Alfred, der Familiengnom, ist der Letzte einer Adelsfamilie, die die glanzvollen Zeiten hinter sich hat. Das vielsagende Familienportrait auf dem Buchdeckel lässt den Inhalt des Buches „Der Letzte meiner Art“ von Lukas Linder schon erahnen. Im Rahmen der Erzählzeit ohne Grenzen las der Autor im Gasthaus Löwen in Mühlhausen.

Alfred von Ärmel wäre gern ein Held wie einst sein Vorfahr. Es nützt ihm nicht viel, dass der Fotograf ihn als Champion bezeichnet, als sich die ganze Familie für ein Foto in Positur setzt. Auch auf seinen Vater kann er nicht zählen, einst Fabrikant von Wimpeln, hat der mit dem Leben abgeschlossen. Seine Mutter wähnt sich in alten Zeiten und steht zu seinem weisen Bruder, dem Erstgeborenen, und rächt sich an ihm, weil er ein Mädchen werden sollte, meint Alfred. Auch in der Schule ist er nicht beliebt und fragt sich, ob das was mit seiner Familie zu tun hat.

Niedergang einer Familie

Linder zeichnet in seinem Debütroman ein Bild einer Berner Familie, die im Niedergang an der Vergangenheit haftet und zu ihrer eigenen Karikatur gerät. Er schildert auf komisch satirische Weise, wie der jüngste Nachkomme die Situation durchschaut. Aber wie kann er die Familienehre retten? Hat er überhaupt das Zeug zum Helden? Selbst Alfreds Annäherungsversuche bei Frauen sind unbeholfen. Martha lädt ihn zum Geburtstag ein, aber er fragt sich: „Wie anfangen und was sagen?“ Und was bedeutet es, dass sie seine Blumen unbeachtet zu den anderen Geschenken wirft? Mit Ruth läuft es nicht besser, sie meldete sich auf sein Inserat, anders konnte er keine Tanzpartnerin für den Abiball finden. Sie ist 50, er 18 Jahre alt. Ihr Parfüm löst bei Alfred leichtes Asthma aus, aber sie serviert bei jedem Besuch ihr spezielles Kartoffelpüree.

Mit Witz aber nicht ohne Tragik reiht Linder Episoden aus Alfreds Leben aneinander. Es bleibt die Frage, ob der Stand des Adels noch zeitgemäß ist. Lukas Linder, geboren 1984 im Kanton Zürich, studierte Geschichte und Philosophie in Basel und hat sich als Theaterautor einen Namen gemacht. „Der Letzte seiner Art“ ist sein erster Roman, den er verfasste.