Die alte Buche beim Zoznegger Evangelizipfel könnte gar manches erzählen. Zum Beispiel, dass in früheren Zeiten die Menschen bei Flurprozessionen zu ihr pilgerten und dort um Gottes Segen für Flur und Feld beteten. Der Pfarrer verlas bei der Buche das Evangelium, der Begriff "Evangelizipfel" war geboren. Inzwischen hat sich das Bild geändert. Der Zizenhausener Turnverein hat vor längerer Zeit das Kruzifix restauriert und auf einem stabilen Sockel neben der Buche befestigt. Die Inschrift am Kreuz lautet: "Groß ist Gott in der Natur. Herrlich zeigt sie seine Spur." Daneben haben die Hoppetenzeller Rentner und Wanderfreunde eine Ruhebank aufgestellt.

Doch die alte Buche stirbt langsam, aber unaufhaltsam. Damit verschwindet eines Tages ein empfundenes geschichtsträchtiges Naturdenkmal, denn der starke Pilzbefall leistet ganze Arbeit. Pilze sind gnadenlos und die jüngste Trockenheit befördert den Zerfall. Der Baum befindet sich im Stockacher Stadtwald am unteren Schneidweg. Der Name "Schneid" ist mittelhochdeutsch als "Sneite", neuhochdeutsch als "Schneite" oder "Schneit" zu verstehen, später wurde "Schneid" daraus. Althochdeutsch wurde die besagte Flur als "Snid" bezeichnet. "Sneite" oder "Schneid" war früher ein durch den Wald gehauener Hohlweg oder eine Schneise/Durchstich.

Einst zogen Postkutschen an der Buche vorbei

Von Stockach kommend über das Gehöft Burgtal verläuft die einstige Poststraße nach Zoznegg und weiter nach Ulm. Gleich hinter Burgtal gibt es einen steilen Hohlweg, auf dem einst die Postkutschen bergauf fuhren. Dieser Hohlweg ist vermutlich schon in der Römerzeit entstanden und wurde später vom Postunternehmen der Fürsten von Thurn und Taxis als Postweg benutzt. In Zoznegg erinnert der Postweg noch an die Zeit der pferdegezogenen Kutschen mit dem auf dem Bock sitzenden Postillon. An der beschriebenen Buche zogen die Postwagen einst vorbei.