modell: Königstiger) „schnurrt wie a Katz“, freut sich Fidelius Waldvogel, die Kunstfigur eines Ur-Schwarzwälders, als welche der Kabarettist Martin Wangler seit dem 5. Juli mit seinem Programm „Nächste Ausfahrt: Heimat“ im Ländle unterwegs ist.

Er gastiert mit seinem zur Wanderbühne umgebauten Forstwagen, den er als „sein Tiny-House“ bezeichnet und bis ins kleinste Detail liebevoll schwarzwälderisch dekoriert hat auf Bauernhöfen, in Freilichtmuseen und auf Dorfplätzen.

„Natürlich. Von Daheim“

Am sommerlich-warmen Donnerstagabend war der Kabarettist dann auch auf dem Hottenlocher Hof nahe Mühlingen zu Gast. Alle bereitstehenden Bänke und Stühle plus Holzfässer waren von überaus neugierigen und gut gelaunten Zuschauern belegt. Zusätzliche Sitzgelegenheiten waren aufgetürmte Strohballen. Umrahmt von alten Hofgebäuden inklusive Schweinen und einem Walnussbaum bot der Hof ein hinreißend rustikales Landambiente.

Martin Wangler war im Rahmen der Regionalkampagne „Natürlich. Von Daheim“ des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Mühlingen zu Gast. Bei der Kampagne werden die Verbraucher auf regionale Produkte und Spezialitäten aufmerksam gemacht, indem der hochwertige Regionalkauf in den Vordergrund gerückt wird. Bei den Veranstaltungen ist auch stets eine „Botschafterin für Agrarprodukte“ anwesend, die über die Kampagne und die Qualitätszeichen informiert.

Ein störrischer Querkopf

Allein der Künstlername Fidelius Waldvogel hat eine eigene Bedeutung: Fidelius kommt vom lateinischen Wort fides: Glaube, Treue, Zuverlässigkeit – weist uns also auf die Bodenständigkeit, Ehrlichkeit und Verwurzelung seines Namensträgers hin. Fidelius Waldvogel ist ein störrischer Querkopf, ein komischer (Schwarz-) Waldvogel und einer, der die Dinge nicht einfach hinnimmt, sondern hinterfragt.

Gleichermaßen ist er, selbst wenn er zunächst lieb und naiv anmutet, ein kluger Beobachter und ein scharfer Kritiker unserer Gesellschaft, einer der revolutionieren will – und an diesem Abend mit besonderem Augenmerk auf die Landwirtschaft das Publikum mit seiner liebenswerten Art und seinem Humor in seinen Bann zu schlagen vermag.

Scharfzüngige Sozialkritik

Bei Waldvogels Programm ging es um den viel strapazierten Begriff „Heimat“, um Heimaterfahrungen und Heimatbilder zwischen Fluch(t) und Segen, wie es in der Informationsbroschüre heißt. Wer aber nun einen gemütlich-heimeligen Abend zum Schunkeln erwartet hat, der liegt falsch.

Denn wenn Fidelius erklärt, was eine Geißel ist und diese kunstvoll vor dem staunenden Publikum knallen lässt, spätestens dann dürfte klar sein, dass es sich hier nicht einfach nur um einen volkstümlichen Heimatabend handelt, sondern dass Waldvogel scharfzüngige Sozialkritik übt.

Gegen Geiz-ist-Geil-Mentalität

So sei es zum Beispiel eine Geißel, dass der Milchpreis in unserem Land so niedrig sein dürfe, dass ein Bauer – wie er es in einer traurigen Moritat schildert – sich an einem toten Baum erhängt, weil sein Hof an der aktuell noch immer vorherrschenden „Geiz ist Geil-Mentalität“ der Menschen zugrunde ging. Oder dass eine Hochleistungskuh 70 Liter Milch am Tag geben muss. Weitere moderne Geißeln sind uns allen präsente Begriffe wie „Zeit ist Geld“ und das „Immer-mehr-haben-Wollen“ auf Kosten von Mensch, Tier und Natur.