Elmar Veeser

Extreme Jahre bilanziert Kreisforstamtsleiter Walter Jäger im Rückblick für den Wald und die Waldbesitzer. Die letzten Jahre seien von extremer Trockenheit infolge des Klimawandels geprägt gewesen. Besonders hart habe es den Tengener Wald getroffen, dessen große Fichtenbestände besonders stark unter den Käferschäden leiden mussten.

Aber auch am Bodanrück, wo die Kronen vieler Buchen austrockneten, seien die Schäden immens. Eine planbare Waldbewirtschaftung hätte dies verhindert, statt dessen sei es nur noch um Schadensbegrenzung gegangen. Da aufgrund des Überangebots die Holzpreise einbrachen, erlitten die Waldbesitzer schmerzhafte finanzielle Einbußen.

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Anpassung an den Klimawandel

Beim Blick in die Zukunft mahnte der Kreisforstamtsleiter an, dass sich die Baumartenzusammensetzung der Wälder dem Klimawandel anpassen müsse. Deshalb sei es das Ziel des Kreisforstamtes, in enger Kooperation mit den Waldbesitzern die Entwicklung zu Baumarten hinzulenken, die gegenüber Trockenheit und Hitze toleranter seien.

Vielfalt, Mischung und Strukturvielfalt sollten verbessert werden, um stabile Waldökosysteme zu etablieren. Heimische Baumarten wie Eiche, Hainbuche, Linde oder Feldahorn und Elsbeere könnten an Bedeutung gewinnen, so Jäger im voll besetzten Saal des Gasthauses Mägdeberg in Mühlhausen, wo er auf etwa 70 Waldbesitzer traf. Sie waren angereist, um sich über das Beratungs- und Betreuungsangebot des Landes Baden-Württemberg zu informieren, denn schließlich erschwert die kleinflächige Besitzstruktur die Pflege und Bewirtschaftung des Waldes enorm. Deshalb bietet das Kreisforstamt den Waldbesitzern auf vielfache Weise Unterstützungshilfen an, deren breite Palette an diesem Abend vorgestellt wurde.

Preise ziehen stark an

Als Richard Bauer, der für die kommunale Holzverkaufsstelle zuständig ist, über seinen, dem Kreisforstamt angegliederten aber selbstständig agierenden Bereich referierte, spitzten die anwesenden Gäste besonders die Ohren, weil er einen ausführlichen Einblick in den Holzmarkt mit den aktuellen Preisen gab.

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Kurz zusammengefasst habe die aktuelle Energiekrise einen Boom mit Preissprüngen bei Brennholz ausgelöst. Beim Laub-Stammholz wie der Eiche, die in der Möbelindustrie sehr gefragt ist, zogen die Preise stark an. Interessant waren auch die Ausführungen des Fachmanns zur Struktur der Sägewerke, die in Baden-Württemberg mittelständisch geprägt ist. Dabei zählen im Hegau die Holzwerke Riedlinger in Bohlingen zu den wenigen Betrieben von Bedeutung.

Bahnhof spielt beim Transport eine Rolle

Haupttransportmittel für Holz ist die Schiene, wobei der Bahnhof in Singen eine große Rolle spielt. Richard Bauer wies die Kleinprivatwaldbesitzer darauf hin, dass sie vor dem Holzeinschlag ihren Förster vor Ort ansprechen oder die kommunale Holzverkaufsstelle kontaktieren sollen, um sich beraten zu lassen. Diese vermarktet 16 Baumarten mit einer Gesamtmenge von jährlich bis zu 90.000 Festmetern.

Walter Jäger, Leiter des Kreisforstamtes
Walter Jäger, Leiter des Kreisforstamtes | Bild: Jarausch, Gerald

Forstamtsassistentin Rebecca Göttel stellte anschließend die zahlreichen vom Land finanziell geförderten Maßnahmen im Kleinprivatwald vor. Der erste Schritt sei immer die Kontaktaufnahme mit dem örtlich zuständigen Revierleiter, der im Vorfeld in allen Fragen zur Waldbewirtschaftung fachmännischen Rat geben könne.

Nach der Beratung erfolge die Antragsstellung, danach die Prüfung. Wenn alle Voraussetzungen erfüllt seien, könne die Genehmigung zu den geplanten vom Land finanziell geförderten Maßnahmen zur naturnahen Bewirtschaftung im Privatwald erfolgen, so die Forstamtsassistentin. Zu den zu erfüllenden Voraussetzungen gehört neben vielem anderen die Einhaltung der Fristgerechtigkeit.

Die Schäden der Dürre und fehlenden Niederschläge zeigen sich an der Krone der Buche, sie werden dürr, der Baum stirbt innerlich ab.
Die Schäden der Dürre und fehlenden Niederschläge zeigen sich an der Krone der Buche, sie werden dürr, der Baum stirbt innerlich ab. | Bild: Jürgen Waschkowitz

Zum Beispiel muss der Antrag zur Herbstpflanzung bis Ende Juli erfolgen. Auch die Einhaltung der Vorgaben für Naturverjüngung und Pflanzung sind zahlreich. Zwei Beispiele dazu: der Laubholzanteil muss dabei größer als 40 Prozent sein und ab einem Hektar Fläche müssen mindestens drei verschiedene Baumarten gepflanzt werden.

Dies klingt nicht nur kompliziert, sondern ist es auch, doch diene es langfristig der Anpassung der Wälder an das sich verändernde Klima. Wobei die Revierförster sowie die Fachleute des Kreisforstamtes mit Rat und Tat zur Seite stehen. Rebecca Göttel stellte auch die breite Förderpalette mit klar festgelegten Fördersätzen vor, die zum Beispiel finanzielle Zuschüsse zum Pflanzenkauf, zur Jungbestandspflege und zur Bewässerung beinhalten.

Zum Abschluss oblag es dem stellvertretenden Forstamtsleiter Helmut Fritz zu den Fördermaßnahmen bei Extremwetterereignissen zu referieren, wobei die Bekämpfung des Borkenkäfers im Mittelpunkt stand. Auch er wies mehrfach darauf hin, sich vor dem Antrag immer erst mit dem zuständigen Revierförster in Verbindung zu setzen.