Der Realität ins Auge sehen müssen die Katholiken im Mühlinger Ortsteil Gallmannsweil: Ihre Heimatkirche ist bereits seit mehreren Wochen gesperrt. Pfarrer Hartwig-Michael Benz hatte die dringend notwendige Sanierung der Pfarrkirche St. Barbara schon vor längerer Zeit gemeinsam mit Pfarrer Michael Lienhard sowie dem Erzbischöflichen Bauamt abgestimmt. Vor gut drei Wochen wurden im Innenraum die Kirchenbänke abgedeckt, auch die Orgel wurde gut eingepackt.

Grau in grau präsentiert sich nun das Innere der kleinen Pfarrkirche, dies wird voraussichtlich noch bis Ende des Jahres so sein, ist sich auch Architekt Martin Frei aus Radolfzell sicher. Im Gespräch mit dem SÜDKURIER erklärt er den Renovationsaufwand und die Arbeiten. Grundlegende Veränderungen werden bereits bei der Heizung des Kirchenraumes eintreten, denn das veraltete System wird durch ein neues ersetzt. "Eigentlich war nur eine ganz normale Innenraumsanierung angedacht gewesen. Bei der Besichtigung allerdings wurde die fehlende Verankerung der Decke festgestellt, dies führt zu den viel höheren Kosten, ist aber unumgänglich", erläutert Pfarrer Hartwig-Michael Benz. Alle Figuren im Innern der Kirche sind ebenfalls gesichert und abgebaut. Um diese soll sich mit der Firma Heberle ein sachkundiger Restaurator kümmern. Leider, so merkt Architekt Martin Frei an, werde der Gallmannsweiler Kreuzweg nicht zu retten sein. "Sein Zustand ist leider, wie es scheint, zu schlecht." Allerdings habe Pfarrer Benz bereits bei der Erzdiözese nachgefragt, was sich in deren Fundus zur Ergänzung für Gallmannsweil finde. Es scheine bereits eine Lösung in greifbarer Nähe, so Frei bei einer Informationsveranstaltung im bitterkalten ehemaligen Rathaus zum Stand der Renovation und deren Umfang.

Wolfgang Kuolt aus Mainwangen interessierte sich für den Ersatz des Klöppelsatzes im Geläut. Rund 10 000 Euro sind für einen neuen Klöppelsatz angesetzt, denn die bisherigen Klöppel müssen ausgetauscht werden, um das Geläut nicht zu schädigen. Um die Decke und den Innenraum zu säubern und wieder in frischen Farben erstrahlen zu lassen, musste ein Gerüst aufgebaut werden. Die Kosten belaufen sich auf rund 10 000 Euro. Die komplette Elektrik der Pfarrkirche wird ebenfalls erneuert, hier sind Kosten von knapp 37 000 Euro veranschlagt.

Ob die Orgel nach der Renovation am Tage ihrer Enthüllung sofort wieder spielbereit sei, sei eine der großen Überraschungen, so Frei beim Infoabend. Auch sie ist aktuell dick eingepackt, wie die Besucher der Veranstaltung erfuhren, und wartet darauf, Ende des Jahres nach zahlreichen Temperaturschwankungen enthüllt zu werden. Denn über einen geraumen Zeitraum wird in der Pfarrkirche nicht geheizt werden können. Und so wird sie von aktuell zweistelligen Minusgraden bis über eine hochsommerliche Phase im dicken Filz auf die Probe gestellt. Evetuell wird hierzu dann der Rückgriff auf die einkalkulierten 4879 Euro für Unvorhergesehenes notwendig und sie muss noch neu gestimmt werden, bevor sie zum erstenmal in der frisch renovierten Pfarrkirche erklingen kann.

 

Die Kirche St. Barbara

1359 wird erstmals eine Kirche in Gallmannsweil erwähnt. Wahrscheinlich wurde sie um 1740 der heiligen Barbara geweiht, als die Barbara-Statue erneuert oder neu ausgestattet wurde. Im 18. Jahrhundert gab es einen Anbau und mehrere Ergänzungen. Im 19. Jahrhundert hat Pfarrer Henninger notwendige Reparaturen teils aus eigener Tasche bezahlt. Bei der großen Renovierung 1901 wurde nahezu die komplette barocke Ausstattung entfernt und das Kircheninnere im neogotischen Stil neu gestaltet. Die Kosten der aktuellen Renovation werden mit knapp 270 000 Euro beziffert. (ich)