Mühlingens Gemeinderat setzt klare Signale. Der in der jüngsten Gemeinderatssitzung einstimmig gefasste Beschluss sei eine große Chance für die weitere Entwicklung der Gemeinde, so Bürgermeister Manfred Jüppner. Auch Gemeinderat Reinhold Stroppel sieht in der neuen privaten Gemeinschaftsschule in Zoznegg ebenso eine einzigartige Chance für die Gemeinde und die Mühlinger Kinder, welche auch weit über den Landkreis hinaus Signale setze. "Darum werde ich auch mit Ja stimmen", so sein Resümee nach einer intensiven und eingehenden Diskussion im Gemeinderat.

Der Trägerverein, welcher sich nach dem ersten Antrag der Gemeinde auf Einrichtung einer staatlichen Gemeinschaftsschule gegründet hatte, hatte bei der Gemeinde nach der Ablehnung durch das Land signalisiert, die Schulgründung anzugehen. Damit sollte die von vielen Eltern gewünschte Schulform für alle Kinder aus Mühlingen, aber auch aus Hohenfels, Sauldorf, der Gemeinde Wald oder den nahen Stockacher Stadtteilen angeboten werden. Mit einer Risikoanalyse, wie sie in der Industrie angewendet wird, näherte man sich vielen Fragen. Und ermittelte einen sogenannten Risikoindex für das Projekt, so Petra Kible, welche dem Rat den aktuellen Sachstand vortrug und den Zuschussantrag des Trägervereins im Detail erläuterte.

"Leider kamen die Ablehnungen der staatlichen Anträge recht spät", erläuterte Bürgermeister Manfred Jüppner. Die bestehende Werkrealschule läuft aus und die neue Schule musste erst genehmigt sein. Die Genehmigung liegt nun schriftlich vor und gibt Anlass zu noch größerer Freude als erwartet. "Da wir nach dem neuen Bildungsplan unterrichten, gilt bei uns ein Einstieg über eine Orientierungsstufe. Wir haben die Genehmigung, mit einer Kombiklasse mit Kindern in Klasse fünf und sechs gemeinsam zu beginnen", so Petra Kible. Schulleiterin Miriam Daferner und weitere Lehrkräfte sind gefunden, über ein Wohlfahrtswerk bereite man eine FSJ-Stelle (Freiwilliges Soziales Jahr) vor. Bald werde man die Weiherbachschule in freier Trägerschaft präsentieren können. Die beiden Speicher sind leer geräumt, um für die Brandverhütungsschau gerichtet zu sein. Bereits am Freitag, 24. Juni, ist eine Informationsveranstaltung für Eltern mit Kindern in den aktuellen Klassen vier oder fünf in den neu gestalteten und eingerichteten Klassenräumen geplant.

"Nach einer Information des Eigeltinger Schulleiters Werner Leber ist im kommenden Schuljahr nicht mit einer Bus-Direktverbindung zu rechnen", antwortete Manfred Jüppner auf eine entsprechende Frage von Gemeinderätin Ulrike Stengele.

Eltern können ihre Kinder jederzeit anmelden. Der Trägerverein verweist auf eine Information des Regierungspräsidiums, demzufolge Kinder umgemeldet werden können, die bereits an einer anderen Schule angemeldet sind. Kontakt kann über die Mailadresse weiherbachschule@web.de oder über die Schulverwaltung (Petra Kible), Telefon (0 77 75) 93 87 88 aufgenommen werden.

"Der Rat will ein deutliches Signal setzen"

Manfred Jüppner, Bürgermeister von Mühlingen, erläutert, in welcher Form die Gemeinde die private Gemeinschaftsschule, die Weiherbachschule, unterstützen wird

Herr Jüppner, steht die Gemeinde hinter der privaten Gemeinschaftsschule?

Wir haben uns in der Gemeinderatssitzung am Dienstag klar positioniert. Der Beschluss, die Schule finanziell zu unterstützen, fiel einstimmig aus, bei drei Enthaltungen. Der Rat findet die Gründung gut und will ein deutliches positives Signal setzen.

Wie sieht die finanzielle Unterstützung konkret aus?

Die Schule erhält im ersten Jahr einen Zuschuss von 100¦000 Euro. Dafür muss die Schule einen Verwendungsnachweis bringen und ist angehalten, Schulgeld zu erheben und Spenden einzuholen, damit sich der Gemeindezuschuss reduzieren kann. Unter Vorbehalt der Finanzlage der Gemeinde möchten wir die Schule auch im zweiten und dritten Jahr unterstützen. In welcher Höhe, wird zu gegebener Zeit beraten.

Und das Schulgebäude?

Dieses stellen wir der Privatschule zusätzlich mietfrei zur Verfügung; ebenso die Sporthalle. Wir übernehmen auch alle Nebenkosten, sprich Strom, Wasser, Abwasser, Müll, Heizkosten, Reinigung und Hausmeistertätigkeiten.

Wie viel kostet das zusätzlich?

Im Haushalt ist die Gebäudebewirtschaftung zusammen mit dem Gebäudeunterhalt erfasst. Das sind – je nach Unterhaltsmaßnahmen – zwischen 30¦000 und 50¦000 Euro im Jahr.

Was hat die auslaufende Werkrealschule die Gemeinde gekostet?

Im Durchschnitt waren das pro Jahr rund 50¦000 Euro, ohne die Sporthalle.

Sollte die Gemeinde nach drei Jahren den Beitrag zurückfahren, wie kann die Schule auf eigenen Beinen stehen?

Spätestens nach dem dritten Betriebsjahr und der staatlichen Anerkennung, wenn die Landesmittel fließen, wird die Defizitabdeckung kein großes Problem mehr darstellen.

Fragen: Simone Ise