Es war der erste öffentliche Auftritt der Männer, die neuer Bürgermeister von Mühlhausen-Ehingen werden wollen – zumindest von zwei von ihnen: Denn nicht alle der drei Kandidaten waren bei der offiziellen Kandidatenvorstellung der Gemeinde dabei, um sich den Wählern zu präsentieren. Per Liveschalte über das Internet zeigten Michael Krause und Patrick Stärk, wohin sie die Hegauer Doppelgemeinde als neuer Bürgermeister führen wollen.

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Dass nicht alle drei Kandidaten den Weg vor die Kameras fanden, begründete Amtsinhaber Hans-Peter Lehmann: „Samuel Speitelsbach hat uns per Mail mitgeteilt, dass er nicht an der Veranstaltung teilnehmen wird.“ Im Nachhinein wohl die richtige Entscheidung: Denn der in Mühlhausen-Ehingen fehlende Kandidat gilt als Dauerbewerber bei Bürgermeisterwahlen in der ganzen Region und ist dort in vergleichbaren Diskussionen durch anfeindende Art sowie beleidigenden Aussagen aufgefallen. Der Veranstaltung selbst tat sein Fehlen keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die Zuschauer an den Endgeräten daheim erlebten zwei unterschiedliche Kandidaten mit klaren Programmen.

Zwei Kandidaten auf dem Podium

Michael Krause ist 41 Jahre alt, verheiratet, zweifacher Familienvater und lebt seit 2008 mit seiner Familie in Mühlhausen. Aktuell ist er als Verkaufsberater im Einzelhandel in Konstanz tätig. Zudem ist Krause Mitglied der SPD, werde bei der Wahl aber neutral antreten. Seine ersten kommunalpolitischen Erfahrungen konnte Krause im Alter von 18 Jahren machen. Des weiteren saß Krause für die Partei Die Linke für fünf Jahre im Kreisrat.
Mitbewerber Patrick Stärk ist in der Mühlhausen-Ehingen kein Unbekannter: Der aktuelle Hauptamtsleiter der Gemeinde Engen arbeitete bereits von 1997 bis 2002 im Rathaus der Doppelgemeinde als Standesbeamter und Ratsschreiber. Stärk ist 1979 geboren, lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Engen. Er ist Mitglied der CDU, wird aber auch als unabhängiger Bewerber ins Rennen gehen.

Michael Krause will im Falle einer Wahl eine familienfreundliche Politik in der Doppelgemeinde schaffen.
Michael Krause will im Falle einer Wahl eine familienfreundliche Politik in der Doppelgemeinde schaffen. | Bild: Tesche, Sabine

Krause baut auf Familienfreundlichkeit:

Sollte er die Wahl am Sonntag, 14. März, gewinnen, würde sich Michael Krause für eine familienfreundliche und zukunftsorientierte Gemeinde einsetzen. Er sehe die Gemeinde mit den beiden Kindergärten in den Ortsteilen gut aufgestellt. „Aber wir werden weiter wachsen, deshalb dürfen wir das Ausbaupotenzial nicht aus den Augen verlieren“, sagte er. Eine wirtschaftliche Entwicklung in der Doppelgemeinde könne auf lange Sicht nur nachhaltig gelingen. Stärken wolle Krause auch die Landwirte in der Gemeinde. Ein wichtiger Baustein hierbei stelle für den 41-Jährigen das weitere Vorgehen auf dem Hirschen-Areal dar. Hier könne sich Krause etwa einen Marktplatz für regionale Anbieter vorstellen. „Wir sollten dort nicht nur Bauplätze ausweisen“, machte er deutlich.

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Mit Blick auf den öffentlichen Nahverkehr appellierte Krause dafür, die Bushaltestellen in den beiden Ortsteilen neu zu gestalten. Auch eine kostenlose Nutzung der Busse in Mühlhausen-Ehingen gelte es zu prüfen. Er wünsche sich zudem eine Verbesserung der Seehas-Anbindung. „Vor allem zu Stoßzeiten“, sagte er. In Aussicht, ohne ein genaues Datum zu nennen, stellte Krause ein neues Feuerwehrhaus – zentral zwischen Mühlhausen und Ehingen gelegen – und einen neuen Bauhof. Ein weiterer Baustein seiner Politik werde die Jugendförderung darstellen. Dafür wolle er etwa in öffentliche Sportanlagen und Spielplätze investieren. „Wir müssen den Vereinen helfen, durch diese schweren Zeiten zu kommen“, betonte er.

Mehr Platz für Vereine

Auch ein Ausbau der schon bestehenden Sportflächen in der Gemeinde, etwa der Eugen-Schädler-Halle, sei realistisch. „Dort haben wir Möglichkeiten zu erweitern, auch für kulturelle Vereine“, so Krause weiter. Beim Ausbau der Breitbandversorgung bezog Krause klar Stellung: „Schnelles Internet bedeutet, dass jeder Zugang ohne Einschränkungen hat – ohne Abbrüche.“

Für Patrick Stärk ist seine Kandidatur in Mühlhausen-Ehingen eine Herzensangelegenheit.
Für Patrick Stärk ist seine Kandidatur in Mühlhausen-Ehingen eine Herzensangelegenheit. | Bild: Tesche, Sabine

Eine Herzensangelegenheit für Stärk

Patrick Stärk machte deutlich, dass Mühlhausen-Ehingen für ihn eine Herzensangelegenheit sei. „Ich würde wirklich gerne nach 19 Jahren in Engen wieder zurück in die Gemeinde kehren“, sagte er. Stärk fühle sich menschlich gereift und fachlich gerüstet, um Nachfolger von Hans-Peter Lehmann zu werden. Er wolle im Falle seiner Wahl die Digitalisierung in der Gemeinde sowohl im Rathaus als auch bei den Bürgern vorantreiben. „Mit dem Masterplan Glasfaser haben die Gemeinderäte bereits im Dezember einen wichtigen Schritt gemacht. Diesen gilt es jetzt konsequent durchzusetzen“, sagte er.

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Für ältere Menschen in der Gemeinde gelte es zu prüfen, wo ein Mehrgenerationenhaus möglich sei. Dies gelte auch für die Angebote in Ehingen. Für das Hirschen-Areal hat Stärk klare Vorstellungen: Dort sei ein kommunales Bauvorhaben mit Wohnungen und einem Bauernmarkt möglich. „Solch ein Ladengeschäft würde die Nahversorgung stärken“, so Stärk weiter. In der Optimierung des ÖPNV sieht der 50-Jährige eine Daueraufgabe der Gemeinde. Einer Ein-Euro-Regelung stehe er grundsätzlich offen gegenüber. Eine klare Vorstellung hat Stärk bei der Kinderbetreuung: Dort werde es auf einen Ausbau hinauslaufen. „Wir müssen hier bei Zeiten vorsorgen, um Engpässe zu vermeiden“, sagte er.

Drei Millionen Euro für die Schloßstraße

Finanziell sehe er die Gemeinde gut aufgestellt: Man verfüge über sieben Millionen Euro an Rücklagen. Allerdings werde man dieses Geld auch brauchen. Alleine für die Sanierung der Schlossstraße seien laut Stärk rund drei Millionen Euro nötig. Gute Nachrichten gab es für die Vereine. Denn kulturtragende Vereine könnten bald mit zusätzlichen Mitteln aus der Karin-Schädler-Stiftung hoffen. Auf die Frage aus dem digitalen Publikum, ob er im Falle einer Wahl in die Doppelgemeinde ziehen werde, antwortete Stärk, dass er vorerst mit seiner Familien in Engen wohnen bleiben werde. Aber er beruhigte: „Mein Fahrtweg zum Rathaus beträgt zehn Minuten, wenn kein Traktor vor mir fährt.“

Geht nach über drei Jahrzehnten in diesem Jahr in den Ruhestand: Amtsinhaber Hans-Peter Lehmann.
Geht nach über drei Jahrzehnten in diesem Jahr in den Ruhestand: Amtsinhaber Hans-Peter Lehmann. | Bild: Tesche, Sabine

Digital und gut besucht

1000 Bürger schalteten sich zeitweise der Vorstellung bei, 300 verfolgten die ganze Veranstaltung. Laut Bürgermeister Hans-Peter Lehmann ein guter Wert – angesichts 3147 Wahlberechtigter in seiner Gemeinde.

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Mit Blick auf die Wahl am Sonntag, 14. März, sagte Lehmann, dass bereits 945 Bürger eine Briefwahl beantragt hätten. „Damit haben wir schon jetzt eine Wahlbeteiligung von 30 Prozent“, so Lehmann.