Herr Küchler, zum ersten Mal in der Geschichte hat der TV Ehingen einen Präsidenten. Was ist das für ein Gefühl?

Etwas ungewohnt. Wir hatten dieses Amt in dieser Form noch nie. Ich wollte nach 21 Jahren aber einfach nicht mehr die ganze Verantwortung auf meinen Schultern tragen. Zwei Jahrzehnte haben gereicht. Jetzt freue ich mich auf meine neuen Aufgaben.

Wie entstand die Idee, die Verantwortung zu verteilen?

Die kam von mir selbst, nachdem ich nach etlichen Gesprächen mit fähigen Kandidaten gesehen habe, dass wir als Einzelperson keinen neuen Vorsitzenden finden werden. Daraus resultierte die Idee, es anstelle eines Vorsitzenden und dessen Stellvertreters zukünftig mit einem Vorstandsteam zu versuchen. Mit Harald Schütz, Alexander Strobel, Chris Martin und Sarah Ganter fanden sich dann Gott sei Dank vier Personen für das Team. Das Repräsentative, also den Verein nach außen bei Versammlungen anderer Vereine oder Geburtstagen zu präsentieren, wird weiter von mir übernommen. Sozusagen aus der Not heraus haben wir uns entschieden, die Struktur anders aufzubauen, moderner zu werden.

Was geben Sie dem neuen Vorstands­team mit auf den Weg?

Das ist völliges Neuland – für alle von uns. Wir brauchen wahrscheinlich noch mindestens ein Jahr, bis wir uns alle richtig gefunden haben. Auch die Abgrenzung, wer für was zuständig ist, wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Diese Zeit gibt der Verein den neuen Verantwortlichen auch.

Gab es eine Alternative?

Die gab es nicht. Der TV Ehingen stand vor einem Dilemma: Wenn wir keine Vorstandschaft finden, hätten wir ein Jahr Zeit gehabt, um diesen Umstand zu ändern. Wäre die Zeit verstrichen, ohne, dass sich eine Lösung abgezeichnet hätte, hätte der Verein ‚von Amts wegen‘ aufgelöst werden müssen. Wir können keinen Verein mit 800 Mitgliedern auflösen.

Sie sind seit 21 Jahren an der Spitze des Vereins. In Zeiten, in denen sich viele Vereine schwer tun, ehrenamtliche Helfer zu finden, eine Seltenheit. Wo sehen Sie die Gründe hierfür?

Wir haben im TV Ehingen eigentlich keine Probleme, Menschen für ein Ehrenamt zu finden, unzählige Personen halten den Verein am Leben. Hier ging es im Speziellen darum, die enorm verantwortungsvolle Rolle des Vorsitzenden zu vergeben. Dabei haben wir uns schwer getan. Wir sind der größte Verein im Ort mit vielen Aktivitäten, haben einen Förderverein, 150 000 Euro jährlichen Umsatz – dies kann abschrecken.

Fast überall im Amateursport wird inzwischen Geld gezahlt – vor allem für Spieler und Trainer. Frustriert dies als ehrenamtlicher Helfer nicht?

Da darf man nicht drüber nachdenken, das muss man einfach akzeptieren. Wobei meine Einschätzung ist, dass sich früher oder später Vorstandschaften nur noch finden lassen, indem man auch sie vergütet. Was mich zuletzt viel mehr frustriert hat, ist die Tatsache, dass die Politik für 2019 in Aussicht gestellte Erhöhungen der steuerfreien Ehrenamtspauschale, Übungsleiterpauschale oder für den Wirtschaftsbetrieb zurückgenommen hat, mit der lapidaren Bemerkung, dass dafür kein Geld da sei. Das sind dann genau die Politiker, die aber nicht müde werden, bei jeder Gelegenheit zu betonen, wie wichtig die soziale Arbeit der Vereine sei.

Was war Ihr größter Sieg außerhalb des Spielfeldes?

Unser Vereinsheim! Das war 2001 ein Kraftakt. Die Umsetzung war nur möglich, weil viele Helfer die Idee mitgetragen haben. 300 000 D-Mark hat unser Vereinsheim gekostet. Mich macht es stolz, dass wir unser TVE-Zuhause gemeinsam umsetzen konnten und dennoch seit Jahren schuldenfrei sind. Peter Riede, Joachim Garcia und Herbert Rauch waren beim Vereinsheim die Motoren – ohne sie wäre das „Hüsli“ nicht realisiert worden.

Schrott sammeln für den Verein: Kurt Küchler war auch abseits für den TV Ehingen aktiv. Das Bild zeigt ihn am Steuer bei einer Fahrt durch die Doppelgemeinde aus dem Jahr 1994.
Schrott sammeln für den Verein: Kurt Küchler war auch abseits für den TV Ehingen aktiv. Das Bild zeigt ihn am Steuer bei einer Fahrt durch die Doppelgemeinde aus dem Jahr 1994. | Bild: TV Ehingen

Was war Ihre größte Niederlage?

Der Disput um die Hallengebühren – zu dieser Zeit war ich als Ersatzkandidat in den Gemeinderat nachgerückt – war für unseren Verein eine Riesenenttäuschung. Als einziges Mitglied hatte ich 2004 gegen die Einführung von Hallengebühren gekämpft. Das hat mir viele negative Stimmen eingebracht und viele Freundschaften wurden auf eine harte Probe gestellt.

Sie sind vierfacher Familienvater und alle Kinder spielen beim TVE Handball. Woher kommt die Liebe zum Verein?

(lacht) Wir wachsen hier alle mit dem Handball auf. Meine Kinder hatten, um ehrlich zu sein, keine andere Chance sich einen anderen Sport auszusuchen.

Euer Herz schlägt also Grün-Weiß?

Inzwischen, nachdem alle Kinder nach Gastspielen in anderen Vereinen wieder in Ehingen sind, voll und ganz!

Wenn Sie es könnten: Würden Sie rückwirkend etwas in Ihrer Amtszeit ändern?

Eigentlich nicht. Ich hatte aber auch immer Glück mit meinen Kollegen im Vorstand. Jan Schultz als Stellvertreter und Erika Leineweber als Kassiererin haben mich beinahe 15 Jahre begleitet und mir den Rücken freigehalten. Wir waren ein Superteam.

Kam Ihre Familie bei all den Terminen für den TVE nicht manchmal zu kurz?

Ich bin meiner Frau und meinen Kindern unendlich dankbar. Sie mussten oft auf mich verzichten. Jeder denkt, dass ein Vorsitzender selbstverständlich und immer da ist – aber hinter jedem Vereinsboss steht eine Familie, die ihn bedingungslos unterstützt und den Rücken freihält.

Was macht den Präsidenten Kurt Küchler aus?

Ich fühle mich dem Verein nach wie vor verpflichtet und will auch weiterhin mithelfen, wo es geht. Aber die Last der Verantwortung ist jetzt weg.

Was machte den Handballer Kurt Küchler aus?

(lacht) Sportlich ganz wenig, weiter als zum Torwart der dritten Herrenmannschaft hat es nie gereicht. Ich habe früher auch überwiegend Fußball gespielt. Da haben meine Kinder mir einiges voraus.

Mal abseits vom TVE: Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

An meiner ehemaligen Mühle gibt es immer etwas zu tun. Sonst bin ich gerne und oft im Wald und sorge dafür, dass es meiner Familie im Winter nicht kalt wird und genügend Holz vorhanden ist. Und sonst fahre ich gerne Fahrrad. Im Jahr kommen schon 5000 bis 6000 Kilometer zusammen.